Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1879)
- Date
- 1879-08-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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870 Betrag von hundert Maltern wegzugeben; er gab lieber gar nichts. Da brachten die Felder im kommenden Jahre nur hundert Malter. Hatte der I Geizige von tausend nichts missen können, so gab er von hundert gewiß nichts. Im kommenden Jahre, während ringsum die Nachbarn eine vorzügliche Ernte hatten, brachten die Felder des Geizigen nur 10 Malter. Voller Betrübniß stand er auf seinem ö)en Gefilde; da fuhr ein großer, mit Blumen bekränzter Wagen herbei, dem unter Musik, Scherzen und Lachen die festlich gekleideten Freunde, I Schwäaer und Verwandten des Mannes entstiegen. j — „Wollt Ihr mich verhöhnen?" schrie dieser sie! zornig an. — „Nein", antworteten sie, „wir wollen! Dir zu Deiner neuen Würde Glück wünschen \ Früher warft Du der Eigeathümer dieser Felder! und Gott war der Kohen, da Du aber den Zehn- I ten nicht gabst, so ist Gott der Eigenthümer und i Du bist der Kohen; Du erbälst daher von Gott j nur das, was dem Kohn gebührt hätte. °1L'X rrp O vjcip nx rw sin xd.-. ib;rv „Und so heißt es: ein Jeder soll das erhalten, was er Lern Kohen hätte geben sollen " Da ging der Mann in sich, gab den Zehnten von den 10 Maltern, und siehe, im nächsten Jahre brachten die Felder wieder den früheren Ertrag! von tausend Maltern. I Hätte nicht der Hinweis auf den zuletzt er- > wähnten Ausspruch der Weisen besser erwiesen, j daß die Zehnten eine Mauer um den Neichthum j bilden? | Es ist aber die Bemekung des Rabbenu Obadj jah in folgender Weise zu erklären. j Sehen wir uns nur die Mischnah genau an. i Dort werden vier Mauern für vier vortreffliche i Dinge erwähnt. 3rvo C'ro;«d rvnryc, min1? a-'O rwdc „Die Ueoerlieferung (Maßoreth) ist ciiic | ibcauer für die Thora, die Zehnten sind eine? Mauer für den Reichthum, die Gelübde sind eine! Mauer für die Enthaltsamkeit; eine Mauer für die Weisheit ift das Schweigen." : Es ist auffallend, daß während in den drei . ersten Fällen dasjenige, was die Mauer bilden j soll, dem zu Schützenden vorangeftellt wird, im! vierten Falle das Umgekehrte stattfindet 712271b L'O j np’nr. In den Aussprüchen unsrer Weisen ist auch i ie Wortstellung nicht ohne Grund. Die Ursache ist wohl folgende: Wenn Jemand 1 Ndet, Laß sein Feld, sein Weinberg, sein Garten nrch wilde Thiere und böse Menschen verwüstet! Urd, so zieht er eine Mauer zum Schutze; es ’ inn aber auch das Umgekehrte der Fall sein. j Will Jemand, z. B., seinen Kornacker in einen Garten umwandeln, so zieht er erst die Mauer und legt dann den Garten, an. Diesem letzteren Falle gleiten die drei ersten in der Mischnah erwähnten vortrefflichen Dinge; beim vierten aber kann man nicht sagen, daß der, welcher weise werden will , sich an das Schweigen gewöhnen soll; im Gegentheile, er muß recht viel fragen, denn N2y pL'"2.-; xb, wer sich schämt zu fragen, kann uichts lernen: erst, wenn er Weisheit erlangt hat, dann mag ihm die Schweigsamkeit als Schutzmauer für die erlangte Weisheit dienen. Da also Rabbi Akida nicht sagt -w'ipy ni^L'p'2, eine Schutzmauer für den Reichthum sind die Zehnten, sondern die Zehnten voranstellt. so handelt es sich hier nicht nur um schon erworbenen, sondern auch um den erst zu erlangenden Reichthum, und mit Recht weist daher Rabbenu Obadjah auf die Worte unsres Wochenabschnittes iL'pei und die daran geknüpfte Lehre der Weisen hin 7w2'2 ,,verzehnte, damit da Reich tl-um erlangest." Wie in unsrer Zeit Gottes Gebote vielfach vernachlässigt werden, so ist auch Bieten die Pflicht des Zehnrengebcns abhanden gekommen. Mögen diese Worte dazu beitragen, diese große, erhabene, schöne Pflicht in Erinnerung zu bringen und ans Herz zu legen. Jur Heschichte der Keformbewegung im Zudenthum. (Fortsetzung.) 8. Dieser Aufsatz ift nickt gedruckt worden; wir bedauern den Verlust desselben aus historischem Interesse, doch ist das Begleitschreiben, welches ein Licht auf die Tagebuch-Notiz wirst, uns aufbewahrt geblieben, und rheilen wir dasselbe ausführlich mit, weil uns jede Zeile die richtige Antwort auf die Frage zu geben im Stande ist, ob wohl solche Waffen für die Reform aus der Schmiede einer Gesinnung, die für Inden und Indenthum begeistert ift und Inden und Jndenthum liebt, hervorgehen? Bonn. 16. Jan. 1830. „An Hofrath Paulus in Heidelberg! .. vochwürdiger. hochwohlgeborener Herr! die Neberzeugung, das' nur eine wahre. vernunttgemasre, religiöse Bildung das <ylüet einer «Gemeinde gründen, daft diese nur durch Anregung und tranige Förderung der <^clstticheu ^tatt ftitbeit könne, ha: mich stets so durchdrungen, das? ich in allen Lagen meines Lebens an: diejenigen unter meinen «vianbensgenossen, die theils