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Der Israelit · 1879-08-27 · Heft 35 (27.8.1879) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 35 (27.8.1879)
Date
1879-08-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XX. Jahrgang. (Etfte Leitage zu ilr. 35 -es Israetit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Krainfeld. im August. Unsere Gemeinde besitzt zwar ein sehr schönes Gotteshaus; die n*po aber befindet sich in einem solchen schlechten Zustande und an einem gesundheitswidrigen Orte (Keller), daß dieselbe nur mit Lebensgefahr benutzt werden kann. Der im Jahre 1>68 verstorbene Herr Heinemann in Kopenhagen hat bekanntlich ein Vermächtniß hinterlassen, nach welchem die Zinsen von 25000 Thlr. zur Erbauung von Gottes- und Badehäusern verwendet werden sollten. Unser Vorstand hat schon vor Jahren von dem Verwaltungscomitö dieser Stiftung 600 Mk. zur Errichtung einer rppo erhalten, welche Summe inzw.schen mit den Zinsen auf 943 Mk. angewachsen ist. Trotzdem die Gesammtkosten sich nur auf 1600 Mk. belaufen. die Gemeinde also nur 6—700 Mk. darauf zu legen hat, wurde der Ban bis vor Kurzem verzögert, weil einige Gemeindeglieder sich entschieden dagegen er klärten. Dank den ernsten Bemühungen des Vorstehers Joel Heß konnte vor vier Wochen der Grundstein gelegt werden. Aber noch sind einige Mitglieder in unserer Gemeinde, die ihrer Unzufriedenheit über diesen Bau gegen ein ehrenwerthes Mitglied der Gemeinde, das sich ebenfalls um die Errichtung der n-pv bemüht, in nicht. sehr höstichen Worten Ausdruck verleihen, die Erbauung einer rituellen und gesunden mpa als unnöthig halten. Wahrlich eine betrübende Erscheinung! Palästina. 8. Jerusalem. In Jerusalem ereignen sich Thatsachen, die wohl den Anspruch machen dürfen, die Aufmerksamkeit der Judenheit auf sich zu lenken. Schon lange hat die Mission Jerusalem sich als eine für ihre scelenfängerische Thäligkeit recht geeignete Station ausersehen und dort ihre Fangnetze ausgebreitet, findet sie ja dort ihre besten Helfershelfer: Elend, Hunger. Noth rnd Krankheit. So hat die Missionsgesellschaft dort ein Hospital errichtet, in welchem mit anscheinend liebevoller Zuvorkommenheit jüdische Kranke verpflegt und ihnen auch für das Haus Medikamente verabreicht werden. Das dankbare Gemüth wird den „liebevollen" Pflegern ein liebendes Andenken gewähren, und ein Anknüpfungspunkt, von der Körperheilung zur „Seelenheilung" fortzuschreiten, ist leicht gefunden. Zudem sucht sie sich aber auch die Herzen der Heranwachsenden Jugend zu gewinnen und hat Unterrichtsanstalten, mit Pension verbunden, eröffnet, in welchen unentgeltlich jüdische Zöglinge im Hebräischen und Arabischen unterrichtet und ebenso kostenfrei koscher gespeist werden. Im vergangenen Wintersemester haben 20 jüdische Zöglinge diese Schulen besucht und zum Beginn des Sommersemesters waren weitere 25 für den Schulbesuch angemeldet. Die Schonung der „jüdischen Eigenthümlichkeiten" ermöglicht den Missionären ein stetiges Fortfchreiten und die Erringung einer festen Stellung innerhalb der dortigen Judenheit, die sie sicherlich vollständig für ihre Zwecke ausnutzen werden. Das sind Erscheinungen, die Jeden tief betrüben müssen, in dessen Herzen noch ein Funken von der Liebe für Jerusalem lebt und es müssen Mittel gefunden werden, diesem Treiben Einhalt zu gebieten, ehe es zu spät ist. Wer sich aber dazu berufen glaubt, mit Mitteln und Vorschlägen vor daS Publikum zu treten, muß sich zuerst mit den dortigen Verhältnissen vertraut machen. daß er nicht durch Verkennung derselben Personen für jene Erscheinungen verantwortlich macht, die es in Wirklichkeit nicht sind und zu Resultaten und Urtheilen gelangt, die ungerecht sind und verletzen und deßhalb mit Vorschlägen hervortritt, die gerade das Umgekehrte von dem bezwecken, was erreicht werden soll. So ist es Herrn vr. Rahmer gegangen, der, ohne über die dortigen Verhältnisse hinlänglich orientirt zu sein, der Indolenz der Bewohner Jerusalems für die Fortschritte der Mission Schuld gibt, die Kranken, die bei den Aerzten und in dem Hospitale der Mission Heilung suchen, „ehrlos" nennt, keinen Grund dafür finden kann, warum man die Leistungen der Ackerbauschule zu Jaffa nicht anerkennen will u. s. w. Er sieht es als eine Thorheit an, daß man über die Eltern, die ihre Kinder der Missionsanstalt anvertrauen, den Bann verhängt, der ja doch seine Wirkung verfehle und meint, daß es gerathener wäre, solche Eitern „nicht mit einem Deut an der Chaluka Theil nehmen zu lassen", und die Namen dieser Eltern zu veröffentlichen. (Wchschr. Nr. 23.)

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