Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1879)
- Date
- 1879-09-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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991 Daß aber die jüdischen Mädchen solche Fronen werden, wie wir sie geschildert, -aß sie, in ihren Beruf eingetreten, wirklich das „HauS" seien, dazu bedarf eS der religiösen Erziehung. Diese wird aber nicht allein durch daS practisch religiöse Leben vollzogen. — lernen müssen sie, daß sie Liebe zu den Gesetzen der Thora fassen und deren hohe Bedeutung erkennen. Gerade in unserer Zeit, wo so oft dem Gesetze mit Verkennung begegnet wird, wo der Spott sich an das Höchst heranwagt, wo der Unverstand in heiligen Dingen Aeußerlichkeiten ohne innere Bedeutung erblickt, wo Leichtsinn und Genußsucht den Ernst des Lebens überwiege, gerade jetzt muß die einstige Mutter vor diesem Spotte und Leichtsinn durch den Ernst des Unterrichtes im göttlichen Gesetze geschützt werden. Deshalb muß sie an die Quellen unserer Lehre herangeführt, die Bedeutung der Gesetze muß ihr klar, durch die Propheten muß sie mit unserer großen Vergangenheit bekannt gemacht werden und die jüdische Geschichte muß sie! belehren über die Kraft, mit welcher die Thora die Juden zu allen Zeiten ausgerüstet hat. Ein! solch gründlicher Unterricht wird Wunderbares lei- " sten und gibt durch seine Gründlichkeit, welche! dem Gemüthe und der Vernunft gleichmäßig Nah-! rnng zuführt, die Gewähr, daß wir keine religiöse Schwärmerinnen erziehen. Zeitrrrrg-nachrichten und Correfponderrzen. Deutschland. Mainz, 5. Sept. Wir waren so glücklich, heute wiederum 1798 Mk. 50 Pfg. an das Central- Comite zu Amsterdam zum Besten der Nothleidenden, Armen rc. im heiligen Lande abzusenden. Die Summe der von uns für die obengenannten Zwecke in diesem Jahre gesammelten und überschickten j Gelder beträgt nunmehr 32,804 Mk. 13 Pf.! Gießen, 29. August. Der Kirchenraub scheint in unserer Gegend epidemisch zu werden. Nachdem aus mehreren Orten solche Einbrüche in Kirchen berichtet wurden, war in verwichener Nacht unsere Synagoge zu diesem Bubenstück ausersehen; die werthvollsten Vorhänge und Thorabegleitung sind > theils entwendet, theils sind die Goldstickerien! herausgeschnitten worden. Auch an dem Silberschranke sind Versuche gemacht worden, derselbe konnte jedoch nicht erbrochen werden. — Soeben, vor Abgang dieses Berichtes, sind zwei Jndivii duen verhaftet, die der That auch sofort überwiesen werden konnten; die gestohlenen Sachen wurden in einem defekten Zustande aufgefunden. | Berlin, Der 56. Jahresbericht der Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden zu Berlin über 1878 ist ausgegebe» worden. Der Bericht verhehlt sich nicht, daß die Erfolge hinter den Wünschen und Bemühungen i Zurückbleiben. Es waren 23 jüdische Katechumen i im Unterricht, davon wurden 5 getauft. Einer! wird demnächst getauft werden, 3 sind im Unter-! richt verblieben; die übrigen 13 wurden theils entlassen, theils gingen sie freiwillig. Interessant sind in dem hinzugefügten Beiblatte die Mitrhei» langen über die Verbreitung der Juden auf der Erde. Danach gibt es heutigentags, wie zur Zeit des Königs Davio, 6 bis 7 Millionen Juden, und zwar in Europa (nach den neuesten statistischen Ermittelungen) mehr als 5 Millionen, in Asien 200,000, in Afrika über 80,000, in Amerika 1 bis 1.5 Millionen. In Europa kommt die Hälfte mit 2,621,000 auf Rußland; Posen hat 61,000, Galizien 575,000, Rumänien 274,000, die Türkei 100,000, Italien 35,000, Spanien und Portugal 2000 bis 4000, Holland 70,000, Norwegen 25. Schweden 1800 Juden. Während England 50,000, Frankreich 49,000 Juden zählt, hat Deutschland 512,000, von denen 45,000 auf , Berlin kommen —' in Berlin also beinahe so viel i wie in ganz Frankreich. Von 1,375,00) Juden! in Oestreich gehört wohl der größte Theil wieder! in die slavischen Provinzen. Die für Afrika gej nannten 80,000 Juden wohnen im französischen 1 Algerien; es finden sich aber deren auch in Abes-! synien und an der ganzen Nordküsie, bis in die j Oasen der Sahara, gern unter Mohamedanern j wohnend und zwischen ihnen und den Christen! vermittelnd. Von den 200,000 Juden Asiens leben! 20,000 in Indien und 25,000 in Palästtna, in! Jerusalem neben 7000 Mohamedanern und 5000 | Christen 13,500 Juden, welch' Letztere sich in deutsche, spanische und arabische theilen. lieber Amerika gibt der Bericht keine näheren Mittheilungen, als daß in New-Jork dreißig Synagogen vorhanden sind. Königsberg i. Pr.. 27. Aug. Dienstag Nsn verließ uns Herr Oberrabbiner Malbim, um einem Rufe nach Kromontschan (Rußland) als Rabbiner zu folgen. Am d-dd*» '2 ns» hielt er seine mit großem Beifall aufgenommene Abschiedsrede. Vor seiner Abreise versammelten sich in seiner Wohnung eine dichtgedrängte Schaar seiner Freunde, um die letzten Segensworte von ihm zu vernehmen. Herr Dr. Grünfeld, Rabbiner der deutsch-orthodoxen Gemeinde, mit dem er während seines vierjährigen Wirkens innig befreundet war, hielt eine Ansprache an denselben, bei welcher er