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Der Israelit · 1879-08-06 · Heft 32 (6.8.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 32 (6.8.1879)
Date
1879-08-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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848 Graf Ulrich von Rappoltstein hatte während deS Aufstandes feine Gemahlin und seine Kinder nach der festen Burg HohenlandSberg geschickt; jetzt, nachdem das Land beruhigt, kehrte die Gräfin, Anna Alexandria, eine geborene Gräfin Fürstenberg, zu ihrem Gatten nach RappoltSweiler zurück. Sie sah den unglücklichen Gerhard Dixinger am Baume hängen. Boll Mitleid ließ sie den Wagen halten. „Eilt Euch", rief sie den Dienern zu. „schneidet den Unglücklichen ab; er bewegt sich noch!" Die Diener thaten, wie ihnen befohlen wurde. Wenige Secunden nachher, lag Gerhard Dixinger auf dem Rasen und schlug die Augen auf. Man stärkte und erquickte ihn, so gut es ging. Die Gräfin reichte ihm ein Goldstück. „Flieht", sprach sie, „flieht außer Landes; gebt zur Armee des Kaisers nach Italien." — Der vom Tode Gerettete blickte die edle Frau dankbar an; zu sprechen vermochte er noch nicht. Die Gräfin stieg wieder in den Wagen und fetzte ihre Reise fort. Auch Herr Friedrich Prechter von Hochfelden setzte seinen Zug fort, überall Rache nehmend an den Bauern, an Schuldigen und Unschuldigen; so zog er hin und her, je nach Gefallen raubend und mordend. Die Bauern aus dem Urbisthal hatten die Abtei Pairis zerstört, das Gold und Silber geraubt. das Bleidach abgerissen und das Blei dem Juden Ahron von Urbis verkauft. Jetzt kam Herr Friedrich Prechter und hielt blutig Gericht. Auch der Jude Ahron wurde eingezogen; es war allerdings wahr; er hatte den Bauern das geraubte Blei abgekauft; doch hatte er sich dessen weigern gedurft? Jetzt aber galt keine Ausrede, keine Verteidigung. Ahron von Urbis war Wittwer; er hatte eine einzige Tochter; B^rachah hieß sie. Berachah galt für das schönste Mädchen im ganzen Elsaß; sie war mit Mordechai, ihres Nachbars Sohn, verlobt. Als sie hörte, daß ihres Vaters Leben bedrohte sei, eilte sie herbei und warf sich dem Ritter Prechter zu Füßen, um Gnade für ihren unglücklichen Vater flehend. Herr Friedrich war kein Jüngling mehr; er war verheirathet; seine Gemahlin. Frau Ursula, eine geborene Freiin von Düntzenheim. hatte ihm fünf Kinder geschenkt. Trotzdem war Herr Friedrich nicht gleichgiltig gegen Frauenschönheit. Als das schöne Mädchen, weinend und flehend zu seinen Füßen lag, entbrannte sein Herz in unlauterer Liebe. „Gut", sprach er, „Deinem Vater will das Leben schenken. Du aber bleibst mein stat seiner " Er übergab die Jammernde und Sichstreubend zweien Dienern und befahl, sie nach seinem Schlo Hochfelden zu bringen; denn seine Familie wohn in Hagenau. Ahron wurde seiner Haft entlassen. Als de Unglückliche vom Raube seiner Tochter hörte, wa sein Jammer grenzenlos. rief er, „wäre ich doch lieber gestorben Mein Kind, mein armes, unglückliches Kind!" An der Pforte des Gefängnisses erwarte ihn Mordechai, der Bräutigam seiner Tochter. „Vater", unterbrach er den Jammernden, „da Weinen und Lamentiren hilft nichts! Laßt un lieber an die Rettung der Geraubten denken!" „„Was sollen, was können wir thun? Solle wir zum Kaiser nach Hispanicn oder zum Erz Herzog nach Oesterreich wandern und uns klagen?"" „Nein, aber nach Hagenau wollen wir geh und den kaiserlichen Landvogt in unterm Elsa Herrn Kaspar von Morsperg, um seinen Schu anflehen. Der Vater Mordechai's trat hinzu. „Geht nach Rosheim", sagte er, „zu Rabl Joselmann; wenn der nicht helfen kann, so ver mags kein Mensch." be ( ii 6 Die beiden Männer, Ahron und Mordechai folgten dem Rathe; sie wanderten Tag und Nach! bis sie nach Rosheim kamen. Rabbi Joselman ($ empfing sie gütig und ließ den Erschöpften Spei! sj und Trank vorsetzen. ß „Das ist ein schlimmer Handel", sagte er nachdem die Beiden ihm ihr Anliegen vorgebracb hatten. „Herr Friedrich Prechter von Hochfelde! ist kaiserlicher Rath und Mitglied der Ncgierm > zu Hagenau; der Schultheiß, Herr Wolf Wilheli > von Andlaw und die Schöffen der Kaiserliche ) Negierung sind seine intimsten Freunde. Was kan j Herr Kaspar von Morsperg gegen diese Alle aus £ richten, selbst wenn er geneigt dazu wäre? Ir ) dessen bleibt hier. Was sich thun läßt — ich wi > es versuchen. Möge uns der Allgütige seine Beistand dazu verleihen!" (Fortsetzung folgt) i r Hierzu drei Beilagen. — Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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