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Der Israelit · 1879-09-10 · Heft 37 (10.9.1879) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 37 (10.9.1879)
Date
1879-09-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1001 Und Sie, Geliebteste meiner Seele! werden Wohl wissen, daß derjenige Ring, was mein Freund Ihnen hat gegeben, inwendig hat gehabt ein A. K. und ein J. G durcheinandergeschlungen. Wo hingegen derjenige Ring, was ich Ihnen Hab' ge. geben, gar keinen Buchstaben hat. Nochmals und auf ewig in unverbrüchlicher Liebe und Treue Ihr Hirsch Rosenblüh." „Elender Narr!" rief Betti, die über die Schulter ihres Mannes obige Epistel gleichzeitig mit ihm gelesen hatte. Mr. Goldsmith zuckte die Achseln. „Ob der Kerl ein Narr ist. das läßt sich augenblicklich nock nickt beurtheilen — ein niederträchtiger Schurke ist er, das steht fest." „Freilich ist er ein Schurke", stimmte Mrs. Goldsmith ein, „aber ein Narr doch auch; denn was will, was kann er damit bezwecken?" „Was er damit bezwecken kann?" James warf einen Blick inniger Teilnahme auf das ihm gegenüber sitzende junge Mädchen, das in zorniger Erregtheit an der Unterlippe nagte. „Sagen Sie mir doch, Miß Lenz, wie verhält es sich denn mit der Uebergabe des erwähnten Ringes? — hat der Elende in Wirklichkeit die Trauungsformel dabei ausgesprochen?" „Was weiß ich, was er dabei gesprochen hat!" rief Jakobine heftig, „er hat wohl irgend ein Kauderwelsch dabei gemurmelt. Doch was kümmert das mich?" Mr. Goldsmith preßte die Lippen auf einander. „Und die Zeugen, von denen er in seinem Briefe spricht? — waren in der That Zeugen gegenwärtig?" „Zwei junge Leute waren gegenwärtig. Aber ich bitte Sie, um Gotteswillen, Mr. Goldsmith, Sie wollen doch nicht im Ernst Werth legen auf die Unverschämtheit jenes Narren?" „Ich fürchte — fürchte sehr, Miß, daß er im Gegentheil zu den abgefeimtesten Schuften gehört, die die Erde trägt —" „Aber um des Himmelswillen! —" „Sagen Sie mir vor Allem, Miß, wie verhält es sich mit dem Ringe, ist es nicht derselbe, den Kohn Ihnen gegeben hat?" „Freilich ist es derselbe", entgegnete Jakobine, indem sie die Hand hob und den Brillant in dem Sonnenstrahl funkeln ließ. „Wenn es in Wirklichkeit derselbe wäre, dann hätte die ganze Affaire sicher nichts auf sich, denn dann hätte die von dem Elenden ausgesprochene Trauungsformel sicher nicht den geringsten Werth. Aber wollen Sie sich doch genau von der Identität des Ringes überzeugen — enthält er die erwähnten Initialen?" „Ganz gewiß!" rief Jakobine, indem sie hastig den Ring abstreifte und ihn Mr. Goldsmith reichte, „wollen Sie sich gefälligst davon überzeugen." James nahm den Ring, doch vergebens suchte er die Lettern. — „Sie sind im Jrrthum Miß, der Ring enthält keinen Namenszug." „Nicht? —" Sie suchte nun selbst nach den Buchstaben, doch umsonst; es war nicht einer vorhanden und zornig schleuderte sie das Kleinod zur Erde. „Das ist nicht mein Ring, der Elende hat ihn in Wirklichkeit verwechselt. Doch gleichviel, sobald Arthur zurückkommt, wird er ihn schon zur Herausgabe meines Ringes zu zwingen wissen." „Das wird unnöthig fein", entgegnete James, „er wird sich nicht sträuben, Mr. Kohn Ihren Ring zurückzugeben." '„Um so besser." James schüttelte trübe den Kopf. „Nicht doch, Miß Lenz, nicht um so besser. Es schmerzt mich außerordentlich, doch ich glaube. Sie nicht im Unklaren lassen zu dürfen über die mögliche Tragweite des an Ihnen verübten Bubenstreichs." „Mr. Goldsmith! — Sie glauben —" „Liebes gutes Fräulein, ich bin kein talmudisch Gelehrter und nur einem solchen ziemt ein endgiltiges Urtheil in dieser Angelegenheit. Doch so weit ich als Laie dieselbe zu beurtheilen vermag — nachdem was ich dem Briefe entnommen und was Ihre eigenen Angaben bestätigen, wage ich allerdings kaum daran zu zweifeln." „Woran zweifeln Sie nicht? Mr. Goldsmith! — Um Gotteswillen, sagen Sie mir, woran wagen Sie nicht zu zweifeln? —" Mit weit aufgerissenen Augen blickte sie zu ihm empor. „James", flüsterte Betti, „sprich doch, was fürchtest Du?" „Daß Miß Lenz sich in Wirklichkeit als Gattin jenes Elenden betrachten müsse." Ein schriller unartikulirter Laut entfuhr den Lippen beider Freundinnen. Da ward die Thür aufgerissen, ohne anzuklopfen, in athemloser Hast stürzte Arthur Kohn in's Zimmer. „Jakobine!" rief er. „Arthur! Arthur!" rief sie ihm jubelnd entgegen. „Großer Gott!" stammelte sie dann, „Arthur — Arthur — Du weißt nicht, was geschehen ist —" „Doch, doch Geliebte, beruhige Dich, ich weiß Alles. Der Bube hat ja die Frechheit so weit

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