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Der Israelit · 1879-08-13 · Heft 33 (13.8.1879) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 33 (13.8.1879)
Date
1879-08-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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872 Vorschriften deS Judenthums verlangt, durch welche dieses sich vom Christenthum unterscheidet, so vor Allem offene Lossagung vom Talmud und Aufhebung des Sabbats und der Beschneidung, wenn die Juden aus Schutzbürgern Staatsbürger werden wollten. G. aber tritt nicht gegen P. auf, indem er die Unterdrückung seines Entschlusses mit folgenden Worten motivirt: „Doch da ich in dieser Sache mehr theologisch als politisch gestimmt bin, so schrieb ich lieber einen Aussatz über jüdisches Schul- und Rabbinerwesen, schickte ihn an Rossel nach Aachen u. s. w." Also politisch hätte G. wohl antworten können, aber nicht theologisch, denn denn theologisch gehen G's und P's Ansichten nicht weit auseinander, hatte ja P. noch eine Abhandlung über das schändliche Treiben, d. h. die Verdummung der im talmudischen Geiste erzogenen und lebenden jüdischen Theologen aus G's Feder in Händen, der allerdings nie gedruckt wurde, und wäre wohl P. nicht gehalten gewesen, den Namen des Verf., wie dieser so inständigst gebeten hatte, nicht zu nennen, wenn G. gegen ihn aufgeireien wäre. An diesen Brief an Paulus, der im christlichen Lager, für den Kampf gegen den Talmud Hülfe sucht, reihen wir einen gleicher Tendenz an den Schulrath Rossel in Aachen vom 30. Mai 31 an. G. hatte diesem eine Arbeit für dessen Dchulblatt eingesandt. welche von R. ausgenommen, der aber mit dem Dank für die Arbeit zugleich eine Antwort an G. schickte, die von „ziemlich judenfeindlicher Gesinnung" zeugte. In der Antwort, die eine Vertheidigung der Juden sein soll, erklärt der angehende Rabbiner dem judenfeindlichen Christen gegenüber, daß es gar nicht zu verwundern sei, daß „Leichtfertigkeit und Gleichgültigkeit gegen Religion und Sittlichkeit einreißt", „wenn ein Rabbiner, ganz vom bösen alttalmudischen Geiste (!!) besessen, ganz abgewandt vom wissenschaftlichen Streben, der einzige geistliche Vorsteher ist." Auf wissenschaftliche Bildung der Rabbiner zu dringen, war nothwendig zu einer Zeit der Gährung, aber weniger den Christen gegenüber als um den inner» Feinden mit Erfolg entgegentreten zu können, jenen Feinden, welche die alten, frommen Rabbinen als vom „bös-n alttalmudischen Geiste besessen" den Christen darstellten. Kann man es da einem Paulus verdenken, wenn er auf den Talmud und auf die ihm anhangenden Juden schimpft? Hat Pfefferkorn etwas Schlimmeres gethan? *J Diese Abhandlung erschien als Separatabdruck unter dem Titel „Tie jüd. Nationalabsonderung nach Ursprung, Folgen und Besserungsmitteln." Heidelberg 1831. Dieses Conspiriren gegen den Talmud mit Judenfeinden fällt in eine Zeit, da G. einestheils mit Studiengenossen einer mehr oder weniger streng frommen Richtung verkehrt, andererseits mit einem bisherigen College» in Briefwechsel steht, über dessen streng orthodoxe Gesinnung G. niemals in Zweifel sein konnte. Dieser Letztgenannte war Samson Raphael Hirsch, damals Rabbiner in Oldenburg. Gerade diesen heben wir besonders hervor, weil sich hieran am Deutlichsten zeigt, wie sehr G. es verstanden haben muß, im intimen Privatverkeyr seine Gesinnungen zu verbergen, so daß es ihm möglich geworden, mit Verachtung gegen den Talmud im Herzen an einem Manne wie Hirsch, der in seiner stets offen bekannten religiösen Richtung und Anschauung eine eiserne Consequenz bewährt hat, einen Genossen für das „Talmudlernen" zu finden, und zu glauben, daß er, wie wir weiter sehen werden, sogar Hirschs Vertrauen in religiöser Beziehung besäße. Drei Monate nachdem G. den famosen Brief an Paulus geschrieben, und drei Wochen ehe er in seinem Schreiben an ^chulrath Rossel sich über die Rabbiner vom „bösen, alttalmudischen Geiste" ausläßt, will er Hirschs Thätigkeit für die Emancipation gewinnen und redet ihn an: „Sie, ein Hort Israels und gewiß nicht der Letzte, der den Juden endliche Befreiung von den drückenden Fesseln wünscht, die ja bloß allein die geistige Entwicklung fördern und zum wahrhaft geistigen Leben führen kann u. s. w." Was aber G. unter Emancipation verstanden, mit welchem Preis er sie erkauft wissen wollte, und was ihm die geistige Entwicklung ist, wissen wir bereits, und wir werden noch mehr davon erfahren. Unter solchen Umständen ist es leicht zu verstehen, daß G. Geheimhaltung feines Namens und seines Briefes Paulus aufs Dringendste anempfahl. Ehe wir weiter gehen, müssen wir aber auf das Verhältniß, in welches G. zu H. sich stellte, näher eingehen; eine Stelle aus dem Tagebuch gibt uns darüber Ausschluß. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 8. August. Wir waren so glücklich, heute wiederum 3665 M. 89 Pf. an das Central- Comite zu Amsterdam zum Besten der Armen, Nothleidenden rc. im heiligen Lande abzusenden. Die Summe der von uns für obige Zwecke in die«

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