Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1879)
- Date
- 1879-08-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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934 Rumänien. Ein Freund der BVtliner „Jüdischen Presse" hat aus der Fahrt nach Petersburg mit dem rumänischen Minister B o e r e s c u eine Unterredung über die Emanzipation der rumänischen Juden gehabt und darüber dem genannten Blatte einen Bericht zugesandt. Wir entnehmen demselben Folgendes. Auf die Bemerkung, daß doch die Durchführung der' Emanzipation die erste Sorge Rumäniens sein sollte, erwiderte der Minister: „Und sie ist es in der That, aber wir müssen doch auf die Verhältnisse unseres Landes Rücksicht nehmen. Wie denken Sie sich etwa die Gestaltung der Verhältnisse in einer Stadt wie Jassy, wenn wir gleichzeitig sämmtliche Juden emancipiren. Die größere Hälfte der Bewohner Jassy's sind Juden, wenn diese sämmtlich durch ein Gesetz in die Lage kommen, Häuser zu erwerben, würden da nicht die bisherigen Besitzer durchaus vertrieben werden, würde da nicht durch die gesetzliche Konkurrenz einer so geschlossenen Masse von Käufern eine ungesunde Spekulation entstehen, die in einem Krach endigen muß. Wie würde es werden, wenn alle Pfandgläubiger versuchen würden, ihr Recht durch Subhastationen Eigenthümer der verpfändeten Grundstücke zu werden, geltend zu machen. Und bedenken Sie, der Grundbesitz ist zumeist in den Händen unseres Adels, mit dem die Regierung sehr, sehr viel zu rechnen hat. Wir wollen und werden den Juden die Emancipation gewähren, aber nur peu a peu, nicht Allen auf einmal, das ist unmöglich, es sind zu viele Juden dort." „Und wie denken sich, Excellenz dies ,,peu a peu?" fragte ich " „Ich denke, die Juden in Klassen zu theilen und dnrch Gesetze klassenweise zu emancipiren. Die erste Klasse sollen die gebildeten, intelligenten Juden bilden und was die weitere Rangordnung betrifft, so werden sich diese schon finden lassen." „Aber hat nicht eine derartige Klassifikation ihr sehr Bedenkliches?" wende ich ein. „Abgesehen davon, daß die Begriffe „gebildet, intelligent" sehr relativ sind, Excellenz müßten diese Klassifizirungen doch den Präfekten überlassen oder doch deren Urtheil wesentlich bestimmend sein lassen und, verzeihen Excellenz das offene Wort, was die Juden von den Präfekten zu erwarten haben, hat die entschiedene Begünstigung, welche die Juden - Verfolgungen von den Präfekten erfahren haben, zur Genüge gezeigt. „Sie haben Recht", erwiderte der Minister „die Judenverfolgungen waren ein großer Fehler indeß seien Sie versichert, derartige Exzesse wer den nicht wieder Vorkommen, die Regierum würde mit aller Macht jeder Ausschreitung entge gentreten und die etwa pflichtvergessenen Präfektei streng zur Verantwortung ziehen. Lassen Sie Ihr Bedenken schwinden, Sie' werden sehen, die Inder erhalten ihre Rechte, aber wir müssen dabei stets die „Interessen" unseres Landes berücksichtigen Dies Beides in ein harnionisches Verhältniß zi bringen und den Dösen die nöthige Aufklärung zr geben ist Zweck meiner Reise. Ich werde in Pari mit Eremieux die Angelegenheit persönlich eingehen) besprechen und namentlich' dessen Sekretär Lehmann j. , der ein kluger, einsichtsvoller Mann ist, dabei ziM,,, Rathe ziehen. Hoffen wir das Beste, es wird nach gerade alles gut." Welche Erfolge Boerescn bei seiner Rundreifl^ davon getragen hat, ist noch immer unklar, docl 01 hat es leider den Anschein, als ob man auf Seite: der Mächte, welche Rumänien noch nicht anerkamr , haben, nicht mehr mit der früheren Entschiedenhei, u die vollständige Ausführung der Bestimmungen deA, Berliner Vertrages verlangt. Frankreich. in 01 re al et »r ei Paris Der Deputirtenkammer wurde ein Gesetzesentwurf „zur Wahrung der Gewissensfrei 1 heit in der Armee" vorgeschlagen. Nach den bis herigen Gesetzen waren auch nichtkatholische Soldaten gezwungen, Ceremonien des kath. Cultu! mitanzuwohnen und mitzumachen. Bon nun an sollen die Officiere, Unteroffv ciere, Soldaten und Seesoldaten weder einzeln noch in größerer Zahl bei den Ceremonien eines Cultus officiel Mitwirken oder zugegen sein; dev Geistlichen der verschiedenen Konfessionen soll mii Ausnahme besonderer im Gesetze vorgesehener Fälle, der Zutritt in die Kasernen verboten sein. Mav hofft, daß das Gesetz angenommen werden wird. (Arch. isr.) Paris. Israeliten aus dem Departement de la Gironde haben an die Deputirtenkammer eine Petition um Erweiterung des Wahlrechts bei den consistoriellen Wahlen eingereicht. Der Berichterstatter hat dieselbe zur Berücksichtigung seitens des Kultusministers empfohlen. (Arch. isr.) >e i