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Der Israelit · 1879-08-20 · Heft 34 (20.8.1879) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 34 (20.8.1879)
Date
1879-08-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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904 ich so viel Geld, daß ich unabhängig leben! kann."" „Und wie gedenkt Ihr die Befreiung inS! Werk zu setzen?" „ Seht, Herr, ich bin viel länger auf Burg Hochfelden bekannt als Herr Friedrich und alle seine Leute. Ich habe noch dem eigentlichen und wirklichen Herren von Hochfelden gedient, wißt Ihr, die den zwiefachen Adler, den Adler im Wappenfelde und den Adler im Wappenhelm, geführt haben. Das Geschlecht ist erloschen, das Wappen zerbrochen. Der kaiserliche FiScus, oder vielmehr der erzherzogliche Fiscus von Oesterreich zog die Burg ein, als der letzte der Hochfelden in die Gruft gesenkt wurde. Von der erzherzog- Uchen Kammer erhielt Herr Friedrich von Prechter die Burg und die Herrschaft zum Pfände, und ich trat in seine Dienste über. Nun wisset, Herr Befehlshaber , es existirt in der Burg ein geheimer unterirdischer Gang, der ins Freie führt. Dieser geheime Gang ist nur mir, nur mir allein bekannt. Durch ihn werde ich das Mädchen hinausführen, wenn die Burg auch noch so fest verschlossen und noch so gut bewacht ist. Wenn dann unten Leute mit einem Wägelchen warten und daS Mädchen rasch von dannen führen, so wird es geborgen sein, ehe noch Jemand in der Burg seine Abwesenheit bemerkt."" „Und was verlangt Ihr?" „„Hundert Goldgülden!" " „Bleibt hier, mein Freund, und erwartet mich hier; ich will die Verwandten des Mädchens fragen?' Rabbi Joselmann ließ Ahron und Mordechai herbeirufen und erzählte den entzückt Aufhorch enden von dem soeben ihm gemachten Anträge. Mordechai wollte sofort hineineilen, um die gewünschte Summe zu versprechen. Ahron hielt ihn zurück. „Laß mich mit ihm reden!" sagte er. Die Drei traten in das Zimmer, in welchem Heinrich Voltz wartete. „Guter, edler Mann", sprach Ahron von Ur- bis, „Ihr wollt mein Mädchen retten, mein gutes, herziges, einziges Töchterchen, meine Berachah, die sich für mich aufgeopfert? Guter, edler Mann! ich will Euch ja gerne belohnen! Aber leget einem armen Juden nicht zu viel auf! Laßt Euch genügen mit hundert Silbergulden. Ist doch viel Geld!" -.„Feilschet nicht mit mir, Herr; ich würde es umsonst thun; aber ich brauche hundert Goldgülden." " „So will ich Euch fünfzig Goldgulden geben!" „..Ich kann nicht weniger als hundert nehmen. Wollt Ihr das nicht, so gehe ich fort." " „O nein, Mann, bleibt da! Ihr sollt ja das Geld haben bei Heller und Pfennig. Wann, guter, gvldner Mann, soll ich mein Kind wieder haben?" ,„Wir machen uns am Besten sofort ans Werk, ehe der Ritter nach Hochfelden kömmt, was in jedem Augenblicke geschehen kann."" „Also wann?" „„Morgen Abend, ehe der Mond aufgeht, seid mit einem Wagen am Fuße des Schloßberges, an der großen Linde zwischen dem Schloßberge und dem Städtchen. Ihr aber. Herr, gebt zuvor das Geld dem Herrn Befehlshaber. Der mag's Euch wiedergeben, wenn ich Euch Eure Tochter nicht gesund und wohlbehalten zuführe."" Im Beisein Heinrichs übergab Ahron die gewünschte Summe dem Rabbi Joselmann. Dann machte sich der ehemalige Diener Prechters auf den Weg, um die Befreiung ins Werk zu setzen. Für die Zurückbleibenden blieb noch viel zu thun übrig. Zunächst mußten Pferde und Wagen besorgt werden. Dann wurde verabredet, daß Ahron und Mordechai mit Berachah nicht nach Urbis zurückkehren, sondern daß sie sich nach Frankfurt am Main begeben und sich dort dauernd niedrrlassen sollten. Rabbi Joselmann erließ ein Schreiben an den Vorstand der jüdischen Gemeinde genannter Stadt, in welchem er bat, dieser Familie das „Jroniß" (jüdische Bürgerrecht) zu verleihen. Dann wurden Vollmachten ausgefertigt, damit das immobile Eigenthum Ahrons zu seinen Gunsten verkauft werden und eine etwaige Erbschaft Mordechai's für ihn angetreten werden könnte. Rabbi Joselmann dachte an Alles, sorgte für Alles. So verging die Zeit. Ahron und Mordechai mußten eilen, um mit Sonnenuntergang an der Linde bei Hochfelden einzutreffen. Nicht lange brauchten sie zu warten, als Heinrich Voltz mit seinen beiden Begleiterinnen herbeikam. Berachah stürzte mit lautem Aufschrei ihrem Vater in die Arme. Lange hielten sich Beide umfaßt. Da sprach Mordechai: „Berachah, hier ist noch Jemand!" (Fortsetzung folgt.) Hierz« sechs Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger). »

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