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Der Israelit · 1879-08-06 · Heft 32 (6.8.1879) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 32 (6.8.1879)
Date
1879-08-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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846 fache geworden, sondern überhaupt der Gemeindezwang selbst zu unterliegen scheint, indem das Gericht wenigstens iu erster Instanz die Pflicht der Gemeinde beizutreten verneint hat, wo aber trotzdem der finanzielle Bestand der Gemeinde vollständig sicher gestellt ist, war man so unduldsam die Dienstboten der Ausgetretenen von der Aufnahme in das Gemcindehofpital auszuschließen. Es ist gerechtfertigt, wenn die Gemeinde ihren Mitgliedern, eine geringere Verpflegungsgebühr berechnet als Nichtmitgliedern, von diesen letzteren vielmehr den Ersatz der vollen Kosten verlangt, allein es ist nicht jüdisch, ja nicht menschlich, gewissen Categvrien die Aufnahme ganz zu versagen. Die Ausgetretenen bedürfen in keiner Wej/e des Gemeindehospitals, die Georgine Sara von Rothschild'sche Hospitalstiftung leistet ihnen dasselbe und mehr als das Gemeü de-Hospital, einen practischen Werth hat daher diese Versagung nicht, allein immerhin bleibt es betrübend zu bemerken, daß an die Stelle des Glaubens- oder Unglaubensfanatismus der Gemeindefanatismus getreten und daß dieser Letztere nicht der mindest schlimme ist. In der Bürgerschaft wie in der Stadtverordnetenversammlung ist wiederholt und mit Recht angeregt worden, daß den christlichen Dienstboten jüdischer Dienstherren die gleiche Aufnahmeberechtigung in die christl. Hofpitalstiftungen gebühre, wie den Dienstboten christlicher Dienstherren. Von den dieser Körperschaft angehörenden Mitgliedern des Gemeinoevorstands ist ein desfallsiger Antrag wiederholt unterstützt worden, um so bedauerlicher ist es, daß diese zu einer ähnlichen Duldsamkeit im eigenen Hause sich nicht haben entschließen können. Es wäre erwünscht zu hören, wie die Redaction der „Wochenschrift" diese Angelegenheit beurtheilt, um jo mehr als es sich nur darum handelt zu sehen, in wie weit die Austrittsgegner sich zu einer unbefangenen Beurtheilung der durch den Austritt auftauchenden Fragen zu erheben vermögen.*) Trier. Die Confusion in der hiesigen Gemeinde, von welcher der hier mit sehr großem Beifall aufgenommene Aufsatz „Die Vorgänge in Trier" schon berichtete, hat durch den allerneuesten Beschluß des Repräsentanten - Collegiums seinen Höhepunkt erreicht. Bekanntlich traten die Mitglieder der nunmehrigen Religionsgesellschaft deshalb aus der Gemeinde, weil ihnen partout ein *i -Hum. der Jteb. Unser geehrter Herr Korrespondent hat, wie er nns inittheilt, mir ausnahmsweise eine Nummer der „Lochenschrist" gelesen; sonst würde er wissen, wie dieselbe in solchen Fällen nrtheilt. r'ogik und tionsequen; iind den Herren Breslauern voUständig abhanden getommen; oder jie haben sie vielmehr niemals besessen.! „Breslauer" aufoctroyirt werden sollte. Der Rab- | biner der Religionsgesellsckaft, Herr Dr. Ehrmann,; traf am Mittwoch den -V. Juli hier ein, und am! Donnerstag den 31. wurde von den Repräsentan-! ten, Herr Dr. Holländer, Rabbiner zu Wreschen, j Schüler des Herrn Dr. Hildesheimer. zum Rab- > biner der Gemeinde gewählt. Herr Rabbiner Dr. Ehrmann hat alle Ursache auf diesen glänzenden Erfolg stolz zu sein. Hat doch sein bloßes Erscheinen zu Wege gebracht, was alles Pelitioniren und selbst der Massenaustritt der angesehensten Gemeindemitglieder nicht zu erreichen vermochte. Möge diese einzig dastehende Errungenschaft, mit welcher unser Herr Rabbiner sein Wirker', inaugurirte, ein günstiges Omen für seine weitere Thütigkeit sein. — Der Vorstand hat denn auch bereits am Sonntag den 3. d. M. die Wahl bestätigt, und so haben wir jetzt das Glück, statt eines Breslauers, zwei gesetzestreue Rabbincn hier wirken zu sehen, falls Herr Dr. Holländer die Wahl annimmt. Letzteres wird aber hier immer noch bezweifelt. Der angesehenste Theil der Gemeinde ist ausgetreten, derselbe rcpräsentirt fast tO% des Steuercapitals. Die Rumpf-Gemeinde mußte das Gehalt ihres zu wählenden Rabbiners hierdurch bedeutend reduciren, auch bewilligte der Vorstand nur eine Anstellungsfrist von 3 Jahren. Die Stellung des Herrn Dr. Holländer dürfte hierdurch eine sehr precäre werden, zumal er es mit ncologen Elementen zu thun hat, die ihn nicht aus Sympathie, sondern gegen ihren, lange Zeit eigensinnig festgehaltenen Willen gewählt haben, durch den Drang der Verhältnisse dazu gezwungen. Wie sich die Dinge aber auch gestalten mögen, das Ereigniß steht in den Annalen des modernen jüdischen Gememdelebens einzig da. Circa 50 Candidaten bewerben sich um die hiesige Rabbinerstelle. Sechs Breslauer werden auf die engere Wahl gesetzt, und 2 gesetzestrcue Rabbiner werden gewählt! Was wird die Magdeburger Pythia des Breslauer RabbinerthumS dazu sagen? Mainz, 5 August. Um das etwaige Mißverständniß zu verhüten, Herr Landrabbiner Dr. Krön er habe einem Juden eine Christin zur Ehe empfahlen, wollen wir hiemit ausdrücklich bervvrheben, daß Herr Dr. Kr. die Offerte in der Vermuthung absandte, daß etwa der im „Israelit" eine Lebensgefährtin Suchende Christ sei. Wir brauchen wohl nicht erst zu sagen, daß auch dieses nach jüdischem Gesetze nicht gestattet ist.

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