Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1879)
- Date
- 1879-07-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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823 t i c t t t c c. s nennen seinen Namen: Dr. W. Joseffy! — Joseffy? Der Name war uns allerdings nicht so ganz unbekannt, allein unser Joseffy kann doch wohl nicht ein reicher, mächtiger und berühmter Wiener Rabbi, den Juden wie Christen wegen seiner Rechtschaffenheit und Gelehrsamkeit hochachteten, gewesen sein. Der Joseffy, den wir hier in Wien einmal flüchtig gesprochen haben, war erstens nicht Rabbiner, sondern umgekehrt ein vom Vorstande weder besoldeter noch bestätigter Privatschullehrer bei einem kleinen Betvereine in der Vorstadt Mariahilf, dem nach unseren Gesetzen die Vornahme jeder rabbinischen Functionen, alS: Trauungen, Ehescheidungen, Ausstellung staatSgiltiger Religionszeugniffe und Matrikenscheine strengstens untersagt ist. Ebensowenig kann dieser Joseffy auf Reichthümer zu Gunsten des Christenthums verzichtet haben, da er lange noch als Jude unter dem Vorwände, Unterstützung für seinen der Musik sich widmenden Sohn zu erlangen, in optima forma — betteln ging, was sonst nicht zu den Privatpassionen begüterter Juden gehört. Zur Satisfaction der Wiener Judengemeinde, der auch ich als Mitglied anzugehören die Ehre habe, sehe ich mich daher zu folgenden öffentlichen Erklärungen, deren Inhalt ich nöthigen Falles auch mit glaubwürdigen Documenten zu erhärten in der Lage bin, veranlaßt: 1. Es hat niemals einen Mann Namens Dr. Joseffy gegeben, der in Wien Rabbiner oder Rabbinatsassessor oder öffentlicher und von der hiezu competenten Autorität anerkannter isr. Religionslehrer gewesen wäre. Wenn daher ein Dr. Joseffy in London seiner vormaligen rabbinischen Würde in Wien sich rühmt«, so hat er wissentlich gelogen, gleichviel ob der Londoner Dr. Joseffy mit jenem kläglichen Individuum, das hier in Wien sich Herumtrieb, identisch, oder von diesem verschieden ist. 2. Aber der Londoner Dr. Joseffy soll ein Zeugniß von dem „Vorstande" einer Wiener Jsraelitengemeinde producirt haben, in welchem ihm seine Amtsthätigkeit als jüdischer Geistlicher bestätiget und die Zufriedenheit des sogenannten Vorstandes ausgedrückt wird. Darauf hin erklären wir weiteres der Wahrheit gemäß, daß es in Wien nur ein einziges Vorstandscollegium der jüdischen Cultusgemeinde gibt, und zu dem Verbände der Letzteren sämmtliche in der Stadt, wie in den Vorstädten wohnenden Israeliten gehören. Wenn daher ein Dr. Joseffy wirklich im Besitze eines Zeugnisses von vorerwähntem Inhalte ist, und dasselbe von einem Eultusvorstande gefertigt wäre, so haben die Unterzeichner des bezüglichen Documentes sich einen Titel usurpirt, der ihnen nicht zukam. Auf dießfällig von uns in der Vorstadt „Mariahilf" angestellte Recherchen erfuhren wir, daß einige daselbst ansässige Mitglieder der Wiener Cultusgemeinde, um ihrem Andachtsbedürfnisse zu genügen, sich eine Betstube mietheten, und vor etwa 18 Jahren ein zugereistes Individuum, Namens Joseffy, als Privatexhortator einige Monate in Verwendung hatten. Dieses Individuum , das aber aus bisher uns noch nicht genug aufgeklärten Gründen sehr lebhafte Antipathien unter den vorstädtischen Juden erregte, verschwand ebenso unbemerkt von dem Schauplatze dieses seines Wirkens, als es unbeachtet dahin gerathen war. (Neuzeit.) England. London. Die Vereinigung der englischen Juden (Anglo-Jewish-Association) hat der Kaiserin Eugenie eine Beileidsadreffe übersandt. Baron Henry de WormS, welcher die Anregung zu der Adresse gab, hob bei der Gelegenheit hervor, daß die Juden der Familie Bonaparte manche ihrer Freiheiten verdankten, denn es sei Napoleon I. gewesen, welcher die Ghettos in ganz Europa abgeschafft. Fevlllet»«. Jakobine. Ein Lebensbild. Von Jriedrich Hlott XL. Jakobine lachte laut auf, sie nahm die Behauptung des alten Herrn für Scherz, mit dem er ihre momentane Verstimmung verscheuchen wollte. „Das macht der prächtige Vollbart", flüsterte sie lachend, „wenn ich als Kind mich verkleiden wollte, pflegte ich meine Haare unter dem Kinn zusammenzuknüpfen unt> als Bart zu bezeichnen. Wenn ich das heute thäte, würden Sie mich am Ende mit Mr. Green verwechseln." „Versuchen Sie", stimmte Mr. Goldsmith heiter bei, „es würde mich in der That interessiren. Miß Lenz als Barbarossa! — Aber, weiß der Himmel, Miß, Sie sehen ihm ähnlich." Jakobine brach von Neuem in herzliches Lachen aus. sie wollte mit Gewalt ihre sentimentale Stimmung abschütteln.