Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1879)
- Date
- 1879-08-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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938 Das sind harte Urtheile und Verordnungen harter Mittel. Gegen diese Auslassungen wendet sich nun Herr Joseph Ryblin in einer Zuschrift an den „Halebanon" (hebr. Ausgabe des „Israelit"), aus der wir das Wesentlichste zur Richtigstellung des Urtheils über die Verhältnisse des hl. Landes herausheben wollen, indem wir die Verantwortung für die von Hrn. Ryblin vorgebrachten Personalien diesem, der jübrigens sich bisher in allen feinen Berichten als wahrheitsgetreu bewiesen hat, überlassen. Wenn Herr Dr. Rahmer von den Kranken, die das Hospital der Mission und deren Aerzte in Anspruch nehmen, sagt: „Dem Rothschild'schen Hospital zum Trotz und dem Judenthum zur Schmach machen viele ehrlose Glaubensgenossen von den Beneficien dieser Missionsanstalt den weitgehendsten Gebrauch" — so bemerkt Herr Ryblin Folgendes dagegen: Würde man nur drei Monate in Jerusalem sein und sich den traurigen Nothstand der armen jüdischen Kranken in der Nähe ansehen, so würde man nicht so schnell den Stab über die Armen brechen, die den Krankenanstalten der Mission in die Arme getrieben werden. Nachdem der Kranke vergebens an die Thüre des Rothschild'schen Spitals, das nur 12 Betten hat, geklopft hat, erst dann wendet er sich an die Missionsanstalt, wo er freundlichst Aufnahme (man weiß, aus welchen Gründen) findet. Der Kranke, der sich zu Hause von dem Arzte des Rothschild'schen Spitals will behandeln lassen, wendet sich jammernd und weinend an Freunde, um 2 Frs. zu erhalten, denn soviel muß er für jeden Besuch sogleich zahlen, sonst thut's der Arzt nicht, bei sich im Hause hört der Arzt Keinen ohne Erlegung eines halben Frs. an. Dann wird er oft noch unwirsch behandelt, nachdem er unter einer Menge anderer Kranken einige Stunden in Hitze oder Kälte die Audienz des Arztes hat abwarten müssen. Diese Aerzte haben mit dem Aufgeben ihres jüdischen Lebens auch ihr jüdisches Herz verloren, während die Aerzte der Mission den Kranken freundlich entgegenkommen. Wo ist da also der Trotz gegen das Äothschild'sche Spital, auf welcher Seite liegt hier die Schuld? Sind die Armen ehrlos zu nennen, die Krankheit und Noth zum Arzte der Mission oder in deren Spital treibt? Wenn Herr Di. R. meint, mehr als der Bann würde auf Diejenigen, welche ihre Kinder den Missionsschulen übergeben, wirken, wenn man sie von der Chalucka ausschlösse, so ist zu entgegnen, daß dies das verkehrteste Mittel wäre und gerade dazu dienen könnte, diese Männer, die ohnehin unwissend sind und der Hefe des Volkes augehören, ganz der Mission zu überliefern. Die Chalucka bringt auf den Kopf kaum 5 Rubel Papier, und wegen dieses geringen Ausfalles würden sie gewiß ihre Kinder dem Unterricht nicht entziehen, sie würden sich vielmehr durch die Mission reichlich entschädigen lassen. Gegen Einrichtung von Schulen sind die einsichtigen Bewohner Jerusalem nicht abgeneigt, man will dort aber Bürgschaft, daß die Lehrer auch gesetzestreu seien und nicht einen die Religion gefährdenden Geist in die Schulanstalten tragen. Das ist es ja gerade, warum man die Leistungen der Ackerbauschule in Jaffa nicht anerkennen will, da der Leiter derselben, Herr Netter, nicht allein sich über wesentliche Vorschriften deS Neligionsgesetzes hinwegsetzt, sondern auch die Zöglinge zur Verletzung solcher anhält. DaS sind im Wesentlichen die Einwände des Herr Ryblin gegen die Auslassungen des Herrn Dr. Rahmer; nicht sind die Einwohner Jerusalems für die traurigen Verhältnisse der heiligen Stadt verantwortlich zu machen: man verbessere die Einrichtungen des Spitals und erweitere dasselbe, stelle menschlich fühlende Aerzte an, sorge für bewährte, gesetzestreue Lehrer, dann werden die Nothstände, die höchst beklagenswerthen, aufhören. | e n U I r t o n< Zakobine. Ein Lebensbild. Von Kriedrich Wott XLIY. Kopfschüttelnd gehorchte Mr. Green, indem er auch dem Freunde ein Fauteuil hinschob. James ließ sich ebenfalls nieder. Eine kurze Pause trat ein; es ward James unendlich schwer, das zu sagen, was zu sagen er sich verpflichtet hielt; doch die prickelnde Ungeduld des Andern ließ ihn nicht lange zögern. „Sie wissen", begann er endlich, „Ihre Familie hält Sie für todt — man hatte Ihr Portefeuille , in dem sich Ihr Name und das Porträt Ihrer Frau befunden, in den Kleidern eines Ertrunkenen gefunden — und das schien allerdings die Annahme, daß jene Leiche die Ihre war, zu bestätigen." „Heiliger Gott!" rief Mr. Green, indem der letzte Blutstropfen aus seinem Antlitze wich, „jetzt