Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1879)
- Date
- 1879-09-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1022 Der 132. Psalm ward nun zwischen Vorsänger und Gemeinde responsorisch vorgetragen, die Thorarollen wurden ausgehoben und der Festzuz setzte sich nach der Synagoge hin in Bewegung. Den Zug eröffnete Herr Aron Hirsch als Haupt des Festcomite's, es folgten weiß gekleidete Schülerinnen, die Schüler der isr. Schule, Vorsänger und Chor, die Ehrengäste, von einer Deputation des Festcomite's begleitet, das Rabbinat, rmn nsD tragend, die übrigen Träger der Thorarollen. 64 min nsD waren es. die zum größten Theil mit neuen Mäntelchen bekleidet (Geschenke der Halberstädter Frauen) den Kern des Ganzen b ldeten. Hieran schlossen sich die übrigen Theilnehmer der tzeier. In der Vorhalle der Synagoge ward inns p-is nyitr gesungen, es erfolgte die Ueberreichung des Schlüssels durch Frl. Bertha Hirsch, Tochter des Herrn Benjamin Hirsch, verbunden mit dem sehr netten Vortrag eines zum Zwecke verfaßten Gedichtes. Der B umeister ergriff nun das Wort und hierauf Herr Benjamin Hirsch, der den ganzen Bau mit feinem Verständnisse geleitet, zuletzt der Oberbürgermeister hiesiger Stadt. Und nun öffneten sich die Flügelthüren. Ein blendender Glanz strahlte dem staunenden Auge entgegen. Nach Vortrag mehrerer Gesänge, nach dem Umzuge mit den Thorarollen um den Almemmor, ihrer Einstellung in den empn p», Anzünden des Ton u, Vortrag verschiedener Psalmen, folgte die Festpredigt. Nachdem Herr Dr. Auerbach dem Herrn der Welt den Dank für des Werkes Gelingen gesprochen, legte er dar, daß es nicht der vergängliche Bau sei, nicht der vergängliche Tag, dem wir unsere Freude heute weihten, sondern dem erhabenen Gedanken, eine Ruhestätte errichtet zu haben, nicht Ihm, der spricht, p6*m \xco D’D^h cnn, nein uns, unserer Andacht, unserm Herzen, das ja von des Lebens mannigfachsten Stürmen durchtost wird, eine Statte zu unserer Belehrung. Der Zweck der Synagoge sei also ein doppelter, sie sei ein ndvn n'v und ein amon rva. Es möchten die reinen Seelen derer herabsteigen, die an dieser Stelle oft fühlten die tiefinnigste Bedeutung der n^n von den Zeiten Rabbi Bermann's y'sn bis zu Rabbi Josef Hirsch y'sn, es möchten die reinen Geister derer herabsteigen, die bis zu dem tiefsten Schachte des Talmuds vorgedrungen, an dieser Stätte das Thorawort lehrten, von den Zeiten pn ri’n Y'mo bis y'si "jjo-jnx nvü p\n 'VL. Mit einem Gebete für den Kaiser schloß die hinreißende, begeisternde Predigt. Herr Benjamin Hirsch als Vorsitzender des Vorstands-Collegiums, drückte hierauf Allen, die an dem Werk in welcher Werse immer theilgenommen, den herzlichsten Dank aus. Nach dem Gebet für die Gemeinde und für Die, welche sich um die Renovation verdient gemacht, folgten als schöner Schluß zwei Gesangspiecen. Es war ein wohlgelungenes Fest. Die Theilnahme von auswärts zeigte sich in dem Erscheinen der Herren Rabbiner» Dr. Hildesheimer aus Berlin, Emanuel und Abraham Schwarzschild aus Frankfurt am Main, Marcus Vondi aus Mainz und sonstiger zahlreichen Gäste aus Nah und Fern, die Theilnahme der Mitbürger fand ihren Ausdruck in dem Erscheinen der Behörden, des Landraths, des Oberbürgermeisters nebst den Herren Stadträthen, der Schuldirectoren, des Oberpredigers der protestantischen Kirche. — Ein Festessen von der Gemeinde aus findet nicht statt, jedoch wird ein jüdischer Verein, „Gesellschaft der Freunde" genannt, ein Festmahl veranstalten. Ein herrliches Beispiel jüdischer Opferfreudigkeit hat die israel. Gemeinde zu Halberstadt gegeben; sie hat keine Anstrengung, keine Kosten gescheut, um ein würdig schönes Gotteshaus herzustellen, 'vp da njn?yti? .ny v'nbtt s'n *n >a pan Feuilleton. Kabbi Ioselmann von Kosheim. Eine historische Erzählung. (Zweites Buch.) VH. Als Rabbi Joselmann am andern Tage die Ordonnanzen aus der Kanzelei des Erzherzogs abgeholt hatte, kaufte er ein Pferd und ritt, so eilig er konnte, der Heimath zu. Trotz seiner Eile dauerte es aber Wochen, ehe er nach Hause kommen konnte, und er richtete es ein, daß er über Sabbat bei seinem Freunde Rabbi Libermann, der damals Rabbiner in Pfersee bei Augsburg war, verweilen konnte. Dieser Rabbi Liebermann muß, wiewohl die jüdische Literaturgeschichte seinen Namen nicht nennt, ein sehr bedeutender Talmudgelehrter gewesen sein, da ihm seine Zeitgenossen den Titel „Gaon" beilegten. In alten Zeiten kam dieser