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Der Israelit · 1879-08-27 · Heft 35 (27.8.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 35 (27.8.1879)
Date
1879-08-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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936 baueS und des Handwerk« ihren Preis nicht finden würden. Die Juden im Elsaß bringen der österreichischen Kammer ein schönes Stück Geld ein; ich bitte Eure Hoheit, es wohl zu überlegen, ehe Ihr gegen sie etwas unternehmet." „Und was meinst Du, Gabriel?" fragte der Erzherzog seinen Juaendfreund Gabriel von Salamanca, Grafen zu Ortenburg. „Wenn es sich um so gewichtige Dinge handelt" , entgegnete der Gefragte, „wie sie Herr Friedrich von Prechter uns auseinandergesetzt hat, so dürfen so kleinliche Rücksichten, wie sie Herr Johann Hofmann geltend macht, nicht berücksichtigt werden." „Georg", fragte der Erzherzog seinen Geheim- Secretär, Georg Gienger, einen Ulmer Patricier, „welches ist Deine Meinung?" „Auch ich bin der Ansicht", entgegnete Herr Georg, „daß wenn die Juden sich am Aufstande betheiligt haben, es recht und billig ist, sie dafür zu bestrafen." „Nun wohl, Georgentschied der Erzherzog, „fertige eine Ordonnanz aus. daß die Juden bis zum Allerheiligen-Tage das Elsaß geräumt haben müssen und richte sie an unfern Landesvogt im untern Elsaß, den Freiherrn, Herrn KaSpar von Mörsperg und Beppart zu Hagenau." Triumphirend kehrte Prechter nach dem Elsaß zurück, und bald durchflog die Kunde von diesem erschrecklichen Ereignisse das ganze Land. Rabbi Joselmann eilte nach Hagenau, wo ihm der Landvogt die Ordonnanz des Erzherzogs zeigte. Rabbi Joselmann protestirte dagegen; die Ordonnanz sei nicht zu Recht bestehend, da der Kaiser nicht darum wisse. Aber noch hatte Kaiser Carl die Privilegien und Freiheitsbriefe der Juden nicht bestätigt, und der Erzherzog hatte die weitgehendsten Vollmachten. Was war zu thun? Von allen Seiten eilten die Juden des Eljasses nach Rosheim und baten und flehten, daß Rabbi Joselmann helfe und die drohende Gefahr abwende. Viele Tausende sollten aus ihrer Heimath vertrieben, der Noth, dem Elende und dem schrecklichen Loose der Heimathlosigkeit preisgegeben werden. Man bestürmte Rabbi Joselmann, er solle zum zweiten Male nach Spanien reisen und sich dem Kaiser zu Füßen werfen. Aber durfte er es wagen, zum > zweiten Male den Gesetzen des Landes zu trotzen und einen Boden zu betreten, wo ihn der Tod erwartete? War es nicht das erste Mal schon ein große« Wunder gewesen, daß er dem Tode entgangen? Und dann, selbst wenn sein Weg gelingen sollte, durfte er hoffen noch vor dem Austreibungs-Termin zurückzukehren? Rabbi Joselmann zog es daher vor, nach Oesterreich an den Hof des Erzherzogs sich zu begeben. „Der Mund, der den Austreibungs-Befehl erlassen, soll ihn auch wieder zurücknehmen", sagte er. „Ueberdies ist es mir lieb, eine Gelegenheit zu haben, mit dem Erzherzoge bekannt zu werden. Nach Allem, was ich gesehen und erfahren, ist es dem Erzherzog Vorbehalten, eine bedeutende Rolle in Deutschland zu spielen. Der Kaiser hat noch zu viel andere Länder, die einst sein Sohn erben wird. Die deutschen Fürsten werden nicht wieder einen Kaiser wählen, der viele Jahre lang von Deutschland abwesend sein muß; außerdem ist Ferdinand beliebt wie kein Anderer. Schon auf dem Reichstage zu Worms hat er durch seine Leutseligkeit, die gar vorlheilhaft von der steifen. spanischen Grandezza des Kaisers abstach, alle Herzen gewonnen. A enn mich nicht Alles trügt, so wird Ferdinand einst deutscher Kaiser werden. Es wird also gut sein, sich frühzeitig mit ihm bekannt zu machen und seine Vorurtheile gegen die Juden zu bekämpfen." Bald hatte Rabbi Joselmann auSgekundschaftet, daß sich der Erzherzog gegenwärtig zu Bruck in Steiermark aufhalte. Es war eine weite, schwere Reise. Räuber durchzogen das Land und machten alle Wege unsicher. Viele der flüchtigen Bauernführer hatten Räuberhorden organisirt und waren den Reisenden ein Schrecken. Rabbi Joselmann bestieg sein Roß und begab sich auf die weite, beschwerliche, gefahrvolle Reise. Vor seinem Hause stand sein weinendes Weib. „Beruhige Dich, Liebe", rief er ihr vom Pferde aus zu. „Gott, der Schöpfer von Himmel und Erde, ist zu meiner Hilfe stets bereit. Er wird mich behüten vor allem Bösen und wird mich gesund und fröhlich zu Dir und den Kindern heimkehren lassen." So ritt er von dannen, gefolgt von den Segenswünschen seiner Glaubensgenossen. Sie alle beteten, daß Gott ihren edelmüthigen Vertheidiger und Beschützer vor jeglicher Gefahr behüten möge. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckere (Mainzer Anzeiger).

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