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Der Israelit · 1879-07-23 · Heft 30 (23.7.1879) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 30 (23.7.1879)
Date
1879-07-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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edoch in der Aufmerksamkeit gegen die Freundin derselben irgend welchen Zwang'aufzuerlegen. In dem ebenso komfortable als elegant eingerichteten Hause ward es sowohl Betti als Jakobine nicht allzu schwer sich heimisch zu fühlen. Mehrere Wochen waren verstrichen. Jakobine war zum Judenthum zurückgetreten. Die Freundinnen fühlten sich bereits ganz behaglich in ihrem neuen Heim, hatten zahlreiche Bekanntschaften gemacht, unter denen auch manche interessante, denn Mr. Goldsmith hatte ein offenes Haus und mit Jakobinens Beistand gelang es auch Betti, es in geeigneter Weise zu repräsentiren; doch war Erstere so recht eigentlich die Seele und der Mittelpunkt des Salons. JameS hatte seine gewöhnliche Geschäftsreise antreten müssen; trotzdem war es in dem Empfangsabend der Mrs. Goldsmith recht lebhaft in ihrem Salon. Betti hatte gute Nachrichten von ihrem Gatten erhalten und befand sich deßhalb in heiterster Stimmung, Jakobine war wie gewöhnlich an ihrer Seite und theilte mit ihr die Pflichten, die ihre Stellung als Wirthin ihr auferlegte, als Mr. Goldsmith sen. in Begleitung zweier Herren in's Zimmer trat. Nachdem er dieselben seiner Schwiegertochter vorgestellt, wandte er sich an Jakobine. „Miß Lenz, ich bitte Sie ebenfalls um Erlaubniß, Ihnen meine Freunde vorstellen zu dürfen. Mr. James Green, Mr. Arthur Kohn. Die Herren verneigten sich und mit unverholener Bewunderung ruhten die Blicke des als Arthur Kohn vorgestellten jungen Mannes auf dem reizende Mädchen ihm gegenüber und es währte nicht lange, so befanden sich beide in lebhafter Unterhaltung. Kohn, ebenfalls ein Deutscher, wußte seine Landsmannschaft mit ihr zur vollen Geltung zu bringen, denn er war ein geistvoller junger Mann von seltener Bildung und seine Unterhaltung so anregend wie Jakobine sie in den Kreisen, in denen sie sich jetzt bewegte, nur selten gefunden. Sein einnehmendes Aeußere vervollständigte den günstigen Eindruck seiner Persönlichkeit. Jakobine plauderte in ihrer gewöhnlichen heiter gewandten Weise. Doch plötzlich stockte sie und wandte sich hastig um und blickte wie gebannt auf Mr. Green, der sich mit der Dame des Hauses unterhielt und so eben über ein Scherzwort derselben hell auflachte. Was war das für ein Lachen? — Jakobine fuhr mit der Hand über die Stirn — war es ihr doch, als habe sie den treuen Freund ihrer Kinderjahre — ihren lieben guten Onkel Benjamin lachen gehört — und seltsam, je mehr sie auf Denjenigen blickte, dessen Lachen ihr so lebhaft ihren theuersten Verwandten in's Gedächtniß rief,» um so mehr wähnte sie, eine Art von Aehnlichkeit» zwischen beiden zu finden. Worin dieselbe bestand,» darüber war sie freilich sich selbst nicht ganz klar.» Mr. Green war ein hochgewachsener kräftiger» Mann, dessen frisches blühendes Gesicht, von einem« wohlgepflegten röthlich-blonden Bart umrahmt, in einer Art von Widerspruch zu stehen schien zu dem Haupthaar, dessen ursprünglich goldener Glanz, bereits stark durch Silberfäden gedämpft war. Ihr Onkel Benjamin hingegen war von schmächtiger Statur, sein bleiches Antlitz ward von tief schwarzem Bart und Haupthaar vortheilhaft gehoben und trotzdem hielt sie sich überzeugt, daß irgend ein Zug beiden eigenthümlich war, sie war nur nicht im Stande, denselben aufzufindem und schon war sie im Begriff, sich einzugestehen, daß sie sich getäuscht, als auf's Neue jenes seltsam melo-8 dische Lachen an ihr Ohr klang. » Sie fuhr zusammen, die Lippen fest aufein-» ander gepreßt, die Hände auf das heftig pochende 8 Herz gedrückt, saß sie einige Augenblicke wie» geistesabwesend da — hätte sie im Finstern jenes» Lachen vernommen, mit ausgebreiteten Armen wäre» sie hingestürzt, den treuen Freund ihrer Kindheit» zu umarmen. — Aber die Gasflammen brannten 8 hell, eine Täuschung war unmöglich. — Nein, nein, jener breitschulterige hochblonde Mann hatte keinen Zug gemeinsam mit Benjamin Grünfeld. — Nur jenes Lachen — jenes faScinirende Lachen — sie hätte es nicht für möglich gehalten, daß zwei einander fremde Menschen so zum Verwechseln ähnlich lachen könnten. Mr. Kohn bemühte sich umsonst, die Aufmerksamkeit des schönen geistreichen Mädchens auf's Neue zu erregen — es wollte ihm nicht gelingen. 8 Sie antwortete zerstreut, seine geistvollsten Apercü's k entlockten ihr kein Lächeln und mißmuthig zog erk sich endlich zurück. Sie schien es kaum zu be-t merken. 1 Ihr kühles theilnahmloses Benehmen hatte k ihn in der That verletzt. Ihre blendende Schön- 8 heit hatte auf das Herz des jungen Mannes einen 8 tiefen unauslöschlichen Eindruck gemacht, um so R tiefer, als er in der ersten halben Stunde ihrer i Unterhaltung sich bereits der Hoffnung ergeben 8 hatte, auch ihr Gefallen zu erregen. 8 „Was ist Ihnen, Miß Lenz?" fragte Mr. i Goldsmith, indem er sich in dem Fauteuil niederließ , den der erregte junge Mann unlängst verlassen. Jakobine fuhr erschrocken empor aus ihren Träumen und blickte mit einer an ihr nicht gewöhnlichen Verwirrung auf den alten Herrn. Mr. Goldsmith wiederholte seine theilnehmende Frage

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