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Der Israelit · 1879-08-20 · Heft 34 (20.8.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 34 (20.8.1879)
Date
1879-08-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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908 Mr. Green schien sich noch recht matt zu fühlen. JameS wollte ihn stützen, doch das ließ er nicht zu. Er stieg in den Wagen, reichte dem Freunde die Hand, die derselbe herzlich drückte und Beide blickten hinauf zu den Fenstern der bol etage — Jakobine zog sich hastig zurück — warum? — Das wußte sie selbst nicht. Gleich darauf trat Mr. GolLsmith in's Zimmer. „Wie geht es Mr. Green?" rief Betti ihm entgegen. „Er läßt sich Dir empfehlen und vielmals um Entschuldigung bitten, wenn er Dich erschreckt haben sollte." „Jetzt geht es ihm Gottlob wieder gut — er ist so eben nach Hause gefahren." Jakobine befand sich plötzlich wieder in einer seltsamen Stimmung, sie hätte so aern in Betreff Mr. Green's einige Fragen an Mr. Goldsmith gerichtet — es schien ihr sogar, als erwarte er ihre Fragen — wenigstens war es ihr, als hafte sein Blick auf ihr — aber sie war nicht im Stande, demselben zu begegnen. „Sie waren doch im Recht, Miß Lenz", wandte sich James endlich zu ihr. „Mr. Green's plötzliches Unwohlsein steht doch in Beziehung zu Ihrer Familie." „Ich dachte es mir", murmelte Jakobine, „aber —" „Green war allerdings ein intimer Freund von Benjamin Grünfeld — aber mit Jakob Grünfeld war er noch vertrauter —" „Mit meinem seligen Vater?" „Mr. Green erfuhr erst von Ihnen, daß Jakob Grünfeld — nicht mehr zu den Lebenden zählt — das war es, was ihn so mächtig erschütterte." Jakobine war selbst zu sehr erregt, als daß ihr James sichtliche Erregung ausgefallen wäre. „Sagen Sie mir doch, Miß Lenz", Hub James von Neuem an, „ist Ihnen vielleicht über den Tod Ihres Vaters Näheres bekannt? — Verzeihen Sie meine Ihnen vielleicht indiscret erscheinende Frage — aber Mr. Green interessirt sich für Ihren Vater so sehr, daß ich überzeugt bin, er wird es mir Dank wissen, wenn ich ihm Näheres mittheile." Jakobine theilte ihm mit, was sie zwar nicht von ihrer Mutter, aber von deren alten Dienerin, über das plötzliche Ableben ihres Vaters vernommen. James hörte ihr aufmerksam zu. „Und Ihr Onkel und seine Freunde haben die Leiche Ihres Vaters erkannt?" „So wurde mir gesagt", flüsterte Jakobine mit bebenden Lippen, „und das Portefeuille meines Vaters, in dem sich sein Name und das Bild meiner Mutter befand, ließe» keinen Zweifel an der Identität seiner Person." „James!" flüsterte Betti, die sich die inquisitorischen Fragen ihres sonst so zartfühlenden Gatten nicht zu erklären vermochte. — Doch Mr. Goldsmith übersah ihren Wink. „Noch eine Frage, Miß Lenz, war der Mädchenname Ihrer Mutter nicht Löw?" Jakobine bejahte. „Werden Sie die Güte haben, Mr. Goldsmith, noch heute an meinen Onkel zu schreiben und den Brief an meine Mutter einzulegen?" „Gewiß, gewiß, Miß Lenz, verlassen Sie sich darauf. Wollen Sie mir Ihren Brief anvertrauen, so schreibe ich sofort und sende ihn noch heute ab." Jakobine eilte hinüber in ihr Zimmer, das erwähnte Schreiben zu holen. „James! ich begreife Dich nicht, wie kannst Du diese Fragen an das arme Mädchen richten!" Betti war empört, doch Mr. Goldsmith preßte die Hand an die Stirn und warf sich in einen Sessel. „Armes, armes Kind — es wird ein furchtbarer Schlag für sie sein —" „Um Gotteswillen James! was ist geschehen?" „St. — sie kommt — ich sage Dir später Alles — sie soll vorläufig noch nichts davon erfahren." Eben trat Jakobine am Arm ihres Verlobten wieder in'S Zimmer. Betti eilte ihnen entgegen und sprach ihre herzlichsten Glückwünsche ihnen aus. Auch James fügte^die seinen hinzu; als Jakobine ihm jedoch das schreiben an ihre Mutter übergeben, zog er sich bald zurück, indem er sie nochmals versicherte, es sofort zu befördern. Mr. Green befand sich in seiner Wohnung. Er saß in seinem Zimmer zurückgelehnt im Fauteuil. Sein bleiches Antlitz zeigte noch Spuren des kaum überstandenen Anfalles. Das nervöse Zucken seiner Gesichtsmuskel, das zeitweilige Beben seines ganzen kräftigen Körpers deutete auf eine noch fortdauernde, heftige Erregung. Aber das feurige Aufblitzen seines großen dunklen Auges ließ vermuthen, daß diese Erregung keineswegs schmerzlicher Natur. In verzehrender Ungeduld schien er Jemanden zu erwarten; sein Blick haftete an der Thür, mit angehaltenem Athem lauschte er auf jeden Schritt, der draußen im Corridor hörbar wurde. Endlich schien es der Ersehnte zu sein — ein leichtes Klopfen an der Thür — Mr. Green preßte beide Hände wie beschwichtigend auf das Herz — das einladende Herein brachte er nicht über die Lippen. Aber er sprang auf und

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