Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1879)
- Date
- 1879-09-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XX. Jahrgang. Erste Leilage z« tlr. 36 -es Israelit. Leitende Artikel. Literarischer Iericht. Von 8. Die deutschen Juden und Herr W. Marr. Von J.Perinhart. 2. Aufl Loebau 1879. (Skrzeczek.) 42 S. 8°. Die schmählichen Angriffe Marr's auf die Juden wären am besten unbeantwortet geblieben, denn wir zählen diesen Herrn zu den Autoren, denen man nicht antworten sollte. Nichtsdestoweniger gebietet es uns unsere Berichterstatterpflicht, auf vorliegende Abfertigung aufmerksam zu machen, die in ruhiger und würdiger Sprache (für Herrn Marr viel zu würdig!) die Angriffe Marr's an der Hand der Geschichte und derThatsachen widerlegt. Hierbeihätte es der Vertheidiger sollen bewenden lassen? und hätte sich sagen sollen, daß den judenfeindlichen Angriffen die ganze Judenheit als eine Gesammtheit gegenübersteht. Die Parteispaltungen innerhalb der Judenheit sind interne Angelegenheiten , mit denen der außen Stehende nichts zu schaffen hat; dem Judenfeinde gegenüber darf nicht ein Sonderstandpunkt betont oder eingenommen werden, ihm gegenüber zerfällt die Judenheit nicht in so und soviel Klassen, von denen die eine oder die andere Minderheit oder Mehrheit ist. Wenn z. B. der Verf. das Verlesen der Hagada als einen Gebrauch bezeichnet. bei dem die Lesenden und Hörenden sich gar nichts denken, so stellt er ja alle Diejenigen, die wohl bedenken, was sie lesen und hören, außerhalb seiner Vertheidigung, und das wollte doch Herr Perinhart nicht. Ebenso können wir uns auch mit dem Schlußsätze, der ein völliges Jneinanderverschmelzen von Juden und Christen in Aussicht stellt, nicht einverstanden erklären. Läßt sich denn keine Zeit denken, in welcher die höheren Aufgaben der Menschheit gemeinsam in Frieden und Eintracht gelöst werden, ohne daß der Jude an dem Christen und dieser an dem Juden Anstoß nimmt? Die Schrift ist an sich so schön gehalten, so überzeugend und mit Wärme für die gute Sache geschrieben, daß uns die Punkte, die wir haben herausheben müssen, herzlich leid thun. Eine dritte Auflage, sollte sie nöthig werden, wird der Verf. gewiß so herzustellen versuchen, daß Alles, was er geschrieben, von jedem Juden, welcher Richtung er auch sei, wird unterschrieben werden können. Biographie von Rabbi Moses Sofer aus Frankfurt a. M., weil. Großrabbiner von Preßburg u. s. w. Von M. Herzfeld. Wien 1879. 16 S. 8°. Daß auf 16 Seiten keine ausführliche Lebensbeschreibung des großen Heimgegangenen gegeben werden kann, wird Jedem einleuchten. der auch nur einen flüchtigen Blick in die Werke des onn gethan hat. Es sind auch nur wenige Momente aus dem Leben dieses Mannes geschildert, die uns aber von der Größe und Bedeutung desselben einen Begriff geben, und die eine anzuerkennende Pietät und Hochachtung in der reinsten und besten Absicht gezeichnet hat. Einige Stellen. wie die Schilderung der Todesstunde, sind wahrhaft rührend, und macht die ganze Schrift, von manchen überschwänglichen Ausdrücken abgesehen, einen guten Eindruck. Zeitungsnachrichten und Correfponderrzen. Oesterr. - Ungarische Monarchie. Wien, 22. August. In der Synagoge der Vorstadt Simmering wollte der erste Vorsteher. Jakob Lunzer, nicht dulden, daß ein Kohen zur Thora gerufen werde, der öffentlich am Sabbat im Wirthshause Karten spiele. Der dritte Vorsteher wollte dennoch diesen Kohen „aufrufen" lassen. Da erklärte Lunzer lärmend, Kohn sei ein „Pasche Jisroel", Kohn antwortete heftig, und es entstand ein Tumult. Heute nun hatte sich der Vorsteher Lunzer wegen Religionsstörung vor Gericht zu verantworten. Die beidenvorgeladenenSachverständigen, Herr Rabbiner Salomon Spitzer und Herr Rabbiner Dr. Güdemann sagten übereinstimmend aus, daß der Sache nach der Vorsteher im Rechte gewesen, wenn auch die Form eine anständigere, ruhigere hatte sein sollen. Trotzdem hielt der Staatsanwalt den Strafantrag aufrecht. Das Gericht erkannte auf Freisprechung.