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Der Israelit · 1879-08-13 · Heft 33 (13.8.1879) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 33 (13.8.1879)
Date
1879-08-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XX. Jahrgang. Erlic Äkilaae zu Ar. 33 -cs Israelit. ^eirnng-nachricibte» Korrespondenzen. Deutschland. Hamburg, 25. Juli. Die „Jsr. Wochenschrift" bringt in Nr. 30 einen Leitartikel unter der Ueberschrift: „Der Austritt aus der Gemeinde". Daß tiefer als etwas Verbrecherisches, als Ver> ralh am Judenthum, als Gottesleugnung u. f. w. dargestellt wird, kann uns bei der bekannten Farbe und Tendenz der „Wchschr." nicht Wunder nehmen, und werden wir uns wohl hüten, darüber noch einWort zu verlieren, da ja schon längst das pro und eontru reichlich erwogen sind. Auch der Trier'sche Fall ist es nicht, der uns die Feder in die Hand drückt, da uns die Personen und Verhältnisse daselbst völlig unbekannt sind, uns deßhalb kein Urtheil darüber zusteht. Einzig und allein die Art und Weise, wie die Geschichte der Vergangenheit fälschlicher Weise dazu benutzt wird, um den Austritt zu perhorresciren, erfordert eine Entgegnung. Auf Korach wird z. B. hingewiesen, der als Zerreißer Israels von der Erde verschlungen ward. Aber was that Korach? Er erkannte die Göttlichkeit des von Moses im Namen Gottes überbrachten Gesetzes nicht an, er beschuldigte ihn der Ueberhebung (wrjpn yno). Die jetzt Austretenden thun das gerade Gegentheil; denn wo es geschieht, ist es nur, um der Vergewaltigung durch die Majorität, oder durch einen neologen, rücksichtslosen Vorstand zu entgehen, um dasererbte göttliche Gesetz, das mehr oder minder beseitigt werden soll, intact zu erhalten. Das Streben des Korach, dem Gesetze seinen göttlichen Charakter zu rauben, ist also da auf Leiten der Majorität; dasselbe zu erhalten, auf Zeiten der austr.tenden Minorität. und da einer d<r Probirsteine, an welchen man den Menschen erkennen kann, auch WD2 (an seinem Vermögen) ist, so ist nicht anzunehmen, daß die austretende, eine besondere Gemeinde bildende Minorität es aus unlauteren Gründen thut, da ja die Bildung einer solchen mit nicht geringen Geld opfern verbunden ist. — Es wird ferner hingewiefen auf die Vorwürfe, die Mose den Stämmen Rüben und Gap machte mit den Worten: Was macht ihr abwendig u. s. w. Stellen wir uns unfern großen göttlichen Lehrer einmal lebend in der Jetztzeit dar, und fragen uns. wem er wohl zurufen würde: D'tfpri üW2ü r.imn, von wem er wohl sagen möchte, daß sie die Zornesgluth des Ewigen auf Israel häuften? Gb auf die orthodoxen Separatisten oder auf die neologen Vorstände und Gemeinden, die theilweise alles Jüdisch - Religiöse theoretisch und praktisch von sich abgestreift haben? Die Beantwortung dürfte nickt schwer werden. Die Krone des Unsinns aber ist es, wenn auf Josua's Ermahnungen an die 2l/s Stämme hingewiefen wird. Diese wollten sich von der Gesammtheit trennen (nach der Meinung Josua's), einen Opferaltar für sich bauen, einen besonderen Cultus Herstellen, also eine Sünde begehen, auf die, abgesehen von dem Uebel der Trennung, die Strafe von rro (pn ’üintEr) gesetzt ist. Das Gros des Volkes hielt also am Gesetze fest, die Minderzahl wollte sich trennen, um einem von dem Gesetze streng verpönten Cultus obzuliegen, und da soll Josua nicht ausrufen: onLyo r.n ’pyor; noP Hier liegt kein Jrrthum, sondern eine Verdrehung der Begebenheiten und eine tendenziöse falsche Anwendung derselben vor. Man toll den israel. Religions - Gesellschaften in Frankfurt oder der my in Berlin, falls sie ausgetreten wären, entgegenhalten: Was für eine Treulosigkeit, was für eine Entweihung seid ihr im Begriffe zu begehen, daß ihr euch von der ganzen Gemeinde, repräsentirt durch Vorstände, die Allem, was Thora heißt, die bitterste Feindschaft zugeschworen haben, durch Rabbiner, wie Geiger, Äub, Stein (o^do brn jd»), die den Glauben an D’cz' jo rmn längst abgestreift haben, trennen wollt? Wie gering muß doch die „Wochenschrift" von ihren Lesern denken, wenn sie ihnen . solchen Unsinn aufzutischen wagt, und solche Unkenntniß und Mangel an Urtheilskraft in der Geschichte unsrer Vergangenheit bei ihnen voraussctzt! — Um das Spaßhafte zu vervollständigen, wird auch der man tya angeführt, und den austretenden Gemeinden das Epitheton yttn beigelegt mit der hochtönenden Phrase: „wer sich von der Gesammtheit ausschließt, verleugnet den obersten Grundsatz des Judenthums Gpyo Run, ihr Separat- Gemeinden und Ihr Rabbiner: Hirsch, Hildesheimer tt. a. m., zittert Ihr nicht vor dem Bannstrahl, der hier auf Euch geschleudert wird, und der Euch zu stempelt? Wir drehen den Spieß um, und halten uns an den Grundsatz unsrer Weisen:

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