Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1879)
- Date
- 1879-09-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1000 „Unverschämter Geck!" rief sie und voll Entrüstung schleuderte sie das Schreiben zur Erde. Erstaunt blickten Mr. u. Mrs. Goldsmith auf das erregte Mädchen. „Bon wem ist denn der Brief?" fragte Betti. „Bon dem Elenden — dem Rosenblüh." „Von Rosenblüh?" rief James, „erlauben Sie, daß ich ihn lese, Miß?" „Ich habe durchaus nichts dagegen", erwiederte Jakobine, und wollte das zerknitterte Blatt aufheben, um es Mr. Goldsmith zu übergeben. Doch dieser war ihr zuvorgekommen und las nun: „Hochgeschätztes inniggeliebtes Fraulein! Es möge nicht entbrennen Ihr Zorn ob der Vertraulichkeit meiner Worte und Ihr Grimm möge nicht erglühen ob der Kühnheit meiner Thaten; — denn wenn das, was ich an Ihnen habe gethan, auch zuerst Ihnen nicht gefallen wird — zugeben werden Sie müssen, daß nur meine innige aufrichtige Liebe zu Ihnen dazu mich gebracht hat. Also, hören Sie zu, Geliebte meiner Seele. Vorvorgestern Abend, ein paar Minuten, bevor er ist abgereist, kommt zu mir gelaufen in einer Hast mein Freund Kohn und bittet mich, ich soll zu dem und dem Juwelier gehen und soll ihm sagen, er soll den Ring nur einen Gedanken enger machen, weil er für sein Fräulein Braut ist zu groß und dann soll ich wieder hingehen und soll den Ring abholen und soll ihn Miß Lenz, was bei Mrs. Goldsmith wohnt, eigenhändig übergeben. — Theuerstes Fräulein! ich Hab' gethan, um was mein Freund Kohn mich hat gebeten. Ich bin gegangen zu dem Juwelier und habe abgeholt den Brillantring und mit dem Brillantring bin ich gegangen zu Mrs. James Goldsmith und Hab gefragt, wo ist Miß Lenz? Und wie man mir gezeigt, Miß Lenz, Hab' ich gewollt gehen und ihr bringen den Ring. 'Aber der Mansch denkt und Gott lenkt. Theuerstes, innigst geliebtes Fräulein! wie ich Sie Hab' gesehn — nein, ich kann's nicht sagen, wie mir da ist geworden zu Muth — so muß einem sein, wenn einer durch die Thürspalte vom Gan Eden möcht' gucken — na — was soll ich Ihnen da lang erzählen — ich Hab' da gestanden und Hab' gekuckt und gekuckt — und das Herz im Leibe hat mir gezappelt wie ein Huhn, das der Schachet grad will schachten — Und wie ich nun will greifen in die Taschen und herausnehmen den Ring — da mit einem Mal ist mir's als möcht' ich hören eine Stimme und ganz laut und ganz deutlich schreit's in einem fort, „mach', daß Du weiter kommst! mach', daß Du weiter kommst! — Und wie ich ganz verdutzt da steh' und horch, was die Stimme schreit, da kommt mir's auch mit einem Mal in den Sinn, was ich auch habe gesagt zu Ihnen theuerstes Fräulein, ich meine, was der Hackender hat geschrieben von dem Augenblick deS Glücks. Und in mir schreit Alles auf, jetzt ist er da für Dich der Augenblick des Glück's, fass' ihn beim Schopf, so ist es Dein! — Und ich — kein Narr und auch nicht faul — ich nahm das Kästchen mit dem Ring und schieb es bis in die tiefste Tiefen von meinen Hosentaschen — und was ich dann Hab' zu Ihnen geredet, Fräulein — na, das werden Sie selber wohl auch noch wissen. Das war ein Abend, Fräulein! Der schönste Tag meines Lebens! — Aber ich hoffe und wünsche, noch viele, viele gleiche werden ihm folgen. — Und wie dann Mr. Green zu mir hat gesagt, es ist schon Zeit nach Haus zu gehen. — Na, zuerst ist mir's gewesen nicht recht — aber, Hab' ich mir gedacht: gam su letowa! Heißt zu Deutsch: auch dieses ist zum Guten. — Und richtig, ift's auch so gewesen. Denn wie ich bin gegangen mit Mr. Green, sind wir gekommen vorüber vor dem Juwelier, von was ich den Ring Hab' geholt. — Bei dem Juwelier ist es noch gewesen ganz hell und ich Hab' gesagt zu Mr. Green, daß ich dort Hab' zu verrichten ein Geschäft und bin gegangen hinein und Hab' gesagt zu dem Juwelier, daß ich will kaufen einen Ring, was ist akkurat so wie der, was hat gekauft mein Freund Kohn. Und richtig 's ist noch einer da gewesen, akkurat so wie der von Kohn. Und am andern Tag, das war vorgestern in der Frühe, da habe ich mir genommen zwei Zeugen und bin gegangen zu Ihnen theuerstes Fräulein und Hab' den Ring, was ich Hab' gekauft, Ihnen an dea schönen weißen Finger gesteckt und Hab' dabei zu Ihnen gesagt: hareh at mekudesches li b'tabaas su k'daß Moscheh w'Jisroel. Heißt zu Deutsch: siehe durch diesen Ring bist Du mir angetraut nach dem Gesetze Moscheh's und Jisroels. Und weil dabei sind gewesen zwei Zeugen, so ist's auch wahr — und sind nun Sie, iheuerstes Fräulein, meine ewig und innigst geliebte Gattin — und ich bin Ihr' unterthänigster Diener und aufrichtiqst ergebener Gatte Hirsch Rosenblüh." P. S. Wenn Sie sollten an der Wahrheü meiner Worte, nämlich ob es ist wahr, daß der Ring, was ich Hab gegeben Ihnen, derjenige ist. was ich Hab' gekauft selber oder derjenige, was mir hat gegeben Mc. Kohn, so belieben Sie nur zu haben die Gewogenheit, ihn abzunehmen von dem schönen weißen Finger und zu werfen einen Ihrer glänzenden Blicke hinein in das Innerste von dem Ring.