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Der Israelit · 1879-07-30 · Heft 31 (30.7.1879) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 31 (30.7.1879)
Date
1879-07-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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d i. n Feuilleton. i\ d n i( n rlrf ic a ie u U 11 t; d ei* -8 >d!U 1« 1l-!t. i: id r, »« st. ig er te »g Kabbi Joselmann von Uosheim. Eine historische Erzählung. LTV. Wohl niemals in seinem thatenreichen Leben hat Rabbi Joselmann seinen Glaubensgenossen einen so großartigen Dienst erwiesen wie durch seine Verwendung bei den Häuptern der aufständischen Bauern. Bald nachher brach die Verschwörung in den verschiedensten Gegenden aus, furchtbar, entsetzlich, grauenerregend. Alle Unbill, die die Bauern von ihren Peinigern erduldet hatten, wurde auf die grausamste Weise gerächt. Als die aufständischen Bauern Weinsberg erobert hatten, beschlossen sie, die gefangenen Ritter, an ihrer Spitze den Grafen von Helfenstein, den Gemahl einer Tochter Kaiser Maximilians, durch die Spieße laufen zu lassen. Da kam die Gräfin von Helfenstein, die Kaisertochter, ihr zweijähriges Söhnlein auf den Armen, warf sich vor den Anführern der Bauern auf die Knie, hielt ihnen ihr Kind entgegen und bat flehentlich, dem Kleinen den Vater, ihr den Gatten zu lasten. Aber alle Macht ihrer Thränen, ihrer Schönheit rührte die Harten nicht. Da standen sie, und mancher mochte darunter stehen, der in diesem Augenblicke, da die Kaisertochter zu den Füßen der Bauern lag, nur dachte, wie arg und wie oft ihre Herren sie vor sich her gehetzt mit Hunden, wie Hunde, wie sie auf ihren durch Hunger und Frohnen abgemagerten Rücken die Peitsche erbarmungslos geschwungen; wie man sie umsonst hatte winseln lassen, wenn die Edelleute ihnen den Vater, Bruder oder Sohn wegen geringer Vergehen in die tiefsten Verließe hatte werfen lassen, wo die Unglücklichen ohne Speise und Trank verschmachteten und «ie die geängstigten Verwandten Nächte lang um die Thurmmauer hatten schleichen müffen, um die letzten Jammerrufe der Verschmachtenden zu hören, bis es still und stiller ward und die dort hinter de» dicken Mauern ihren Qualen erlegen waren. Die unmenschliche Behandlung hatte die Bauern zu Unmenschen gemacht Sie stießen die weinende Gräfin zurück, und Einer stach sogar mit seinem Spieß nach dem „kleinen Herrlein" auf ihrem Arm. Da standen die Bauern, die Spieße vor sich hinstreckend, eine Gaste bildend. Der gefangene Graf, mit Stricken gebunden, wurde herbeigeführt. Ein Musicus, der einst in des Grafen Diensten gestanden, nahm ihm den Hut mit der Feder vom er: „Habe ich Dir einst zu Tanz und zur Tafel gepfiffen, so will ich Dir jetzt den rechten Tanz pfeifen." Denn schritt er vor ihm her und blies lustig die Zinke bis an die Gaffe. Darauf wurde der Graf gegen die Spieße gestoßen. Als er gefallen war, verhöhnten und mißhandelten sie seinen Leichnam; die schwarze Hofmännin, ein Bauernweib, stach ihm ihr Messer in den Bauch und schmierte mit dem herauslaufenden Fette ihre Schuhe. „Da werden Weiber zu Hyänen „Und treiben mit Entsetzen Spott." Jäklein Rohrbach legte den Koller des Grafen an, trat vor die Gräfin und fragte, ob er ihr jetzt gefalle und sie ihn statt des Gemordeten zum Gemahl begehre. Man setzte die vor Schrecken und Betrübniß schier Vergehende sammt ihrem Kinde auf einen Mtstwagen und schickte sie nach Heilbronn. Spottend riefen sie ihr zu: „In einem goldenen Wagen bist Du in Weinsberg eingefahren, in einem Mistwagen fährst Du hinaus!" Und so wie in WeinSberg verfuhren die Bauern allerorten mit den Edelleuten und den Geistlichen. Wie wären sie erst mit den Juden verfahren, wenn nicht Rabbi JoselmannS weise Fürsorge jenen Schutzbrief in der Kapelle bei der Abtei Altdorf erlangt hätte! Er hatte viele Abschriften davon fertigen lassen, und wo ein Bauernaufstand losbrach, erschien alsobald sein Bote, der den Anführern die Beschlüsse von Altdorf mittheilte. „Freilich" erzählt Rabbi Joselmann in seinem Tagebuche, „nützte es nicht in allen Fällen; viele Gräuelthaten wurden von den Unmenschen auch an Juden vollzogen. Doch hatten die Beschlüsse von Altdorf die Gewalt der Wuth gedämpft, so daß keine allgemeine Judenschlacht daraus erwuchs." Im Elsaß hatte Wolf Wagner ein Heer von 14000 Bauern gesammelt; mit diesen zog er vor Berken (Bergheim). Die geangstigten Städter öffneten die Stadtthore; da fielen die Bauern über die Geistlichen her, tödteten sie und tranken ihren Wein aus. Dann überfielen sie die Juden, zerstörten ihre Häuser und raubten ihr Gut. Die geängstigten Juden flohen in die Synagoge und verrammelten die Thüre. Die Aufständischen erbrachen die Pforte, stürzten auf den heiligen Schrein los, rissen die Thora-Rollen heraus, zerfetzten sie und trieben allerlei Unfug damit. Unterdeß waren die Juden aus der Synagoge entflohen und hatten sich in den Häusern der Bürger verborgen. Da ließ Wolf Wagner unter Trommelschlag bekannt machen, daß jeder Bürger bei Leib- und LebenSstrafe die in den Häusern und Scheuern versteckt liegenden Juden ausliefern solle. Nun führten die

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