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Der Israelit · 1879-09-17 · Heft 38 (17.9.1879) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 38 (17.9.1879)
Date
1879-09-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1026 eine ihrer Hände ergriffen und bot alle seine Beredsamkeit auf, der sichtlich Leidenden Trost und Hoffnung zuzusprechen, oder ihr doch wenigstens ein momentanes Interesse an irgend einer Unterhaltung abzugewinnen. Da drehte sich die Thür geräuschlos in ihren^ Angeln, ein Diener trat herein und überreichtes seinem Herrn eine so eben einzelangte Kabel-' Depesche. Mr. Goldsmith erbrach sie und las — sie mußte eine hochwichtige Nachricht enthalten, das Antlitz des wackern Mannes strahlte in aufrichtiger Herzensfreude. Einige Augenblicke zögerte er, blickte bald auf das bleiche Mädchen, bald auf den Freund; dann trat er zu Letzterem, legte seine . Hand auf dessen Schulter und flüsterte ihm einige! Worte zu, beide begaben sich ins anstoßende | Zimmer. j Betti, der keine Bewegung ihres Gatten entj gangen, hatte fragend auf ihn gesehen. Er nickte! ihr lächelnd zu und deutete auf Jakobine, die noch! immer mit geschlossenen Augen im Sessel lehnte.! Die junge Frau wäre den Herren gar zu gern! gefolgt, doch sie wollte die leidende Freundin nicht! allein lassen. Mit angehaltenem Athem lauschte sie, ob vom Nebenzimmer her leicht ein Laut zu I ihr dringe — umsonst, es ließ sich nichts vernehmen. „Wie fühlst Du Dich, Gretchen?" fragte Betti, indem sie ihre Hand an die Stirn der Leidenden legte. „Gut" erwiederte Jakobine matt. „Gut? ‘ wiederholte Betti, „ach, mirscheint gar nicht gut — Du leidest, Dein Kopf glüht.— Aber wenn Du wüßtest, Gretchen, wie stolz ich auf Dich bin — und Du wirst auch sehen, es wird noch Alles gut werden." „Was wird, was kann noch gut werden?" fragte Jakobine mit schmerzlichem Seufzer. „Alles", entgegnete die Andere eifrig. „Jetzt darf ich Dir's wohl sagen, James hat von Anfang an gefürchtet, daß es nicht zu Deinem Glücke gewesen wäre, wenn Du Arthur Kohn geheirathet hättest, er hat ihn nie für echt religiös gehalten und daher für Dein Wohl sehr gebangt." „And teach me but that one to know that all what iz is right“, sprach Jakobine leise, „und gewiß wird cs so recht sein, wie es ist — aber ich habe ihn sehr — sehr geliebt." Betti drückte einen Kuß auf ihre bleiche Stirn. „Du wirft sehen, es wird noch Alles gut werden — und rascher als Du es für möglich hältst — wirft Du Dich frisch und heiter fühlen." „Ihr seid so gut — so unendlich gut, Du! und Mr. Goldsmith — ich weiß wahrlich nicht,! wie ich Eure Güte je vergelten kann und —" Sie ward unterbrochen, James steckte sein l freudestrahlendes Angesicht durch die halb geöffnete i Thür. > „Dürfte ich Dich bitten. Betti — einen Augen*! blick —" „Ich komme im Nu. — Du entschuldigst doch, Gretchen, ich bin im Moment wieder hier." Hastig eilte sie Nebenzimmer, ihre Neugierde hatte bereits den höchsten Grad erreicht. Und was da drinnen verhandelt ward? — Das bleiche Mädchen mit dem schmerzzuckenden Angesicht schien sich wenig darum zu kümmern. — Doch schon nach wenigen Minuten ward die Thür aufgeriffen und Betti stürzte jubelnd ins Zimmer. „Gretchen! Gretchen! meine Prophezeihung ist schon eingetroffen, James hat eine Depesche erhalten von Deinem Onkel Benjamin!" „Von Onkel Benjamin!" rief Jakobine aufspringend, „o geschwind — was enthält sie? — meine Mutter? —"! „Bittet Dich dringend, baldmöglichst zu ihr | zu kommen und sendet Dir ihre volle Verzeihung." I „Gott sei Dank! rief Jakobine, während ein k Strom von Tbränen ihren Augen entstürzten — I es waren die ersten, die sie seit ihrem Bruche mit I Kohn geweint. 8 ,,Aber Du weißt noch nicht Alles", fuhr Betti 8 hastig fort, indem sie den Arm um die Weinende schlang, „ich habe Dir noch viel, viel zu berichten. I Denke Dir, der Geistliche, der Dir die Wieder-! Vermählung Deiner Mutter gemeldet, hat Dich belogen — nie hat Deine Mutter sich zum zweiten 8 Mal vermählt." Ein Freudenschrei entfuhr Jakobinens Lippen. „Gott sei Dank! Gott sei Dank! — o, wenn ich nur bald hinüber könnte! — jetzt werde ich den Traum und die Hoffnung meiner Kindheit verwirklichen — jetzt werde ich meine Mutter pflegen und für sie sorgen nnd arbeiten —" \ „Nein", fiel Betti plötzlich ernst ein, „daß \ Du für sie arbeiten, d. h. sie durch Deine Arbeit ' ern hren wirft, das glaube ich nicht." j Jakobine blickte sie verwundert an. „Du i glaubst nicht, daß ich für meine Mutter arbeiten^ werde? so wenig trauest Du mir zu?" 3 „Nicht doch, Du mißverstehst mich. Ich meinte W — ich wollte nur sagen, daß ich nicht glaube, daß» Du das nothwendig haben wirft." J| „Und Du meinst. ich würde zugeben, daß» meine Mutter sich auch fernerhin durch ihrer Hände» Arbeit ernährt?" {■ „Ach nein, das glaube ich durchaus nicht,»

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