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Der Israelit · 1879-08-06 · Heft 32 (6.8.1879) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 32 (6.8.1879)
Date
1879-08-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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842 Allmächtige, bedarf unser nicht und nicht unsres Thuns und Wirkens; Er hat uns zu unsrem eignen Heile Sein heilig Gesetz gegeben und fordert keine andere Erkenntlichkeit von uns, als daß wir uns glücklich fühlen in der Uebung Seiner erhabenen Gebote, und dafür belohnt Er schon in dieser Welt. Wenn wir nun in der Lage sind. irgend ein großes Gottesgebot zu erfüllen, so ist die Freude daran etwas Natürliches und nicht eben besonders verdienstlich. Wenn wir zum Beispiel mit schweren Opfern ein prachtvolles Gotteshaus gebaut haben, so ist die Freude an der Vollendung und Einweihung desselben selbstverständlich; ebenso wenn wir in vielen mühevollen Tagen und Nächten das Studium einer Maßechta vollendet haben; oder so Jemand seine Kinder sorgfältig erzogen und sie nunmehr freudevoll zur Chuppah geleitet; in diesen und in ähnlichen Fällen ist die Freude an der Mizwah etwas Selbstverständliches. Wenn aber Jemand von wahrhafter und echter Liebe zu Gott beseelt ist, so wird er auch die kleinste und oft wiederkehrende Mizwah mit wahrhafter Herzensfreude üben, so wird er jede Berachah freudvoll sprechen, so wird er jedesmal in Heller Freude sich zum Gebete stellen, so wird er mit Freude die Gabe den Armen reichen, so wird er voll Freude sich in das Thallis hüllen, mit dem Tefillin- Schmuck schmücken, so wird er, froh des zu erfüllenden Gottesgebotes, die Mesuso'.h an die Pfosten seiner Thüren schlagen. nnotf jufr} fcOx rpm px .pyo^n 2pp n\-n „in dem Ausdruck, wehajah" liegt der Begriff der Freude (während v.'i und namentlich vn etwas Schmerzliches andeutet), „wenn Ihr mit Freude selbst die gering erscheinenden Mizwoth üben werdet, dann wird Gott Euch schon in dieser Welt segnen mit Gesundheit, Reichthum und allen Gütern dieser Erde, während der Lohn für die Uebung der Gottesgebote aufbewahrt bleibt für die zukünftige Welt. Zur Geschichte der Aeformbewegung im Zudenthum. 8. Wenn Jemand sich an die Bearbeitung der Geschichte der Judenheit der letzten 50 Jahre machen wollte, so wird ihm ein Werk willkommenes Material zu einer unparteiischen und richtigen Würdigung der Rcformbewegung in dieser Zeit liefern, das gewiß nicht in der Absicht herausgegeben ist, die Reform und ihre Träger in Bezug auf dieselbe zu discreditiren, nichtsdestoweniger aber unbewußt ein verurtheilendes Verbiet über dieselben fällt, wie es nicht schärfer der principielle Gegner fällen könnte. Es sind ein Theil der Briefe Abraham Geiger'S, die uns vorliegen, welche, von dessen Sohn herausgegeben, so zusammengestellt und mit Bemerkungen versehen sind, daß fia als Biographie Geiger's gelten sollen.*) Gewiß liefern uns Briefe die beste und unparteiischste Biographie eines Mannes, in Briefen offenbaren sich die Regungen des innersten Seelenlebens, die geheimsten Gedanken finden hier Ausdruck, die Persönlichkeit ist weder durch Gunst oder Ungunst des Biographen zum Vortheil oder Nachtheil entstellt und darum ist uns gerade diese Briefsammlung so willkommen, da wir durch dieselbe einen wahren Einblick in diejenige Bewegung erlangen, die, wie es die Briefe uns eben enthüllen, auf nichts weniger als auf die Vernichtung des Judenthums gerichtet war, an dessen Stelle eine neue Kirche unter hierarchischer Leitung treten sollt«'. Wir ersehen aus diesen Briefen, wie Recht jene Männer hatten, die den schönklingenden Worten, daß man den Kern des Judenthums nicht antasten wolle, nicht trauten, sondern in Entschiedenheit schon den Anfängen Widerstand leisteten. Sehen wir aber einerseits, was man gewollt und vergleichen damit, wie selbst die Leiter jener Bewegung über den Mißerfolg verstimmt sind, welcher Stimmung sie zwar nur im Gedankenaustausch unter vertrauten Freunden Ausdruck geben: so darf dieses Fiasko uns für die Zukunft mit Vertrauen erfüllen, und wer nicht schon den Glauben an die Unverwüstbarkeit des Judenthums in sich trüge, der müßte durch die Geschichte, die uns die vorliegenden Briefe, ohne es zu wollen, lehren, und denen man gewiß nicht Parteifärbung zu Gunsten des Bestehenden vorwerfen kann, von derselben überzeugt werden. Und doch verbreiten diese Briefe noch nicht vollständiges Licht über die Bewegung der Reform und deren Hauptträger, denn nicht alle Briefe sind herausgegeben, und gewiß hat die Unterdrückung derselben ihre guten Gründe gehabt; aber auch diese ausgelesene Briefsammlung läßt uns hinlänglich erkennen, wie sehr die Tonangebenden im Finstern tappten, und daß den bedeutendsten und fleißigsten Kämpfer der Reform nicht die Liebe zum Judenthum für seine Agitation beseelte, sondern die Selbstliebe, die ihn zuletzt mit allen Freunden entzweite, und ein Haß gegen den Talmud und dessen Vertreter, welchen man nur bei den ärgsten nichtjüdischen Judenfeinden gewohnt ist. Den Briefen ist G.'s Tagebuch, begonnen Ende * i Abraham feiger'?, Leben in Briefen. Herausgeg. von Lndw. rLeiger. Berlin 1378. p Berschel. > XII. n. 887 B. 8".

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