Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1879)
- Date
- 1879-07-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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793 und Jakobine suchte mit Gewalt jene seltsame Stimmung, die sie ergriffen hatte, zu bewältigen. Ihr war Nichts — gar Nichts — sie hatte nur im Augenblick der fernen Heimath gedacht. „Ah so Heimweh", lächelte Mr. Goldsmith, „nun ja freilich, das ist nicht zu verwundern — Sie haben die Heimath ja erst seit vier Monaten verlassen, doch mit der Zeit wird sich das schon geben. Und wer weiß, vielleicht finden Sie erst hier, in der neuen Welt, Ihre eigentliche Heimath. Aber Sie haben meiner Schwiegertochter in der Thal kein geringes Opfer gebracht. Miß, für eine junge Dame ist das keine Kleinigkeit, eine derartige Reise in solche Ferne —" „An der Seite der geliebten Freundin läßt sich das wohl nicht als Opfer betrachten", erwiederte Iakobine erröthend, „und überdieß, wenn von einem Opfer die Rede sein könnte, so hätte ich es doch einzig und allein mir selbst gebracht." „Und uns sämmtlich dadurch zu dauerndem Dank verpflichtet", entgegnete galant der alte Herr. „Aber sagen Sie mir doch, Miß Lenz", fuhr er nach kurzer Pause fort, „wie haben Ihnen meine Freunde gefallen? oder hat am Ende gar die Unterhaltung mit Ihrem Landsmann die Sehnsucht nach der Heimath in Ihnen erweckt?" „Die Unterhaltung mit meinem Landsmann?" fragte Jakobine zerstreut, „ist Mr. Green ein Deutscher?" „Das bezweifle ich", erwiederte Mr. Goldsmith, „aber Sie haben sich ja nicht mit Mr. Green unterhalten, Miß, der junge Mann, der vor mir diesen Sessel eingenommen, nennt sich Kohn, und der ist allerdings ein Deutscher." „Und Mr. Green ist ein geborener Amerikaner?" * „Meine liebe gute Miß Lenz", lachte der alte Herr, „welch ein Interesse nehmen Sie an Mr. Green! Fürwahr ich hätte Lust, eifersüchtig zu werden. Aber sein Haar ist schon weit heller als meines, darum will ich doch nicht alle Hoffnung aufgeben. Und um mit meinem Ritterdienst den Anfang zu machen, will ich mich sofort auf's Genaueste nach Mr. Green's Heimathland erkundigen." „Nicht doch, Mr. Goldsmith", bat Jakobine erröthend, „es interessirt mich ja nicht im Entferntesten, Mr. Green's Heimath zu kennen." „Und dennoch haben Sie bereits zwei Mal danach gefragt." Die Gluth in ihren Wangen stieg, doch war sie einsichtsvoll genug, Mr. Goldsmith den eigentlichen Grund des Interesses, das sie an seinem Freunde nahm, nicht vorzuenthalten. „Hei? — so? — Also Mr. Green sieht Ihrem Onkel ähnlich, oder vielmehr er lacht ganz so wie er. — Nun ja freilich, das ist nicht unmöglich. Aber eben so möglich ist es auch, daß die Aehnlichkeit verschwinden würde, wenn Sie die Betreffenden zusammen sehen würden." „Sie mögen recht haben, Mr. Goldsmith", erwiederte Jakobine. „Und dennoch möchte ich behaupten, daß ich mich nicht geirrt. Da, hören Sie nur Mr. Green's frisches heiteres Lachen." Mr. Goldshmith lauschte unwillkürlich. „Ich fange an zu glauben, daß Sie sich in Wirklichkeit nicht geirrt, Miß Lenz, die Aehnlichkeit ist in der That frappant." „Ah, Mr. Goldsmith, Sie wollen meiner spotten " „Ihrer spotten? meine liebe gute Miß Lenz, nichts liegt mir ferner als das Spotten. — Aber ich wiederhole, ich fange an zu glauben, daß Sie sich nicht geirrt. Denn nachdem ich durch Sie veranlaßt, dem Lachen des Mr. Green meine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, finde ich. daß das Lachen meines Freundes Green dem Lachen meiner hochgeschätzten Freundin, Miß Lenz. in einem ganz merkwürdigen Grade ähnelt. — Nicht doch, liebe Miß, schauen Sie mich nicht so finster an, weiß der Himmel, meine Behauptung ist mir Ernst. Und eben weil ich in der That finde, daß Mr. Green's Lachen dem Ihren ähnelt, darum finde ich es begreiflich, daß Sie in demselben eine Aehnlichkeit mit Ihrem Onkel finden. — Ja, ich möchte sogar noch weiter gehen, ich möchte behaupten, daß Mr. Green's Gesichtsausdruck dem Ihren ähnelt." (Fortsetzung folgt.) « ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. esucht eine tüchtige Putzarbeiterin für eine grö- Logis im Hause. Etwaige Offerten unter Lit. B. ßere Provinzialstadt Hannovers. Kost und O. Nr. 2190 befördert die Exped. d. Bl.