Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1879)
- Date
- 1879-08-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447797-2447831--16558-2472578- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
907 &euillet0tt' E Jakobine. i n Lebensbild. Von Ariedrich Uott. XLIII. James blickte einen Moment forschend in das bleiche Angesicht des erregten Mädchens und unwillkürlich richtete sich dann sein Blick auf den ohnmächtigen Freund. „Nicht doch, Miß Lenz", flüsterte er, „Sie sind im Jrrthum — Mr. Green scheint allerdings ein Jugendfreund Ihres Onkels zu fein — aber sein Unwohlsein steht trotzdem in keiner Beziehung zur Ihrer Familie — er leidet öfters an dergleichen Zufällen — Gehen Sie — gehen Sie — es würde ihn äußerst unangenehm berühren, wenn er wüßte, daß eine Dame ihn in diesem Zustande gesehen — und meine Frau ist so sehr erschrocken —" fügte er sich mäßigend hinzu. „Sie würden mich sehr verbinden, Miß Lenz, wenn Sie sich zu ihr begeben und sie über das Befinden unseres Freundes beruhigen wollten — ich folge Ihnen baldmöglichst —" James hatte mit Bewußtsein eine Unwahrheit gesprochen — er zweifelte keinen Augenblick, daß die plötzliche Ohnmacht seines Freundes einzig und allein durch Jakobinens Mittheilungen über ihre Familie hervorgerufen — und als er das Antlitz des erregten Mädchens mit dem seines ohnmächtigen Freundes verglich, da hatte er eine gradezu frappante Aehnlichkeit zwischen Beiden entdeckt und eine Ahnung von einer allzunahen Verwandtschaft zwischen dem älteren Freunde und dem jungen Mädchen war in ihm erwacht. Darum satte er sie fortgedrängt, denn ihm graute vor der Bestätigung seiner Ahnung — so lange als mögich wollte er sie schützen vor der furchtbaren Erchütterung, die in diesem Falle ihrer harrte. Jakobine entfernte sich zögernd — einige Leute amen ihr schon entgegen, mit deren Hilfe Mr. Noldsmith den noch immer Ohnmächtigen vom Loden hob und ihn aufs Kanapee legte. In der Thür wandte sie sich noch einmal um — ihr war's als habe sie Mr. Greens Stimme rernommen — war er schon erwacht? — James satte sich über ihn geneigt; sie konnte sein Antlitz icht sehen; — sie mußte doch Mr. Goldsmith's Wunsch entsprechen und sich zu seiner Frau beleben. j Betti ging unruhig in ihrem Zimmer auf und > nieder. „Nun, wie geht's?" rief sie der Eintretenden! entgegen, „ist er noch nicht erwacht? — Aber wer | das für möglich gehalten hätte, daß der baumstarke i Mann wie ein hysterisches Frauenzimmer in Ohn- , macht fallen könnte. — Und wie Du ausstehst,! Gretchen! — warum bist Du so lange drüben ge-! blieben? James hat Recht, Frauenzimmer taugen! bei dergleichen nicht. — Komm! trinke ein Glas; Sodawasser oder Himbeersaft, Du mußt etwas i nehmen, sonst wirst Du mir am Ende auch noch! ohnmächtig." Jakobine folgte der freundlichen Aufforderung, sie fühlte, Betti's Befürchtung war nicht unbegründet. „So, das ist recht" , lobte Betti „und nun Gretchen, mache geschwind ein anderes Gesicht; Mr. Green wird sich hoffentlich schon erholt haben und wer weiß, am Ende steht uns noch ein anderer Besuch bevor — Mr. Kohn —" Der Name ihres Verlobten trieb das Blut wieder in Jakobinens Angesicht und auf's Neue erfüllte sie das Bewußtsein ihres Glückes. „O, wie wird Arthur sich freuen, wenn er erfährt, daß jener entsetzliche Verdacht von mir genommen — zwar er hat durchaus keinen Werth darauf gelegt — o, er denkt so groß, so edel — nur allzuwenig verdiene ich ihn." Betti gedachte der Befürchtung ihres Gatten in Betreff des erwähnten jungen Mannes, doch augenblicklich hielt sie es nicht an der Zeit, die Liebende vor dem Geliebten zu warnen. Noch beinahe eine Stunde lang unterhielten sich Beide von Jakobinens nächster Zukunft. Mr. Kohn wollte keinen langen Brautstand, das hatte er ihr schon gestern erklärt; nur auf wenige Wochen mußte er demnächst verreisen, aber nach seiner Heimkehr wollten sie sofort ihre Vermählung feiern und dann eine Hochzeitsreise machen. Kohn hatte sie aufgefordert, dieselbe zu bestimmen. Er selbst hatte einen Besuch des Niagara vorgeschlagen oder eine Rundreise im Süden; heute aber wollte sie eine Reise nach Europa zur Bedingung machen, um ihre Mutter zu besuchen, und sie zweifelte nicht, daß Kohn einverstanden sein werde. Aber warum er nur so lange zögerte, er hatte doch versprochen, im Laufe des Vormittags sich Mr. Goldsmith als den Verlobten ihrer Freundin vorzustellen. Sie trat zum Fenster und blickte hinunter in die belebte Straße, um zu sehen, ob der Erwartete denn noch immer sich nicht blicken lasse. — Da gewahrte sie dicht vor dem Hause einen Wagen. Zwei Herren traten zu demselben.