Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1879)
- Date
- 1879-07-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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791 gesunden hat, daS Recht den betreffenden Candidaten zu inquiriren, und wehe ihm, wenn er nicht mit unzweideutigen Worten jeden positiven Glauben an Gott und die Thora abschwört, wenn er sich nicht verpflichtet, Alles, was nur an Judenthum und jüdische Geschichte erinnert, fürsorglich aus der Gemeinde auszumerzen! Die Herren Breslauer wissen sich ja sonst mit Verclausulirungen und Compromissen so gut zu helfen, indem sie mit der einen Hand preisgeben, was die andere genommen hat, daß man sich wundern muß, daß diese Herren hier keinen Boden finden. Aber Ihut nicht, der Krug der Gemeinde geht so lange zum Wasser, bis er — seinen Breslauer bekommt, und dann kann sich das jüdische Berlin von Neuem aratuliren; gerüttelt wird dann an den Institutionen gewiß nicht, d. h. es bleibt dann Alles bei den alten Neformbestrebungen des Vorstandes, der mit unglaublicher Willkür den gerechten und billigen Forderungen strenggläubiger Mitglieder sich verschließt und auf diesem Wege unumschränkter und ungezügelter Reformsucht, desto weiter fortschreitet, je weniger sich in den Kreisen Andersgesinnter wirklicher Muth zeigt, diesem aller Gerechtigkeit und Billigkeit Hohn sprechenden Gebühren entgegenzutreten. Hierüber vielleicht Näheres ein ander Mal. Feuilleton. Iakobine. Ein Lebensbild. Von Kriedrich Wott. XXXIX. Mr. Goldsmith, der Sohn eines der bedeutensten Maschinen-Fabrikanten in New-Jork und Teilhaber an dem Etablissement seines Vaters, war ein offener, biederer Charakter von ernst religiösem Sinn. Er war allerdings mehr tüchtiger Geschäftsmann als weltmännisch geschulter Gesellschafter , obgleich er einer tüchtigen Bildung sich erfreute; aber er wußte auch das feine gewandte Auftreten der Gesellschafterin seiner Frau zu schätzen, dasselbe hatte in gewisser Beziehung sogar besonder» Werth für ihn. Vor kaum einem halben Jahre hatte er das Unglück, seine Mutter zu verlieren, in der sein Vater nicht nur die treue Gattin, sondern auch, und darauf legte derselbe keinen geringen Werth, die würdevolle Repräsentantin seines Hauses ver- > loren. Mr. Goldsmith senior erwartete daher in! seiner Schwiegertochter nicht nur die liebende Ge-! fährtin seines Sohnes, sondern auch Diejenige, , die die Würde und den Glanz seines Hauses repräsentirte. James Goldfmith hielt jedoch wohl mit Recht Betti's einfaches anspruchloses Wesen wenig geeignet zu einer Repräsentation wie sein Vater sie wünschte und hoffte daher, in der aristokratisch gewandten Freundin seiner Frau eine Stütze für dieselbe gefunden zu haben. Weit mehr jedoch als diese äußeren Vorzüge lernte er in Jakobine ihren reinen festen Charakter achten, der die Verirrungen ihrer Kindheit vollständig abgestreift, denn mit unerschütterlichem Ernst und minutiöser Genauigkeit beobachtete sie die Gebote, die die Freundin sie gelehrt. Glück.ich und ohne Unfall ging die Reise vorüber. Betti hat schon seit einigen Tagen ihre vollständige Munterkeit wieder erlangt und entzückte den Gatten durch ihre hingebende Zärtlichkeit und durch ihr heiteres Vertrauen in die Zukunft an feiner Seite in dem von der Heimath so fernen Lande. Aber ihr Herz pochte doch, als sie nun, auf des Gatten Arm gestützt, zum ersten Mal den Fuß auf ihr neues Heimathland fetzte. — Auch Jakobine war mächtig erregt; schweigend folgte sie den Gatten. die von Mr. Goldsmith's Diener begrüßt einer Equipage zuschritten, die schon seit mehreren Stunden am Strande ihrer harrte. James befahl dem Diener, seine Reise- Effecten zu übernehmen und nachdem er Betti in den Wagen gehoben, bestand er darauf, daß auch Jakobine, die ihrer Stellung sich bewußt, in der ihr so eigenthümlichen stolzbescherdenen Anmuth zur Seite getreten war, vor ihm ihren Platz im Wagen einnehme. Mit inniger Vaterfreude empfing Mr. Goldsmith den heimkehrenden Sohn. der die Tochter ihm zuführte und drückte beide mit überströmender Zärtlichkeit wieder und wieder an sein übervolles Herz. Aber er beobachtete trotzdem die elegante Erscheinung der Dame, die das junge Ehepaar begleitete und begrüßte auch sie mit achtungsvoller Höflichkeit. James hatte sie ihm als intime Freundin seiner Frau bezeichnet und als er später nach dem ersten Rausch des Entzückens Betti's frische, anmuthige aber etwas unscheinbare Gestalt mit der hohen königlichen Haltung ihrer Freundin verglich, da ertappte sich der alte Herr auf den LVunsch, sein Sohn möchte die Freundin seiner Frau ihm als Schwiegertochter zugeführt haben. Doch gewissenhaft tadelte er sich wegen dieses unväterlichen Wunsches und verdoppelte feine Zärtlichkeit gegen die Gattin seines Sohnes, ohne sich