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Der Israelit · 1879-08-13 · Heft 33 (13.8.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 33 (13.8.1879)
Date
1879-08-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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876 „Wenn mein armer Bruder überhaupt zurückkehrt! Wer weiß, ob er nicht in einer der mörderischen Schlachten gefallen!" „„So werde ich andere Mittel finden, mich an dem Barbaren zu rächen. Bon den Juden gedenke ich, hundert Goldgulden zu fordern — Geld genug, uns Beiden ein ruhiges Leben in einem Winkel des Landes zu sichern."" „Und wie gedenkt Ihr, das Judenmädchen zu befreien?" „„Ihr werdet*- schon sehen, Fräulein Marie, denn Ihr werdet dabei sein. Jetzt geht aber ins Schloß zurück und tröstet die Verzweifelnde. Soll ich Euch begleiten?"" „Ich danke. Katterein, die im Städtchen beim Tanze ist, muß ich hier erwarten; sie kann nicht lange mehr bleiben." „„Desto besser; es ist gut, wenn man uns nicht beisammen steht. Lebt wohl, Fräulein!"" „Gute Nacht, Heinrich!" Das Gespräch hatte das Mädchen beruhigt. Ungeduldig schaute sie nach ihrer Begleiterin aus, die auch bald, erhitzt vom Tanze sich einfand. Katterein erzählte von dem Vergnügen, das sie genoffen, unbekümmert, daß das Fräulein, dessen Gedanken anderswo weilten, ihr nicht zuhörte. Eo schritten sie den Berg hinauf, bis sie an da» Schloßthor kamen, wo der Thorwart sie einließ. DaS Fräulein eilte nach dem Zimmer, welches man Berachah angewiesen hatte. Diese saß da im dumpfen Schmerze, das Abendessen nicht berührend, da» vor ihr stand. Berachah schrak auf, als Marie eintrat. „Erschrick nicht", sprach diese; „es ist eine arme Unglückliche, die vor Dir steht, die Dir Trost bringen und es verhüten will, daß auch Du elend werdest!" Das war himmlische Musik für Berachah*- Ohr. Eine tiefe Bewegung ergriff sie; sie fing an laut zu weinen. „„Wer bist Du"", rief sie, nachdem sie sich ausgeweint hatte, „„die gleich einem Engel vom Himmel zu mir kömmt, mich zu trösten? Soeben habe ich aus tiefstem Herzen zu Gott um Rettung gefleht. Bist Du ein Engel, den Gott mir sendet?"" Marie lächelte schmerzlich. „Ich sagte es Dir schon", sprach sie, „ich bin eine arme Unglückliche. Ich bin ein Schlachtopfer, hingemordet von jenem herzlosen Menschen, der auch Dich unglücklich machen will. Doch das will ich verhüten, ich und ein Freund, dessen Na» men ich Dir nicht nennen darf. Dieser Freund sucht Deine Verwandten auf und wird Mittel und Wege finden, Dich zu befreien. Sollte jedoch der Ritter früher hierherkommen, so leiste ihm Wider» stand."" „„Eher werde ich sterben, als daß ich . „O, hätte doch auch ich so gedacht! Ich wäre nicht so unglücklich geworden." Maria*s Thränen flössen aufs Neue. Jetzt ward Berachah die Trösterin. „„ Armes Kind"", sprach sie, Dü bist noch so jung. Auch Dir kann das Lrben noch Freuden bringen."" Wehmüthig schüttelte Marie das Haupt. „Für mich ist Alles vorbei", sagte sie. die Thränen trocknend. „Aber Du wirst wieder mit Deinem Vater, mit Deinem Bräutigam vereint werden. Dir wird noch reiches Glück erblühen und dann gedenke der Unglücklichen, der Verlorenen, die sich hier Deiner angenommen!" Berachah umarmte die Schluchzende. „„Willst Du mir nicht sagen"", sprach sie,, „„wer Du bist und wie Du heißest?"" „Ich heiße Marie von Rottbach und entstamme einem altadeligen Geschlechte. Meine Mutter verlor ich früh; mein einziger Bruder, nach Ruhm und Ehre dürstend, zog mit des Kaisers Heer nach Italien. Mein Vater war ein Freund des hochberühmten Ritters Franz von Sickingen; sein Freund und Bundesgenosse. Al» die er in seiner Burg bei Landstuhl von den belagernden Fürsten zu Tode verwundet wurde und starb, da wurde auch mein Vater in die Reichsacht erklärt, seine Burg, in der er sich verschanzt hatte, gebrochen; er selbst getödtet. So stand ich allein in der Welt, ohne Freunde, ohne Verwandte, ohne Habe und Gut. Der Herr dielen. Burg, Ritter Prechter, der bei der Erstürmung Rottbach war, schien Erbarmen mjt mir zu haben. Er wollte mich gleich seinem eigenen Kinde halten und sandte mich hierher. Von dem Uebrigen laß mich schweigen." Berachah umarmte aufs Neue die neugewonnene Freundin und küßte ihr die Thränen von den Wangen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilage«. Verantwortliche Redaktion: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I, Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger). Nr. 33, S. 877 - 884 folgen erst nach S. 892.

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