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Der Israelit · 1879-08-27 · Heft 35 (27.8.1879) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 35 (27.8.1879)
Date
1879-08-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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935 r r r [( e Feuilleton.;t Aabbi Zoselmann von Kosheim. Eine historische Erzählung. >J (Zweites Buch ) ji IV. Herr Friedrich von Prechter zog noch strafend in Elsaß umher, als er die Nachricht erhielt, daß Heinrich Voltz, Maria von Rottbach und das gejaubte Judenmädchen aus Schloß Hochfelden spur- } os verschwunden seien. Herr Friedrich schäumte or Wuth. Er zog nach Urbis, um den Vater )erachah^s wieder gefangen zu nehmen; fand aber " Lesen nicht; selbst sein Vermögen war nicht mehr ’ a; ba§ &auä war verkauft. Äußer sich vor Zorn, , . chwur Herr Friedrich Rache zu nehmen an allen y. suden des Elsasses. Die Gelegenheit bot sich '' ald. Eine Deputation wurde von der Regierung es Elsasses an den Erzherzog Ferdinand, den Zruder und Statthalter des Kaisers, gesandt, um der den Bauenkrieg und dessen Beendigung Be- ■D icht zu erstatten. An der Spitze dieser Deputaion stand Herr Friedrich von Prechter. 0* Erzherzog Ferdinand, der Bruder des Kaisers. V uac im Jahre J503 in Spanien geboren und am I )ofe seines Großvaters, des Königs Ferdinand, es Katholischen, erzogen worden. Ferdinand beaß viele gute Eigenschaften, er war gerecht, leutrn elig, zugänglich, ein musterhafter Gatte und Faulienvater. Dagegen hatte die ihm, gewordene panische Erziehung auch manche üble Eigenschaft ur Reife gebracht. Er war von Vorurtheilen bee »errscht und konnte auch rachsüchtig und blutgierig ' ein. Sein Zorn über die aufständischen Bauern oar groß, und er war es gewesen, der nach der Interdrückung des Aufstandes durch die dem Trucheß von Waldburg ertheilten blutigen Befehle i >as Signal zu dem schrecklichen Blutvergießen ge- 1;eben hatte. Mit Vergnügen hörte er daher die Berichte des Herrn Friedrich von Prechter an; „ s machte ihm Freude zu vernehmen, wie die ’ Bauern im Elsaß gehenkt, geköpft, ertränkt und lerstümmelt worden waren. „Hoheit", schloß Prechter seinen Bericht, „so labe ich radikal mit den Empörern verfahren; die Uebrigen sind zur Raison gebracht und werden ich hüten, wiederum Rebellion anzuzetteln. Aber!ine Sorte von Menschen habe ich noch nicht betrafen können, wiewohl sie. wenn auch nur Heinrich , beim Aufstande betheiligt waren; denn sie ind im Besitze von Privilegien. Die Juden, Hoheit, haben eS heimlich mit den Bauern gehaltem Als die Bauern auszogen, schrieben sie in alle Welt, daß sie gekommen seien, die Edelleute, Pfaffen und Juden zu strafen. Bei Adel und Geistlichkeit haben sie leider nur zu sehr Wort gehalten; aber den Juden haben sie kaum etwas zu Leide gethan. Weßhalb? Nicht anders, als weil die Juden ihnen heimlich Borschub geleistet, ihnen die geraubten und gestohlenen Sachen abgekauft haben." Ja. ja", entgegnete der Erzherzog, „die Juden sind ein böses Volk. Meine Großeltern. König Ferdinand und Königin Jsabella, haben sie aus Hispanien vertrieben. Ich habe als Kind gar manchem Auto da f« angewohnt und von den hochwürdigsten Priestern vernommen, welch ein gottgefälliges Werk es sei, diese verstockten Sünder vom Erdboden zu vertilgen. Wenn sie also den Bauern Vorschub geleistet, so soll man mit ihnen verfahren, wie mit dem aufrührerischen Gesindel." „Ja, Hoheit, die Juden sind es, welche eigentlich den ganzen Aufruhr verschuldet. Durch ihren Wucher berauben sie den armen Mann seiner geringen Habe, so daß er in der Verzweiflung zum Aeußersten greift. Deßhalb haben die Könige von England, Frankreich, Hispanien und die Schweizer Republiken die Juden aus ihren Staaten ausgewiesen. Die aus Frankreich und der Schweiz Vertriebenen haben nun unser armes Land überschwemmt und bringen es an den Abgrund des Verderbens. Wollen daher Eure Hoheit befehlen, daß die Juden aus dem Elsaß ausgetrieben werden und bis zum Allerheiligen-Tage das Land räumen müssen; Eure Hoheit würden sich um unser armes Land unsterbliche Verdienste erwerben." „Was meinst Du dazu, Hofmann?" fragte Ferdinand seinen bei der Verhandlung anwesenden Schatzmeister. Freiherr Johann Hofmann von L>teyr war Ferdinands rechte Hand; damals Schatzmeister, wurde er, nachdem Ferdinand König von Ungarn und Böhmen und römischer König deutscher Nation geworden war und nachdem Kaiser Carl die österreichischen Erblande seinem Bruder überlassen hatte, zum Geheimenrath und Premierminister erhoben. Herr Johann Hofmann war ein gewiegter Finanzmann; er erwiederte bedächtig: „Die Juden sind ein gar nützlich Völklein; sie kennen den Werth des Geldes und wissen damit umzugehen. Ihr kommerzielles Talent verleiht vielen Waaren Werth, die sonst dem Bauern und Bürger nichts einbringen würden. Hoheit, ebenso wichtig wie Ackerbau und Handwerk, ist der Handel, weil sonst die Produkte des Acker-

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