Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1879)
- Date
- 1879-08-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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933 Fleisch von 32 verschiedenen Verkaufsstellen zu porschen*) liegt auf der Hand, noch weniger vermögen sie den Fleischverkauf zu überwachen. Wenn auch das Koscherfleisch gebleit wird, so geschieht dies doch nicht bei den einzelnen Stücken, sondern nur bei den ganzen Vierteln, es kann daher der Käufer, dem das Fleisch, wie hier üblich ins Haus gebracht wird, weder den Ursprung noch das richtige Porsche« controlliren, er ist daher lediglich auf die Zuverlässigkeit des Metzgers angewiesen. Daß solche Metzger, welche öffentlich nDt& ^no sind, kein Vertrauen verdienen, braucht nicht erst bewiesen zu werden; sobald aber auch nur ein Theil der 32 Metzger vertrauensunwürdig wird, verliert das ganze Institut das Vertrauen, da der Einzelne nicht die Linie ziehen kann, wo die Ver» trauenswürdigkeit beginnt. Das ist eben der Krebsschaden der von Dr. Horowitz geleiteten Einrichtungen , daß sie keine vollständige Sicherheit zu bieten vermögen. Es ist daher die in dem angegriffenen Artikel aufgestellte Behauptung richtig, daß die Verhältnisse der Schechita resp. des Koscher-Fleischverkaufs der Gemeinde sich nicht gebessert haben. nur waren sie früher als unzuverlässig gekennzeichnet und haben nun den Schein den angenommen, was als ein wesentlicher Nachtheil zu betrachten ist. (Wir haben zu Obigem zu bemerken, daß sich in die Korrespondenz in Nr. 34 ein bedauerlicher Fehler eingeschlichen hat; wie uns nachträglich berichtet wird, sollte darin gesagt werden, daß das Fleisch den Käufern nur plombirt zugesandt wird. Das Wort „plombirt" war aber so undeutlich geschrieben, daß es absolut nicht zu lesen war; es wurde von Corrector vermuthet, daß es „porschen" heißen sollte und demgemäß gedruckt. — Red.) Hannover, 15. August. Unsere Gemeinde wird in der nächsten Zeit vor der Wahl eines zweiten Vorstehers stehen, einer Wahl, die doppelt wichtig ist, weil die zu wählende Persönlichkeit den größten Einfluß innerhalb des Repräsentanten- Collegiums auszuüben in der Lage sein wird. Der Gemeinde wird dieses Mal die Wahl sehr schwer werden, weil die Zahl der in Frage kommenden Candidaten eine sehr geringe ist und unter diesen kaum einer im Stande sein wird, den jüngst verschiedenen zweiten Vorsteher, Herrn M. A. Behrens, in vollem Maße zu vertreten. In seltener Weise besaß dieser außer einem ausgezeichneten Verwaltungstalent große Autorität bei allen Parteien der Gemeinde und neben diesen Eigenschaften brachte er in Cuttusfragen stets den orthodoxen Standpunkt zum Ausdruck. Kein Wunder, daß unter dem bei solchen Verhältnissen entstandenen Einfluß des betreffenden Amts der ernst denkende Theil der Gemeindemitglieder mit einem gewissen Zagen an die Aufstellung eines Candidaten denkt, da eine unrichtige Wahl leicht von unheilvollem Einflüsse auf das gesammte Gemeindeleben sein könnte. Dies namentlich, da der erste Vorsteher gegenwärtig mehr als Ehrenpräsident fungirt und dem neu zu Erwählenden daher die wichtigste Stellung in der Gemeinde zufallen wird. Ich werde demnächst auf die Angelegenheit zurückkommen, inzwischen den Wunsch aussprechend, daß die große Zahl der religiösen Gemeindemitglieder sich für eine Candidatur vereinigen mögen, welche eine Zersplitterung der Stimmen unnöthig machen wird. Bei dieser Gelegenheit mag es mir noch erlaubt sein, auf die betrübende Erscheinung hinzuweisen, daß die Zahl der qualificirten Candidaten für die Gemeindeämter immer mehr abnimmt, eine Thatsache, welche auch in anderen Gemeinden zu registriren sein wird. Es mangelt keineswegs an Personen, — an betitelten und bemittelten — welche alljährlich bei der Wahl sich Mühe geben, um irgend eine Stellung im Gemeinde-Collegium zu erhalten, aber dieser Eifer wird in den meisten Fällen von Ehrsucht und Eitelkeit dictirt, während wirkliche Hingebung für die Interessen der Gemeinschaft nur selten zu finden ist Da kann es dann nicht Wunder nehmen, daß man solche Personen, welche mit Lust und Liebe wirklich zu arbeiten geneigt sind, mit der Laterne suchen muß. Es wird nicht überflüssig sein, auf diesen an vielen Orten empfundenen Uebelstand die Aufmerksamkeit zu lenken und den einflußreichen Kreisen zu empfehlen, rechtzeitig an Ersatz aus der jüngeren Generation zu denken, damit die Verwaltung nicht mehr und mehr in den Personen besoldeter Branchen concentrirt wird, was keineswegs im jüdischen Sinn sein dürfte. Palästina. Jerusalem, 26. Menachem. Von der türkischen Regierung ist dem hiesigen Oberrabbiner, Rabbi Abraham Afchkenasi, der gemessene Befehl zugegangen, eine Schule ins Leben zu rufen, in welcher die arabische Sprache gelehrt wird. *) oietje die Nachbemerkung der Redaction.