Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1879)
- Date
- 1879-09-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1021 halten. — Herr Dr. Frankel hat n-bst den Predigerfunktionen in der hiesigen alten und neuen Synagoge auch das beneidenswerthe „Amt" eines Docenten für Homiletik an der Hochschule. — Ich ] sage mit Absicht „Amt", da es Herrn Dr. F., wie sie aus Folgendem ersehen werden, ziemlich sauer gemacht wird, seinem Docentenposten vorzustehen. — In dem oben erwähnten Vortrage war wunderbarer Weise ein Ton angeschlagn, wie er in den Räumen der Hochschule noch nie gehört wurde. Der Redner hatte den Einfall, eine begeisterte Lob- Hymne auf die vergangene alte Zeit sowohl, wie auch auf die alten Rabbinen anzustimmen, bei dieser Gelegenheit aber einige tüchtige und bravsitzende Seitenhiebe den modernen Rabbinern zu versetzen. Herr Dr. Frankel, der nun meinte, seine eigene Person habe dem Redner als Modell gesessen, und der es für unschön und unpraktisch hielt, gegen die modernen Rabbinen in solcher Weise loszuziehen, verliert in seiner Critik das Gleichgewicht, resp. den Gleichmuth, und mit ihm das richtige objective Urtheil des Docenten. Er greift in der Vertheidigung seiner Ansicht zurück auf die Vergangenheit, führt seinen aufmerksamen Hörern einige Charaktere, unter andern den des idid ünn lebhaft vor Augen, um die alte Zeit und die alten Rabbinen zu be — be — begeifern und gründlich in den Staub herabzuziehen. — Da ertönt aus dem Zuhörerraume die Stimme eines Hörers, die laut und vernehmlich ruft: „Ich kann nicht dulden, daß von dem o"n, der für das Ju- I denthum viel Nützliches gewirkt und gestiftet, in solcher Weise gesprochen wird." Ein großer Tumult entstand, es wurde eine g förmliche Redeschlacht geliefert, und Hörer und Doccnt verließen voll Aufregung die Wahlstatt. Ich glaube, daß ich mich jeder Reflexion über diese Affaire enthalten kann und will ich nur noch folgende Bemerkung hinzufügen. Es ist wohl \ ersichtlich, daß trotz des jährlichen Etat von der j jüdischen Gemeinde die Hochschule in Bezug auf Hörer und Disciplin auf den Aussterbeetat gesetzt ist. — Ad vocem Hochschule! Wie ich Lus Nr. 35 der „J-r. W." entnehme, soll ein gewisser Herr 1 Dr. Richter (Hochschüler) in Folge einer Antwort 1 im Briefkasten der „Jüd. Presse" in Filehne als 1 Rabbiner angekommen sein. Die jüdische Gemeinde 3 Frlehne, die bis jetzt stets Rabbiner conservativer I Richtung gewählt, kann sich zu dieser vortrefflichen » Wahl gratuliren. — Wie das gekommen ist? Ich H habe aus authentischer Quelle in Erfahrung ge- A bracht, daß auch in Filehne zwei Parteien existi- »ren. Parteien, die in religiöser Beziehung nicht gerade entgegengesetzte Wege einschlagen, sondern die aus Instinkt, wenn man so sagen darf, sich gegenseitig befehden; also sogenannte Trutzparteien. Sagt die eine „weiß", so kann man mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß die andere „grün" sagen wird. Nun hatte zufälliger Weise die Partei, die gerade heute in der Minorität sich befindet zuerst den Wunsch nach einem conservativen Rabbiner geäußert und flugs war von der andern Partei ein „Grüner" gewählt. Es wäre dieser kleinern Partei in ihrem eigenen Interesse zu rathen immer das Gegentheil ihres Wunsches laut werden zu lassen und sie würde recht gut dabei fortkommen. — Uebrigens hörte ich. daß Herr Dr. Richter gewillt ist, daß er z. B. am itnp rü^ nicht mehr wie bis heute den Schirm weder öffnen noch rvt>Di22 tragen wird rc. Ganz löbliche Vornahmen! Es ist dies Herrn Dr. Richter um so eher zu glauben, da er von einem unbezähmbaren Streben, unsern Stammvätern nachzuahmen beseelt ist. Unsere Stammväter führten bekanntlich ein Wanderleben; Herr Dr. Richter wanderte gleichfalls vom hiesigen Rabbiner-Seminar zur Hochschule, nach einiger Zeit wanderte er ganz reuevoll und mit den besten jüdischen Vorsätzen zurück in das alte Lager, um dann zum zweiten Male zur Hochschule zu wandern und schließlich wandernd nach einer streng-conservativen Gemeinde zu gehen. Halbekftadt, ll. Sept. Eine schöne herzerhebende Feier war es, die heute hier den würdigsten Verlauf genommen und gewiß in Jedem, der ihr beiwohnte, einen tiefen, dauernden Eindruck zurückgelassen. Die Synagoge, welche von Rabbi Bermann (dem Helden der Geschichte , Der königliche Resident") vor ungefähr 163 Jahren erbaut worden, hatte einer Renovation der inneren Ausschmückung bedurft, sie auch von Grund aus im allerreichsten Maße erfahren und ist nun am heutigen Tage unter einer Einweihungsfeierlichkeit, die selbst aus der Ferne Teilnehmer herbeirief, ihrer heiligen Bestimmung übergeben worden. Um 3 Uhr fand im seitherigen Jnterimslocal das Mincha- Gebet statt, an das sich einige tiefempfundene Worte des Herrn Rabbiners Dr. Auerbach '"J knüpften, anlehnend an das Wort der Schrift iNzn nn« ■y-o nnK ~in2i, wozu «Dirun amo bemerkt, ira nnx ")n3 ,mamo T021 nrD:2 ’nm ’&un ">-02 nns« rwno ’roDi hi’djd ’rQQ “pns;2 wn -)pnss2 führt Redner aus, daß auch auf uns, denen es leider zum großen Theil nicht immer vergönnt ist, die Zeit niamo 'P221 rr'DJD 'P22 zu verwerthen, 71212 ruhen wird, nämlich in’2 pn amp1 '2