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Der Israelit · 1879-09-17 · Heft 38 (17.9.1879) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 38 (17.9.1879)
Date
1879-09-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1019 deine Augen geradeaus blicken, möge dein Mund WeiseS reden und dein Herz Ernstes sinnen, mögen deine Hände sich mit der Thora beschäftigen, deine Füße eilen, den Willen deines himmlischen Vaters zu erfüllen, möge Er dir einst pflichttreue Söhne und Töchter geben, die sich mit Thora und Mizwah beschäftigen, alle Tage ihres Lebens. Möge Er dir deine Nahrung auf erlaubtem Wege geben undin Gelassenheit und Fülle aus Seiner weit geöffneten Hand, nicht aber durch von Fleisch und Blut gereichte Gaben, einen Nahrungszweig, der dir Muße läßt zum Dienste Gottes. Möge dir eingeschrieben und besiegelt werden für ein glückliches Leben unter allen Pflichttreuen Israels. Amen." (Forstetzung folgt.) Kur Geschichte der Keformbewegung im Zudenthum. (Fortsetzung.) 8. Die Antwort von Zunz ist scharf und schneidend und ist von um so größerer Bedeutung, als sie nicht in erster Erregung geschrieben, sondern wohl überdacht und überlegt ist: es liegen sechs Wochen zwischen dem Briefe G's. und der Antwort Z's. Zunz gehört wohl der Reformrichtung an, aber die Pfäfferci der Reformhelden, welche so gern die Rabbiner mit hierarchischer Macht bekleiden möchte, jene Stürmerei, die im lächerlichen Bemühen den Koloß des Judenthums stürzen möchte, um an dessen Stelle die Pygmäen- Gestalt des nach neumodischen Schnitt zugestutzten Reformjudenthums zu setzen, ist ihm in der Seele zuwider. Die Antwort datirt vom 4 5. 45. Ueber den Vorwurf, er sei stille gestanden, tröstet er sich schon, „wenn Sie mich nur nicht in Verdacht haben, ich hätte mich für einige hundert Thaler verkauft." Welch' eine fein ironisirte Wendung dem Schrei- 8 den G's. gegenüber, der ihm gerade nur das prin- 8 cipielle Koscheressen zum Vorwurf macht, aber nichts 8 darin gefunden hätte, wenn Rücksichten ihm dieses 8 auferlegt hätten. Z. ist anderer Meinung, mit A deren Worten sagt er ihm und Allen, welche glau- 1 ben, ihr Rabbineramt verlange einen practischen I Lebenswandel, der mit dem was sie für wahr m halten im schneidendsten Contraste steht, daß der» |S artige Rücksichtsnahmen nichts anderes seien als W sich für einige hundert Thaler verkaufen. Dann A fährt er fort: „Eine Rabbiner-Hierarchie verab- Äscheue ich, eine Reform mit milchdingen Para- JS graphen verachte ich, einen Angriff auf das wehrlose Judenthum aus einem anti-religiösen Standpunkte überlasse ich Denen, die sich darin gefallen. Die Norm für das Religiöse kann nur das Religiöse, das Gemeingültige und in lebendiger Ueberlieferung Hochgehältene sein: aber dem höher gebildeten Geiste (Maimonides, Aden Esra, Mendelssohn) ist es gegeben, auf dieser Grundlage zu bauen. Uns müssen wir reformiren, nicht die Religion: bestehende Mißbrauche, nach Außen wie im Innern, haben wir anzugreifen, nicht ein ererbtes Heiligthum. Das Geschrei gegen Talmud ist bereits die Stellung des Apostaten." „Aber nun sei qenug", heißt es dann einen Absatz weiter, „von diesen Dingen gesprochen und verhandelt. Mich ziehet die Wissenschaft immer mehr an, je mehr um mich her Thorheiten gemacht werden, Narrheiten, die uns erniedrigen und Nichts einbringen." Dem Ganzen drückt Z nun den Stempel durch folgende Ironie auf: „In 2 Tagen ist eine Sonnenfinfterniß, 2 Tage nachher Generalversammlung der Reformer hierselbft und 2 Tage darauf wird wohl in der Synagoge gegen sie gepredigt werden — was ich, sub rosa bemerkt, nicht thun würde, wenigstens milder." Von diesem Briefe mußte G. sich hart getroffen fühlen, namentlich mußte Z's. Hohn über die Reform mit milchdingen Paragraphen, die Kennzeichnung Derer, die den Talmud befehden als Apostaten, die ausgesprochene Verabscheuung einer Rabbiner-Hierarchie G. tief berühren, hatte er ja nicht allein Stellung gegen den Talmud genommen, ha'te er ja sogar einst Mitkämpfer gegen den Talmud im nichtjüdischen Lager gesucht. Wie wäre erst Zunzens Urtheil ausgefallen, wenn er dieses gewußt hätte. Es sind dies daher auch die Punkte, gegen welche G. sich zuerst in seiner Antwort vom 25. 6. 45 an Zunz wendet: „Sie können sich wohl selbst denken, daß ich gegen viele Ihrer Sätze Vieles einzuwenden habe; ich könnte sagen, daß ein Bedürfniß, wenn es auch noch nicht den rechten Ausdruck gefunden und sich noch in etwas unklaren Ausdrücken bewegt, doch die Beachtung des Einsichtsvollen verdient, dessen, welcher von Geschichte einen Begriff hat, und nicht immer alsbald etwas Fertiges haben will. ich könnte sagen, daß Altehrwürdiges nicht immer Lebendiges ist und eher in ein archäologisches Museum als in eine Baumschule gehört, ich könnte endlich sagen, daß die Behauptung, der Widerwillen gegen den Talmud verrathe den Standpunkt des Apostaten, selbst wenn sie von einem Zunz ausgehe, etwas sehr hart an das Barocke anstreife, auch die Furcht vor einer Rabbiner-Hierarchie möchte ich im Munde eines klarblickenden Mannes im höchsten Grade seltsam finden, eines Mannes,

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