Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1879)
- Date
- 1879-08-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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903 Vertrages festhaltend, alle Ihre Aufmerksamkeit auf die Entwicklung des Wohlstandes und der Ruhe des Fürstenthums zu richten haben, ebenso wie Sie über die gute Verwaltung, das Wohlbefinden und die Erhaltung der religiösen. politischen und bürgerlichen Rechte aller Einwohner wachen werden, gleichviel ob sie Muselmäner sind öder nicht, entsprechend dem Grundsätze einer wahrhaften Gleichheit. Gez. Abdul Hamid. Gegeben am 5. Chaban 1296. Feuilleton. Kaböi Joselmann von Mosheim. Eine historische Erzählung. (Zweites Buch.) III. Rabbi Joselmann war nach Hagenau gereist; hier hatte er um Audienz bei dem Landesvogt des untern Elsasses, Herrn Kaspar von Mörspurg nachgesucht und war bei demselben vorgelassen worden. „Gott grüß Dich, Joselin", redete Herr Kaspar den Eintretenden an. „Was führt Dich zu mir? Hast Du Dich etwa wieder über den Bürgermeister von Ober-Ehnheim zu beklagen. Euer alter Feind, Jakob Brand, ist doch todt." „„Gnädiger Herr, in Ober-Ehnheim hat sich das Sprichwort bewährt: Es kömmt selten etwas Besseres nach. Der neue Bürgermeister Herr Lienhart Hugh, ist noch ein schlimmerer Judenfeind , als es sein Vorgänger gewesen. Doch diesmal ist es nicht der Bürgermeister von Ober- Ehnheim , um dessentwillen ich vor Euch getreten bin. Gnädigster Herr, helfet, rettet! Unsre Privilegien sind verletzt von Einem, der sie zu schützen sich berufen fühlen sollte. Ein Menschenraub hat stattgefunden; ein jüdisches Mädchen ist geraubt und wird widerrechtlich gefangen gehalten."" „Das sind schwere Beschuldigungen, Joselin, die Du da vorbringst. Und wer ist der Räuber?" „„Der Kaiserliche Rath, der Ritter, Herr Friedrich Prechter, Herr zu Hochfelden."" „Nicht doch, Mann, d s ist ja nicht möglich!" „„Aber es ist so, gnädiger Herr!"" „Erzähle mir den Hergang." Rabbi Joselmann erzählte; als er geendet hatte, sagte Herr Kaspar; „Ei. ei, Herr Friedrich, trifft man Euch auf solchen Wegen? In der Sache selbst, Joselin, kann ich nichts thun. Es ist das offenbar kein Raub, sondern ein Tausch. Der Herr von Hochfelden hat sich für den Vater, der dem Tode verfallen war, die Tochter ausgetauscht. In diesen Zeiten nimmt man's nicht so genau." ,,„O, Herr, ist das Recht, ist das Gerechtigkeit?"" „Es ist Kriegsrecht, Joselin; ich kann da nichts thun. Wißt Ihr was? Wendet Euch an Frau Ursula. Herrn Friedrichs Gemahlin; vielleicht führt sie ihn auf den rechten Weg zurück und veranlaßt ihn, das gefangene Täubchen wieder fliegen zu lassen!" Alle Bitten Joselins, den LandeSvogt zum Einschreiten zu bewegen, waren vergeblich. Herr Kaspar fürchtete offenbar den Ritter Prechter und dessen mächtigen Anhang. Tiefbekümmert verließ ihn Joselin. Er erkundigte sich noch nach der Persönlichkeit der Frau von Prechter und erfuhr, daß Frau Ursula ein schwach unterwürfig Weib sei; er hielt es daher nicht für angemessen, den Rath des Herrn von Mörspurg*) zu befolgen. Traurig kehrte Rabbi Joselmann nach Rosheim zurück. Der Vater und der Bräutigam des geraubten Mädchens hatten so große Hoffnungen, auf seine Verwendung gesetzt, und nun sollten sie so enttäuscht werden! Als er nach Hause kam, wurde ihm mitgetheilt, daß ein Mann auf ihn warte. Rabbi Joselmann trat ins Zimmer und sah einen Fremden, auf dessen rechter Wange sich eine breite Narbe hinzog. „„Seid Ihr der Befehlshaber der Juden?"" fragte der Fremde. „Der bin ich", entgegnete Rabbi Joselmann. „„Habt Ihr davon gehört, daß in Urbis ein Judenmädchen ist geraubt worden?"" „Ich habe davon gehört." „„Würdet Ihr es Euch ein Stück Geld kosten lassen, die Geraubte zu befreien?"" „Vielleicht. Doch sagt mir zuvor, wer Ihr seid!" „„C^ht die Narbe auf meiner Wange! Herr Friedrich von Prechter hat mich ungerechter Weise geschlagen. Ich bin Heinrich Voltz, bisher sein Diener. Um mich an meinem ungerechten Herrn zu rächen, will ich seinen Anschlag auf das.Judenmädchen vereiteln. Ich will aber auch nicht länger in seinen Diensten verbleiben. Deßhalb verlange *') Mm'öpurg — Morsperg; bei Name findet sich in den Vlvfunbcn bald so, bald io.