Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1879)
- Date
- 1879-09-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Zwecken dienstbar macht, ehe er mit staunenerrei gender Sicherheit einen Bibelspruch zur Begründung seines Lehrsatzes citirt, er sich im Kreise der! Bibelexegeten umsehe und sich Raths erhole. Doch davon ist Herr Astruc weit entfernt; seine 1 Würde als Grand--Rabbin erhebt ihn weit über ■ Rambam, Raschi, Mendelsohn und mit kecker j Stirn befolgt es das Goethesche Wort: „Im Äuslegen seid frisch und munter, Legtihr's nicht aus, so legt was unter!" Ebn Esra und Raschi wenden nämlich die angezogene Stelle auf die Thora an. Nicht über Deine Kräfte gehen die Pflichten, die das Gesetz Dir auferlegt, keine übermenschliche Anstrengung brauchst Du zu ihrer Erfüllung zu machen. Sie befindet sich nicht im Himmel , bemerkt Raschi, daß Du. um sie zu erlernen, hinaufsteigen müßtest; als ns pyacp min und anaaer nun ist sie Dir überliefert." Im Herzen kannst Du sie tragen, im Munde führen. Andere Erklärer glauben dagegen, daß die Verse sich auf die Reue beziehen, von der kurz vorher die Rede. Um zu Gott zurückzukehren, bedarf es nicht übermenscylichen Mühens, jederzeit kanst Du Dich mit dem Allgütigen versöhnen, wenn Dein Mund Deine Frevel bekennt, Dein Herz sich dem Schöpfer wieder in treuer Liebe zuwendet, um an ihm zu hangen. In Deine Macht ist die Rückkehr zum Guten gestellt, irrv “üti anp, wann du willst, kannst Du bereuen und Buße thun." Geradezu lächerlich wirkt also die Frage des Herrn A., die er an das Citiren der Bibelstelle knüpft: „Ist das nicht eine Definition des Gewissens?" Nein, Herr Grandrabbin, es ist eine Definition der Reue, oder der nirnpn mm! — Die Moral, wie sie der Pentateuch uns lehrt, soll unabhänging frei sein, sie soll im Menschenherzen ihre ewige Basis haben, — so sagt Herr A. In nichts aber gehen die Begriffe der Menschen wohl so auseinander , wie in Betreff des Sittlich - Guten und -Bösen. Was vor Jahrhunderten für erlaubt, ja für löblich galt, ist heute als verabscheungswürdig gekennzeichnet, — frech spreizte der Römer sich mit seinen schändlichen Lastern, ließ Tausende von Sklaven in Gladiatorenkämpfen und im Ringen mit wilden Thieren zerfleischen, opferte zahllose Menschen seinen Leidenschaften und die von Herrn A. gepriesene Moral in seiner und seiner Mitmenschen Brust — schwieg. Wo war jene Basis der Sittengesetze, und als der fränkische König Chlodwig seine Familie hinopfern ließ, als Mord Raub, Ehebruch allüberall herrschten, wie konnte sie es zulassen, daß ein aufrichtiger Chronist der damaligen Zeit, Gregor von Tours, diese Schandthaten naiv ohne jede sittliche Entrüstung erzählt, I wo war sie. als die blutige Inquisition Hunderttausende von Juden dem Feiertode übergab und! diese Blutthaten, Auto-da-f6, Glaubensthat, nannte. als Flagellanten und Kreuzfahrer unsere Brüder 1 peinigten, als die entsetzlichen Hexenprozesse ■ Ströme von Blut fließen ließen, als in Frankreich! Bartholmäusnacht und Dragonnaden dre Protestanten decimirten? — Schauen wir uns nun in der Neuzeit um; noch heute sind die Begriffe von Sittlichkeit bei den Menschen gänzlich verschiedene. Der Kannibale findet nichts Unrechtes darin, seinen Feind zu verzehren, der Indianer hält den Diebstahl für erlaubt, dem Corsen gilt die Blutrache für löblich, der Thug, der indische Würger, mordet im Namen seiner Gottheit im religiösen Wahn. Der orientalische Herrscher feiert seine Thronbesteigung im wüstesten Morden, der siamesische Fürst ließ noch vor wenigen Wochen feine ganze Familie abschlachten und wo regte sich die Stimme der Moral?? (Schluß folgt.) Zeitrrrrgsrrackrichterr und Correfporrdenzerr. Deutschland. Würzburg. Ende Elul. Wiederum neigt sich ein Jahr seinem Ende zu. Nur wenige Tage noch, und das Jahr 5639 gehört der Vergangenheit an! Wie jeder denkende und rechnende Mensch nun beim Jahresschlüsse seine Bilanz macht, so soll dies auch die Gesammtheit. Leider stellt sich für dieses Jahr für die Gesammtheit des Judenthums ein großes und schwerwiegendes Verlust- Conto heraus. Das Judenthum hat in dem bald verflossenen Jahre große, unersetzliche Verluste erlitten: Helden des Glaubens und der Gelehrsamkeit sind aus unsrer Mitte geschieden, um dort oben den Lohn für ihr segensreiches Wirken zu empfangen. Was uns zunächst auf diese Betrachtung führt, das ist die Erinnerung an den beim Beginne dieses Jahres, noiD am "a ora erfolgten Hintritt unseres unvergeßlichen Rabbiners an'n yv'i ’i^n an pnsn 'mo Bamberger. Sein Verlust wird heute noch so tief empfunden als im Anfänge, denn mit Recht laßt sich auf ihn das Wort anwenden: immn m ena* na, wo qibts Ersatz für eine solche entschwundene Größe? Was er für die 3 Säulen des Judenthums, für nnay mm DHDn gewesen, wurde schon oft und vielfach in diesen geschätzten Blättern hervorgehoben. Allein eine wiederholte Erinnerung daran kann für unsere Zeit nur heilsam sein, damit das edle Beispiel fort und fort wirke, und zur Thätigkeit auf all' diesen Gebieten ansporne. Hauptsächlich aber