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Der Israelit · 1879-07-30 · Heft 31 (30.7.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 31 (30.7.1879)
Date
1879-07-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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820 Bürger sie gewaltsam hinaus; sie alle, Männer, Frauen und Kinder, an dreihundert Personen, wurden auf den Marktplatz geschleppt, wo die bewaffneten Bauern eine Gasse bildeten; die Unglücklichen sollten durch die Spieße lausen. Schon zerrte man einen ehrwürdigen Greis mit weißem Barte an die Gasse, da sprengte ein Reiter auf den Marktplatz und rief mit donnernder Stimme den Bauern ein Halt zu. Es war Rabbi Joselmann. Er sprang vom Pferde und lief auf Wolf Wagner los. „Hauptmann", rief, „warum haltet Ihr nicht die Beschlüsse von Altdorf? D art doch auch Ihr zugegen, als ich in der Kapelle Schutz für meine Brüder verlangte!" „Pah", sagte der Hauptmann, „den Juden braucht man nicht Wort zu halten!" „»Ihr werdet's noch erfahren, Herr, wie schlecht Eure Rede ijt. Wie würde es Euch gefallen, Hauptmann, wenn man sagen würde: den Bauern braucht man nicht Wort zu halten." Wolf Wagner lachte. „Wollt Ihr sie lösen, die Jndenseelen", sagte er — „sie sind mir feil; für fünf Goldgulden die Seele sollen sie Euer sein." „„Nicht doch"", entgegnete Rabbi Joselmann, „„Ihr habt kein Recht, sie zu verkaufen. Doch, wollt Ihr von mir ein Geschenk von 400 Goldgulden annehmen."" „Nun, meinetwegen! Laßt die Juden laufen, Leute!" Die geängstigten Juden wurden freigegeben, und sie kehrten iu ihre ausgeraubten uud halbzerstörten Hütten zurück. Rabbi Joselmann begab sich in die Synagoge, wo die zrrissenen Thora-Rollen umherlagen; einige Israeliten von Bergheim folgten ihm dahin. Unter Thränen sammelten sie die geschändeten Heiligthümer und bargen sie in dem heiligen Schrein, um sie in ruhigerer Zeit wieder herzustellen oder, wenn dies nicht möglich, sie zu vergraben. Das Wort Rabbi Joselmanns, das er dem Anführer der Bauern, Wolf Wagner, entgegengeschleudert hatte, sollte sich sehr bald erfüllen. Herzog Anton von Lothringen, aus dem Geschlechte der Guise, zog gegen die aufständischen Bauern im Elsaß; er hatte ein Heer von 30,000 Mann zusammengebracht. Bei dem Flecken Lupfstein , drei Stunden von Zabern, stieß er auf einen Haufen von 6000 Bauern, die sich in dem Flecken verschanzten. Der Herzog ließ den Ort anzünden, die darinnen blieben, verbrannten; was herauslief, wurde niedergeftochen. Das Hauptheer der Bauern hatte sich nach Zabern gezogen. Aber sie konnten sich gegen den Herzog nicht halten, zogen die Friedensfahne auf, und der Herzog gewährte ihnen freien Abzug, doch ohne Waffen Beladen mit ihrer großen Beute zogen die Bauern zum Thore hinaus durch die Reihen der Lothringischen Landsknechte. Diese aber gelüsteten nach dem reichen Gute der Bauern. „Schlagt drein" , riefen sie, „die Bauern sind Ketzer; man braucht ihnen nicht Wort zu halten!" Die Verathenen wollten in die Stadt zurückcilen, um ihre Waffen zu gewinnen Aber die Landsknechte verfolgten sie und richteten ein schreckliches Gemetzel an; sie drangen mit den Bauern zugleich in die Stadt und machten die Wehrlosen nieder. Alle Straßen und Häuser schwammen im Blute der Bauern. So mußten sie die Untreue büßen, die sie den Juden erwiesen hatten. — Bald darauf wurden die andern Haufen der Elsässer Bauern von den Lothringern geschlagen; in der Ebene zwischen Scherweiler und Kestenholz bedeckten 5000 erschlagene Bauern das Schlachtfeld. Die Uebrigen entflohen und kehrten in ihre Häuser zurück. Damit hatte der Bauernaufstand in Elsaß sein Ende erreicht. Auch in den übrigen deutschen Landen, in Schwaben, in Thüringen, in Franken, am ganzen Rhein wurden die Bauern niedergeworsen. Ihr Prophet, Thomas Münzer, wurde bei Franken- Hausen geschlagen, gefangen, und auf schreckliche Weise Hingerichtete „Sie gedachten uns", erzählt Rabbi Joselmann in seinem Tagebuche, „lebendig zu verschlingen, und schon hatten sie den Anfang damit gemacht, als ich durch die Gnade Gottes in der Abtei Altdors ihnen Herzen redete und alle Häupter der Verschwörung zu Gunsten der Juden stimmte. Und wenn sie auch später ihr Versprechen nicht hielten und ihre Wuth gegen die Juden ausließen, so blieb ihnen doch dazu wenig Zeit mehr; denn hier im Elsaß kam der Herzog von Lothringen über sie und richtete sie zu Grunde; auch in den andern Ländern wurden sie erschlagen und ertränkt zu Tausenden und Myriaden. Gelobt sei Gott, der uns aus ihrer Hand und von ihren bösen Plänen errettet hat; so möge er uns fürder erretten!" (Ende des I. Buches.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redactton: Or. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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