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Der Israelit · 1879-08-06 · Heft 32 (6.8.1879) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 32 (6.8.1879)
Date
1879-08-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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853 junge Mann, „darf ich hoffen? darf ich? — Ich weiß nicht, ob Sie Vermögen besitzen — doch gleichviel, meine Verhältnisse sindderart, auch größern Ansprüchen genügen zu können." „Ich besitze keinerlei Vermögen", sprach Jakobine endlich leise „und so sehr ich mich durch Ihren Antrag geehrt fühle, so halte ich mich verpflichtet, Ihnen mitzutheilen. daß ich als bezahlte Gesellschafterin der Mrs. Gvldsmith von dem mir gewährten Gebalt meine Bedürfnisse bestreite." Ein glückliches Lächeln erhellte das ausdrucksvolle Gesicht des jungen Mannes. „Um so besser!" rief er, „ich habe genug für uns Beide." „Nein, nein", stammelte sie, „Sie müssen zuvor Alles wissen." „Alles wissen — das klingt sehr mysteriös. Aber, o Miß Lenz, sagen Sie nur vor Allem ja und dann können Sie mir Alles sagen." Sie aber schüttelte abwehrend' das Haupt. „Nein", sprach sie, „ich kann und darf Ihr hochherziges Vertrauen nicht mißbrauchen, Sie müssen wißen, wem Sie Ihre Hand und Ihren makellosen Namen bieten." „O, das weiß ich!" rief er feurig, „dem schönsten , edetstcn Mädchen, das je die Sonne beschienen." „Und wenn nun aber an Derjenigen, die Ihnen als die Schönste und Edelste erscheint, dennoch ein Makel haftet? — „Was?" fuhr er auf. „wollen Sie mich glauben machen, daß der unschuldsvolle Ausdruck in Ihren engclgleichen Zügen nichts als Trug? —" „Nein", erwicderte sie erglühend, indem sie das Antlitz hob und fest und voll ihm in das Auge schaute. „Das, was man gewöhnlich unschuldig nennt, das bin ich allerdings — dennoch habe ich einst schwer gefehlt." „Und wer könnte, wer wollte von sich behaupten, nie gefehlt zu haben? „Spannen Sie mich nicht länger auf die Folter", rief er mit ausbrechendem Ungestüm. „Nehmen Sie meinen Antrag an. — Sie kennen meine Gefühle, und der jähe Farbenwechsel in Ihrem holden Angesicht, der feuchte Glanz in Ihrem Auge, Alles das laßt mich hoffen, daß Sie meine Gefühle erwiedern — und dennoch dieses Zögern —" „Ich zögere um Ihretwillen und um meinetwillen — ich kann und darf mich unter falschem Namen nicht verloben. Sie müssen zuvor Alles wissen — halten Sie dann Ihren Antrag noch aufrecht, so werde ich darauf antworten." „Nun, so reden Sie rasch, ich bitte Sie um Gottes willen — und nehmen Sie tm Vornherein die Versicherung, daß ich unter allen Verhältnissen meinen Antrag aufrecht erhalte. — Es ist Ihre Zukunft, um die ich zu Ihnen flehe — nicht Ihre Vergangenheit." Sie schüttelte leise das Haupt. „Sie können die Zukunft nicht so unbedingt von der Vergangenheit trennen." Er machte eine ungeduldige Bewegung, sie fuhr rasch fort. „Zweierlei ist's, was ich Ihnen mitzutheilen mich verpflichtet halte — das erste betrifft eine wirkliche Schuld meinerseits —" „Und die ist?" stieß er hastig hervor. Sie zögerte einige Augenblicke, dann aber sprach sie entschlossen, doch mit vor Erregung bebender Stimme: „Ich war ein zwölfjähriges Kind — hatte wenig Kenntniß von der Religion, in der ich geboren — und ließ durch einen christlichen Geistlichen mich verleiten, den Glauben, den ich kaum kannte, abzuschwören und zur christlichen Religion überzutreten. — Erst nach vielen Jahren erkannte ich meine schwere Schuld und erst hier in New- Iork bin ich wieder zurückgetreten zu unserm heiligen Glauben —" Ihr Blick haftete am Boden, so war es ihr unmöglich, den Ausdruck feines Angesichtes zu gewahren — aber feine Stimme war tief ernst als er erwiederte: „Sie sind zurückgetreten, sind wieder Jüdin und werden es ewig bleiben. Ich halte meinen Antrag aufrecht." „Ich bin noch nicht zu Ende", fiel sie ein. „Die andere Angelegenheit betrifft zwar nicht eine wirkliche Schuld meinerseits — dennoch hat dieselbe einen Makel auf meinem Namen zurückgelaffen. — Durch eine mir noch heute unerklärliche Verkettung von Umständen ist es nämlich meinem Feinde gelungen. den Schein von Schuld — von einem ganz gemeinen Diebstahl auf mich zu laden. — Ich ward verhaftet — ohne Möglichkeit meine Unschuld zu beweisen, mußte ich eine Verurtheilung gewärtigen. — Mit Hilfe einer Freundin entfloh ich und fand unter fremden Namen in Mrs. Goldsmith väterlichem Hause eine Zuflucht. — Und bis heute ist es mir noch nicht gelungen, den auf mir lastenden Verdacht abzuwälzen. —" „Und das — das sollte meinen Entschluß wankend machen? — O wie gering urtheilen Sie von meiner Liebe. Miß Lenz — Margareth — ich weiß nun Alles, wie Sie es nennen — und dennoch flehe ich zu Ihnen: nehmen Sie meinen Antrag, nehmen Sie meine Hand an." Er hielt die ausgestreckte Rechte ihr entgegen und blickte flehend zu ihr hinüber. Und wie be-

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