Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1879)
- Date
- 1879-09-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1020 der doch wohl einsehen muß. daß Fragen, bei denen es auf praktische Verwirklichung ankommt, auch von Männern der Praxis discutirt werden müssen." 'So schieden sich G's. und Z's. Wege, noch einmal wurde bei Gelegenheit eines Aufenthalts G's. in Berlin ein Anknüpfungspunkt gesucht, aber nicht gefunden. Z's. Werk „Zur Geschichte und Literatur", in welchem er sich gegen die Bestrebungen der Neuzeit abwehrend verhält, ruft G's. Mißbilligung hervor, hat jener ja. so schreibt ihm G., „mit einem gewissen parteiischen Eifer die Schattenseiten der jüdischen Literaturgeschichte mit einem Nimbus umgeben, der seine Wirkung auf die Gegenwart üben soll." Wo Z. Geisteshöhe sieht, erblickt G. dumpfe Regionen, was Z. der Gegenwart als Musterbild erhält, will G. in die Vergessenheit senken. So liegt denn der Briefwechsel zwischen Zunz nnd Geiger still bis zum März 1860, also mehr als 14 Jahre. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 15. Sept. Eine der edelsten, besten, frömmsten Familien der deutschen Judenheit hat herbe Prüfungen erfahren, schmerzliche Verluste erlitten! Herr Joseph Sender in Bieberich und dessen ältester Sohn, Herr Hermann Sender, sind im Verlaufe von sechs Tagen aus diesem Leben abberufen worden. Wie einst der königliche Sänger in Bezug auf den Tod eines vortrefflichen Vaters und eines vorzüglichen Sohnes klagend rief: orv'na n»ö»yjn msj *6 omoai so erheben auch wir weinend unsre Stimme: Diese beiden, edlen, frommen, vortrefflichen Menschen, die im Leben die innigste Liebe verband, sie bleiben auch im Tod ungetrennt! Der herzogliche Hoflieferant Herr Joseph Sender y": war ein Jehudi, wie es nicht viele gibt. Von Jugend auf mir6 erzogen, gründete er ein Haus in Israel, das durch Wohlrhätigkeit, Gastfreundschaft und echte, wahre Frömmigkeit weithin berühmt wurde. So erzog er auch seine Söhne und Töchter, und die heiligen Grundsätze des Judenthums waren ihm maßgebend bei der Wahl seiner Schwiegersöhne und der Schwiegertochter. Seine Liebe zur Gotteslehre war grenzenlos; alle seine Muße widmete er ihr; Raschi, Ramban, Midraschim und Sifre Mussor bildeten ständig seine Lectüre. Im Verkehre mit den Mitmenschen war seine strenge Rechtlichkeit, seine große Gewissenhaftigkeit, seine unerschöpfliche Wohlthätigkeit fast sprichwörtlich geworden. Bis kurz vor seinem Tode noch recht rüstig, war er am my Nan o 4b mttf, wie seit 25 Jahren fast an jedem mj>, beim Herausgeber dieser Blätter zum Besuche hier in Mainz gewesen. In der Sabbat- Nacht erkrankte er; als mir das durch einen Expreßboten am Sonntag früh berichtet wurde, eilte ich an sein Krankenlager. Im vollen Bewußtsein des herannahenden Todes traf er noch einige Anordnungen in Bezug auf sein Leichenbegängniß; am Montag Abend wurde er zu seinen Vätern versammelt. Während der ganzen Zeit der Krankheit war sein Sohn Hermann nicht von dem Bette des Vaters gewichen und hatte sich wohl zu sehr beim lauten Sprechen — der Vater hörte etwas schwer — angestrengt. Zwei Stunden nach dem Tode des Vaters bekam der dreiunddreißigjährige, erst seit einem Jahr verheirathete Mann einen Blutsturz und gestern folgte der Sohn dem Vater in eine andere Welt. Wie soll ich meiner Klage um Dich, Du mein theurer Freund und Schüler, Ausdruck verleihen! Als ich vor einem Vierteljahrhundert nach Mainz kam, brachte mir der Vater den achtjährigen Knaben, und seitdem war dieser mir ein lieber Schüler geblieben, ein treuer Freund geworden. Hermann Sender y“: war ein seltener Mensch, ein echter Jehudi; die Herzensgüte, die ihn auszeichnete, ist unbeschreiblich; stets eifrig, Gutes zu thun und zu wirken, glühte sein Herz für das Judenthum; dabei war er rnaos p-ip-jo; obgleich viel auf Reisen, hatte er wohl niemals einen -nd’n l»-n übertreten, niemals in einer jüdischen Restauration von zweifelhaftem nntco gespeist. — Um ihn trauern seine junge Gattin, seine Geschwister und Alle, die ihn kannten. Sein, erst fünf Wochen altes Kind ’"n, wird erst später erfahren, welch einen Vater es verloren, iroff net «s-p n"3"s"i"n .*pp p.n *pn -idwi Berlin, 9. Sept. Vor einigen Wochen wurde an der hiesigen Hochschule für die jüdische Wissenschaft, in Parenthese will ich hier nur bemerken, daß dieses von der jüdischen Gemeinde subventionirte Institut gelegentlich auch Rabbiner, resp. Prediger, heranbildet, derrn Anzahl sich gegenwärtig auf V/2—2 Aspiranten beläuft, dann und wann aber auch von einigen nichtjüdifchen Philologen besucht wird, — es wurde also von einem Zöglinge dieser Anstalt ein homiletischer Vortrag unter der Leitung des Herrn vr. Frankel abge-