Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1879)
- Date
- 1879-07-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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788 der glaubt anders als der Abt von Alidorf, und da ist der Zwingli, der glaubt wieder anders und der Calvin lehrt wieder einen andern Glauben, und Euer Prophet, der Thomas Münzer, er glaubt wieder anders; nun trete Einer auf und sage, er, und nur er allein, er habe den rechten Glauben! Wollt Ihr nun alle die tödten, die nicht glauben wie Ihr?" „„Nein. daS wollen wir nicht!"" ♦ „So lasset denn uns Juden auch unfern Glauben. O, Ihr Herren alle, ich beschwöre, ich bitte Euch, lasset ein Schreiben ergehen an Eure Bundesgenossen, daß sie kein unschuldiges Blut vergießen, daß sie der Juden schonen. Der allgerechte Gott wird Eurer Sache den Sieg nicht verleihen, wenn Ihr sie mit unschuldigem Blute befleckt!" „„Wenn wir Dich tödten, so sind wir in unserm Rechte; Du hast den Tod verdient, weil Du Dich in unsre Versammlung hast eingeschlichen."" „So erfüllet meine Bitte und tödtet mich hernach." „„Wir wollen Deine Bitte erfüllen und auch Dich am Leben lassen, wenn Du uns den Verräther nennst, der Dich eingelassen." „Selbst um diesen Preis werde ich nicht zum Verräther meines Freundes werden." Da theilte eine riesige Gestalt die Menge und trat dem Apostel gegenüber. „„Was willst Du, Dieterich?"" fragte dieser. „Gönnt mir das Wort, Herr!" sagte der Angeredete. „„Sprich!"" „Meine Freunde, meine Brüder, Ihr kennt mich Alle! Ihr wißt, daß ich der stärkste Mann bin im ganzen Bunde, und daß keine Furcht ich kenne; ich habe meine Tapferkeit bewiesen in zwanzig Schlachten, seitdem ich unter die Landsknechte gegangen und seitdem ich diese verlassen und Eurem Bunde angehöre. Hört mich, Brüder, Freunde! Vor vierzehn Jahren war ich ein verlorener Mann; ich hatte mein väterliches Erbe vergeudet, Weib und Kinder an den Bettelstab gebracht, den Opferstock in der Kirche erbrochen, ein Sacrament gestohlen, drei Juden fälschlich angeklagt und war zum Tode durch das Flechten auf's Rad verurtheilt worden. Da lernte ich diesen Juden hier kennen; er besuchte mich im Gefängniß; er redete mir ins Gewissen und lehrte mich, meine Sünden zu bereuen. Dann löste er meine Fesseln, verhals mir zur Flucht, versah mich mit Reisegeld und versorgte mein darbendes Weib und meine hungernden Kinder. Ich habe ihm nicht danken können bis heute, denn ich durfte nicht in die Heimath zurückkehren. Seit 14 Jahren sah ich ihn heute Abend zum ersten Male. Er verlangte keinen Dank von mir; aber er begehrte Einiaß in die Versammlung. Ich sagte ihm, daß er seinen Tod verlange; er aber sprach: „Gott wird mich schützen!" Da konnte ich nicht widerstehen; ich that ihm den Willen; ich konnte es dem Manne nicht abschlagen, dem mein Leben gehört; denn wenn er mich nicht gerettet hätte — ich wäre seit 14 Jahren ein todter Mann. Brüder, Freunde, wer von Euch hätte es anders gethan? Ich weiß, ich habe den Tod verdient; wenn ich nach Eurer Meinung Unrecht gethan, so will ich gerne sterben." Er nahm die Sturmhaube aus Eisenblech von seinem Haupte, kniete nieder und legte sein Haupt auf einen Betschemel, bereit, den tödtlichen Streich zu empfangen. „„Steh auf. Dieterich,"" sagte der Apostel, „„Du sollst nicht sterben! Wir können Deiner Dienste nicht entbehren. Meint Ihr nicht, Brüder, daß wir ihn begnadigen?"" „Wir wollen ihn begnadigen", rief man von allen Seiten. „„Und was Euch betrifft, Jude, so sagt mir zuvor, wie Ihr dazu kommt, im Namen Eurer Brüder zu sprechen?"" „Ich bin von Kaiserlicher Majestät zum Befehlshaber und Regierer Der Juden eingesetzt." „„So befiehl den Juden, daß sie mit uns gemeinsame Sache machen. Du sagst doch, daß auch sie die Unterdrückten seien. Mögen sie sich gegen ihre Unterdrücker erheben!"" Rabbi Joselmann, der mit richtigem Blicke das Unterliegen des Bauernaufstandes vurausfah, war nicht um eine Antwort verlegen. „Herr", sagte er, „was würde die Welt von den Bauern sagen, wenn die verhaßten Juden mit ihnen würden gemeinschaftliche Sache machen?" „Er hat Recht", riefen die Anführer, „wir wollen der Juden schonen, aber weiter nichts mit ihnen zu schaffen haben." Und so ward der Beschluß gefaßt. Die versammelten Bundeshäupter erließen ein Schreiben an sämmtliche aufständige Bauern, daß sie der Juden schonen möchten. (Fortsetzung folgt.) Hierzu vier Beilagen. Verantwortliche Redaction: Or. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des.„Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger). c in wk m< in mi fie 1. W ge Br "W wc Kl ja ah ooi Gr vor der i J Pe )et ber Un gel jie der Ha .,dr unt Mi unr es chr )es in! Tch Kor Äe