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Der Israelit · 1879-09-17 · Heft 38 (17.9.1879) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 38 (17.9.1879)
Date
1879-09-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1013 Buch, aus welchem ihn der Vater entnahm. Die nächsten Jahre entrissen mich dem heimischen Kreise, um in ferner Fremde mich fürs Leben vorzubereiten. Noch einmal beim Abschiede segneten mich die Eltern, mit der ganzen Gluth der Innigkeit, mit der sie sonst nur an Jom Kipur die Hände mir aufs Haupt legten. Das Buch aber, mit den grünen Tafeln, das den Segen enthielt, gab mir mein Vater mit auf den neuen Lebensweg. Ein besseres hätte er mir nicht empfehlen können. Es umfaßte, wie schon sein Titel sagt das ganze „Leben des Menschen". ES lehrt die jüdischen Pflichten, die Gottes Güte zahlreich wie die Tage im Jahre und wie die Glieder des menschlichen Körpers in unfern Lebensweg zerstreut hat. Mit den Pflichten, welche das erste Erwachen am Morgen jedem Juden bringt, beginnt dieses Buch und sein zweiter Theil, „die Weisheit des Menschenschließt mit den Vorschriften, die sich an die Stunde knüpfen, in welcher wir uns zur letzten, ewigen Ruhe niederlegen. Selbst die zahllosen Druckfehler des Buches, die sonst jeden Lehrer billig verdrießen, gereichen mir zur Freude, denn mein Vater hat sie bereits alle verbessert, und ich habe dädurch fast, auf jeder Seite seine theueren Schriftzüge vor mir. So kann ich das Buch nicht öffnen, ohne der theueren väterlichen Hand zu gedenken; aber als ich es am jüngsten Rüsttag zum Versöhnungstage wieder zu Rathe zog, da übermannten mich diese Erinnerungen wie nie zuvor. War es der Gedanke an den bevorstehenden an pn, war es die an diesem Tage leicht erklärliche doppelte heiße Sehnsucht, nach der segnenden Vater- Hand. unablässig zog ein abgeblaßter Bleifederstrich am Rande meine Aufmerksamkeit auf sich, auf den Elternsegen vor Kolnidre. denn dieser war es, auf den durch die schlichte Randbemerkung besonders hingewiesen war. Als ich diesen Segen las und wieder las, da wurde mir zum ersten Male die heiße Elternliebe klar, die sich in diese einfachen Worte kleidete, da dämmerte mir ein Lichtstrahl von der tiefen psychologischen Weisheit unserer Weisen auf, welche diese schlichten Worte zum treuen Dollmetsch alles dessen machen, was nur ein jüdisches Vaterherz für seine Kinder in so ernsten Stunden empfinden kann. Die ganze bange Scheu vor dem pn die ganze heitere Beseeligung des cmsan ov fühlen ja Vater und Mutter in erster Reihe nicht für sich, sondern im Hinblick auf die theuren Pfänder ihrer Liebe. Der Gedanke an dieses theuerste Gut mag es ja wohl seiry der die ganze Feier des Versöhnungstages gerade mit 'vu pa d. h. mit der Bitte beginnen läßt, uns von der Verantwortlichkeit frei zu machen, die wir durch unbedachte, unerfüllt auf uns lastende Vorsätze und Gelöbnisse zu tragen haben. oaap pt£0 q^na qua ami ppa „Durch die Sünde unerfüllter Gelübde sterben die Kinder in ihrer Jugend" lautet ein ernstes Wort unserer; Weisen. Für unsere Kleinen, deren Wohl und! Wehe, deren ganze Zukunft Gottes unerschöpfliches j Walten in die Hände der Eltern selbst gelegt hat, , für unsere Kleinen zittern wir zuerst. in der Stunde, die eine verfehlte Vergangenheit auslöschen und uns Versöhnung und neues Leben aus Gottes Vaterhand bringen soll. Wie viele Gelübde, wie viele unerfüllte Gelübde und Vorsätze knüpfen sich an jedes einzelne Kind, das Gottes Liebe jüdischen Eltern geschenkt hat! Welche jüdische Mutter hätte nicht in ihrer Schmerzensstunde es dem himmlischen Vater gelobt, die junge Seele, die er ihrer Obhut anvertraut, nach seinem heiligen Willen zu bilden und zu erziehen, welche Gelöbnisse und Entschlüsse begleiten nicht die ersten Freudenthränen des jüdischen Vaters, wenn er Hin Kind einführt in das alte abrahamitische Bündniß, und wie sind eben diese unsere Kinder, die vertrauensvoll zu den Eltern aufblicken, aus deren Händen sie ihr ganzes Wohl und zukünftiges Glück erwarten, die stillen Mahner für das unerfüllte Gelübde, dessen Einlösung so oft, so schmerzlich oft versäumt und vergessen wird! Als ob man Gottes Beistand, nachdem er unser Theuerstes uns einmal geschenkt. entrathen könnte, verwandeln so oft Eltern den Segen, den sie ihren Kindern spenden sollen, in bittersten Fluch um, und spielen geradezu mit dem Leben ihrer unmündigen Kleinen. indem sie die Gelöbnisse vergessen, an die sie das treuherzig zu ihnen emporblickende Kinderauge mahnte. Deßhalb mahnt der Versöhnungstag schon vor seinem Beginnen die jüdischen Eltern, ihren Kindern zum Segen zu werden. Und es sind ergreifende Worte, in welche die jüdische Sitte diesen Segen kleidet. inanx -pPa in»» u'nmv u»a« us^a psn \T Kann ^Pw *v’n 'v' da *}us by 'n n&n* n\mi wsnn lai’ -ps ,N2'3' na:1? yry »niseai rrnna ipiern K\im , mips npDiy ivt -p’ , na« narp *pPi , maan nuai qua *p inn , a^arat? -pa« psn nwy*? isi rp ,qn«n ’Q1 Pa mnaai mina o^poiy niupnsi q»pns mnai nroai ">n’na *)nar>D p pan ,Vo pipa vn DDjis , du -ira runa Pp nPi namn rp nnna oanMi q'3'v D”nP onnm anam /n miaj/P mjs rmne' .Ion .pfioari ’pns» Pa *pna „Möge es der Wille unseres himmlischen Vaters sein, in dein Herz zu legen: die Liebe zu Ihm und die Furcht vor Ihm. Möge die Furcht vor Gott auf deinem Antlitz sein alle Tage deines Lebens, damit du nicht sündigst. Mögest du deine Lust an Thora und Mizwah haben, mögen

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