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Der Israelit · 1879-08-13 · Heft 33 (13.8.1879) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 33 (13.8.1879)
Date
1879-08-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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875 er die allgemeine Aufmerksamkeit auf sein Etablissement lenken will. Ich konstatire ausdrückliche daß der: Vorfall an sich; alK: durchaus: bedeutungslos clufgefatzt wird; wie s. :Z. Hilton, so Hab sich auch Cor bin in den Augen Aller lächerlich gemacht. Für dietollen Streiche dieser beiden Fanatr^r kann natürlich sonst niemand verantwortlich gemacht werden. Nichtsdestoweniger soll, wie ich höre, seitens der hiesigen Juden, unterstützt von hervorragenden christlichen Mitbürgern, eine große Volksversantmlung anberaumt werden, um das Verfahren, welches Hilton inaugurirt hat und Corbin nachzUahmen versucht, öffentlich zu brandmarken. F e rr i l l t t i> tu ~ Aaliöi Ioselmann von Wsheim. Eine historische Erzählung. (Zweites Buch.) II. Am Fuße des Berges, auf welchem das Schloß Hochfelden stolz in die Lüfte ragt, liegt das Städtchen gleichen Namens. Es wurde hier eben das Kirchweihfest gefeiert. So ist das Volk, leichtlebig, und sich des Augenblickes freuend. Trotz des eben erst beendeten Bauernkrieges mit allen seinen Gräueln und Grausamkeiten, trotz der bluttriefendcu Rache der Sieger, die ringsum das Land blutig färbte, waren viele Menschen aus der umliegenden Gegend zu Spiel und Tanz ver» sammelt. Auf dem kleinen Marktplatze und in de» ettgen Straßen war ein lebendiges Treiben und eirt fröhliches Gewühl, denn nach beendeter Kirche Zog Jung und Alt umher und vergnügte sich vor den schön ausgeschmückten Buden, kaufend oder schauend. In den Herbergen ward mancher' Becher geleert, und die Pfeifer hatten, als: es Abend wurde, vollauf zu thun, da Alles nach dem Tanzboden strömt^ ÄWh die wogende, jubelnde Menge schlich schweigend ein junges Mädchen und schien keinen Theil an der allgemeinen Freude zu nehmen; hinter ihr her ging eine junge Dirne, schier ebenso' traurig wie die andere, welche ihre Herrin zu sein schien, und murmelte mrmrlthig vor sich hin: „Geh' nur zurück, Kattrein!" sagte jene, „und tanze noch einige Reigen; ich will unter der Linde am Berge auf Dich warten; bleib nur nicht zu lange!" —- -- Die Dirne eilte zurück; das Mädchen aber setzte langsam seinen Weg zu der Linde fort, ließ sich dort auf eine Rascnbank nieder und blickte traurig gen Himmel. „Nun ist Alles vorbei, unwiederbringlich hin!" rief sie aus. „Ich bin schändlich betrogen, und es ist keine Rettung mehr für mich! Verbirg Dich nur, freundlicher Mond; sonst sah Marie reinen Herzens zu Dir empor; jetzt muß ich fchuldbelastet die Augen vor Deinem reinen Lichte Niederschlagen!" Sie weinte still vor sich hin. Dann seufzte sie wieder und sprach: > „Der Schändliche! Wie ein Vater wollte er sich meiner annehmen, da die Feinde meines Vaters Burg zerstörten und Alles mordeten; zu seiner Familie nach Hagenau wollte er mich senden und j mich wie seine Tochter halten. Stadt dessen brachte i er mich auf sein Schloß, und ich junges unerfahrenes Ding wußte seinen Schmeichelworten nicht zu widerstehen. Jetzt ist er meiner überdrüssig und hat eine Andere, Schönere auf das Schloß bringen lassen. Schon hat der rohe Schloßvogt mir hohnlachend zugerufen^ daß dev Ritter mir die Thüre weisen werde, und ich dann bettelnd im Lande umherziehen könne. Und ich Unglückliche habe keinen Annehmer! Meine Eltern sind todt, und mein einziger Bruder weilt fern in Italien bei des Kaisers Heer!" Sie schwieg, und ein schmerzvoller Seufzer rang sich aus bewegter Brust hervor. So saß sie in sich gekehrt und trauernd, und nur zuweilen unterbrach ihr Schluchzen die Stille des Abends. Da trat plötzlich ein Hann vor sie hin; das junge Mädchen schreckte zusammen. „Ah", sagte sie . den Mann erkennend, „Ihr seid'S . Heinrich! Doch , wie seht Ihr üuS! Seid Ihr im Kampfe verwundet?" „„Mein gnädiger Herr"", sprach Heinrich Voltz, „„hat mich so gezeichnet, weil ich es gewagt, habe, um Gnade zu flehen für den letzten'Sprös- : sen eines ritterlichen Geschlechts, dem meine Vater einstntals gedient hallen. Aber ich werd's ihm gedenken! Fräulein Marie, auch Ihr seid von ihm beleidigt und betrogen! Laßt uns Zusammenhalten!'"' ' , ,,Was soll ich thun?" „„Fürs Erste müssen wir seinen Anschlag auf das Judenmädchen zu Nichte machen; u. habe mich erkundigt; sie ist brav und fromm un. eine verlobte Dräut. Ihr, Fräulein Marie, müßt Euch des armen Mädchens annehmen, ihm Muth einsvrechen, daß es dem Ritter widersteht. wenn er unerwartet heimkehrcn sollte; ich hoffe aber schon früher sie seinen Klauen zu entziehen und von den Juden dafür ein schönes Stück Geld einzunehmen. Dann entfliehen wir alle drei; das Judenmädchen kehrt zu den Seinigen zurück. Ihr aber und ich, wir verbergen uns irgendwo im Lande, bis Euer Bruder aus Italien heimkehre, und dann soll erst die Rache beginnen!""

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