Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1879)
- Date
- 1879-08-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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898 und lau zu sein, so groß ist jetzt die Enttäuschung, die sich allgemein geltend macht. Die so viel gepriesene goldene Mittelstraße, hat sich nur für die Herren Rabbiner golden erwiesen, die Betheiligten, welche rechts und links stehen, haben diesem Schaukelsystem keinen Geschmack abzugewinnen vermocht. Die Reformjuden 8an8 phrase scheuten den Schafpelz, und die Anhänger des überlieferten Judenthums den Wolf. Da aber der Schafpelz weniger gefährlich als der Wolf ist, so fiel es den Verfechtern des Reformjudenthums vielfach leicht, sich mit einer religiösen Richtung zu befreunden, mit der sie so viel Wahlverwandtschaftliches gemein haben. Schwieriger war es den gesetzestreuen Gemeinden Stellung zu den Rabbinern der Breslauer Schule zu nehmen. Durch den vielfachen Mangel an positivem Wissen, mußte es vielfach den konservativen Elementen schwer fallen, der aalglatten Redefertigkeit und Balancirkunst der Herren Rabbinatscandidaten von der Breslauer Schule geschlossen gegenüber zu stehen. Viele Gemeinden ließen ihre Bedenken mehr oder weniger leicht beschwichtigen, hielten sich an die Worte, wenn sie auch mit den Thaten noch so grell contrastirten, nahmen den Schein für das Sein, wurden beredet und ließen sich bereden, sie hätten füglich doch einen ganz annehmbar frommen Rabbinen, der den alten Glauben und den neuen in sich vereinige. Erst zu spät gingen ihnen die Augen auf, als sie ihnen auch übergingen, als sie ihren Rabbiner immer auf der Seite der sog. „Fortgeschrittenen" sahen, als sie vergebens nach dem wohlthätigen Einfluß eines pflichtreuen Rabbinen, in den Institutionen der Gemeinde, in der jüdischen Erziehung ihrer Kinder ausschauten; aber sie waren ihrem geistlichen Haupte gegenüber machtlos. Hatten sie es doch durch ihr Gewährenlassen oder gar durch ihre Agitation an die Spitze der Gemeinde gestellt. Was hätten auch die Befsergesinnten gegen die Anstellung eines Rabbiners dieser Richtung thun können, ohne sich dem Verdachte der Böswilligkeit, separatistischer Sonderbestrebungen , und wie die Liebenswürdigkeiten alle heißen, mit denen die jüdische Ueberzeugungstreue von gegnerischer Seite discreditirt wird, auszusetzen? Dieser für die gesetzestreuen Elemente der deutschen Gemeinden so peinliche Mißstand, hat durch die Veröffentlichung der Gutachten, dreier allgemein anerkannter Wortführer des gesetzestreuen Judenthums mit einem Schlage aufgehört. Mit diejen Gutachten in der Hand, wird auch das letzte überzeugungstreue Weitglied einer jüdischen Gemeinde, welches in der Anstellung eines Rabbiners der Breslauer Schule, eine Gefahr für die , unverkümmerte Entwicklung des jüdischen Gemeinwesens erblickt, vollständig in der Lage sein, seinen Protest zu erheben und ihm Geltung zu verschaffen. Es wird sich kein wahrhaft gewissenhafter Jude in Deutschland mehr dazu hergeben zur Anstellung eines Rabbiners dieser Schule die Hand zu bieten, keine Schönfärbereien begeistert thuender Prvbeprediger, werden das Urtheil umzustoßen vermögen, welches das Breslauer Seminar nicht im Einklänge mit den Grundsätzen des gesetzestreuen. orthodoxen Judenthums erklärt, man wird es nun allgemein wissen und beherzigen, daß aufrichtig orthodoxe jüdische Gemeinden sich nicht darauf verlassen können, daß die in diesem Seminar gebildeten und mit nxiin mnn bekleideten Männern mit ihren religiösen Anschauungen und Grundsätzen auf dem Boden des orthodoxen Judenthums stehen, daß man vielmehr das Gegentheil vorauszusetzen berechtigt und verpflichtet ist. Das ist das Resumo aus dem Gutachten des Herrn Rabbiner Hirsch, dem das hohe Verdienst gebührt, schon vor mehr als zwei Decennien, sofort nach der Gründung des Seminars, auf die Gefährlichkeit der an demselben gelehrten Grundsätze, die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung gelenkt zu haben. Treffend weist dieses Gutachten auf die Art und Weise hin, wie schon vor und auch nach der Gründung des Breslauer Seminars seine Gründer und Leiter es geflissentlich unterlassen haben, die religiöse Richtung desselben offen zu bekennen, bis dann endlich aus den Schriften der an dieser An» stalt wirkenden Lehrer, der Geist der daselbst gepflegt wird, zum Ausdruck kam. Einen wahren Sturm der Entrüstung rief unter den Männern der jüdischen Wissenschaft, die im Jahre 1859 erschiene Schrift des Gründers dieser Anstalt hervor. Rabbiner Hirsch, der schon früher die tendenziösen , unwissenschaftlichen Irrlehren des am Seminar Vortragenden Ör. Grätz ad absurdum geführt hatte, war auch hier der erste auf dem Kampfplatze. Aber es fanden sich bald Genossen an seiner Seite, deren Namen man nur zu nennen braucht, um eine Signatur des Kampfes zu geben, der da gekämpft wurde. Da war der Mann, ausgerüstet mit einem geradezu erstaunlichen Schatze jüdischen und profanen Wissens, ausgestattet mit allen Vorzügen des Geistes und des Herzens, ein Mann dessen Herzensgüte und Makellosigkeit des Charakters es sich niemals verziehen hätte, auch nur in einem Kinde zu nahe treten, es war der Grand-Ra bbin Salomon Wolf Klein aus Colmar, der den Fehdehandschuh aufnahm, welchen Frankel unserm Gesetzesheiligthum hingeworfen hatte. Diesen