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Der Israelit · 1879-07-23 · Heft 30 (23.7.1879) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 30 (23.7.1879)
Date
1879-07-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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787 müthig den Gelehrten gegenüber. Die rumänische Literatur ist aber noch so wenig entwickelt, daß die ganze literarische und wissenschaftliche Production sich in wenige sehr dünne Bände zusammen fassen ließe. Es ist daher geradezu lächerlich, eine darauf bezügliche Kategorie aufzustellen. Der Effect wäre also ziemlich gleich, ob das Project der Negierung oder das noch beschränktere der Kammer-Commission angenommen würde. Bukarest, 13. Juli. Das Journal „Romanul" betont den Unwillen der ganzen civilisirten Welt über den Vorschlag der Kammercommission zur Lösung der Judenfrage; durch die Verblendung der Kammern drohe Rumänien das Doppelte verloren zu gehen von dem, was es 1877 gewonnen. „Telegraful" räth der Regierung, falls die Kammern an dem bez. Entwürfe festhielten, da auch dafür die Zweidrittel-Masorität nicht zu erlangen sei, die Kammern aufzulösen und das Land zu befragen. Frankreich. Paris. Bisher wurden die hiesigen Israel. Waisen-- und verlassene Kinder bei armen israel. Familien zur Verpflegung untergebracht. Gegenwärtig ist man daran, eine Institution ins Leben zu rufen, wodurch es ermöglicht wird, derartige Kinder in einem eigens dazu einzurichtenden Hause zu vereinen und gemeinsam zu erziehen. Die Stiftung soll den Namen „Fondation Albert Cohn" erhalten. Die nöthigen Gelder sind zum Theil gesammelt. Baron Edmund v. Rothschild, welcher bei Gelegenheit seiner Hochzeit eine besondere Dotation versprochen hatte, hat zu diesem Zwecke 150,00^ Fr. gegeben. (Arch. isr.) | Feuilleton. Aabbi Joselmann von Mosheim. Eine historische Erzählung. ILHI. Rabbi Joselmann trat vor; laut schlug ihm das Herz. „O Gott", betete er mit leiser Stimme, „laß mich Gunst und Gnade finden in dev Augen dieser Wüthigen!" „Herr" sagte er dann laut, „ich bin kein Verräther und auch der nicht, der mich hereingelassen." „„Nenne ihn,"" sprach der Apostel feierlich, „er hat den Tod verdient und wird ihn sofort erleiden!"" „Ich nenne ihn nicht." „„Man wird Dich zu zwingen wissen!"" „Ihr könnt mir nicht mehr nehmen als mein Leben. Tödtet mich; aber zum Verräther werdet Ihr mich nicht machen!" Auf einen Wink des Apostels erhob einer der Anwesenden seine Streitaxt und schwang sie über das Haupt des Juden, zum wuchtigen Schlage ausholend. Rabbi Joselmann rührte sich nicht; ruhigen Auges erwartete er den Tod. Der Apostel winkte mit der Hand, und der Mann mit der Streitaxt ließ langsam den Arm sinken. „Jude", sagte der Apostel, „du bist ein ganzer Mann. Und jetzt sage mir, warum hast Du Dich eingedrängt in unsre geheime Versammlung; denn ich glaube nicht, daß Du es gethan, um uns den Pfaffen und Edelleuten zu verrathen." „Gewißlich nicht, Herr; ich bin nur gekommen, um das Leben meiner Brüder zu retten, die von Euren Bundesgenossen bedroht werden. Sagt, Ihr Herren, was haben Euch die Juden gethan, daß Ihr sie lebendig verschlingen wollt? Ihr habt Euch empört gegen die Edelleute und die Geistlichen, gegen Eure Unterdrücker, die Euch mit Zehnten und Frohnden und Steuern plagen, — gehören etwa auch die Juden zu Euren Unterdrückern? Sind wir Juden nicht gedrückt, gepeinigt, gequält wie Ihr? Gehört uns etwa der Forst und sein Gewild, der Fluß und seine Fische? Gehört uns der Grund und Boden? Sind wir es, die Zehnten von Euch verlangen und Euch zu Frohnden zwingen? Sind es Juden, die der Ehre Eurer Frauen und Töchter nachstellen? Ihr klagt über unerträglichen Druck — wer aber ist mehr gedrückt denn wir? Wir dürfen keine Aecker besitzen, kein Handwerk üben; dagegen müssen wir Steuern zahlen, unerschwingliche Steuern, und dabei hetzt und höhnt und verspottet uns der Fürst wie der Edelmann, der Pfaff und der Bürger, der Bauer und der leibeigene Sclave. Und nun kommt Ihr, und verlangt die Freiheit für Euch, und uns wollt Ihr abschlachten! Was haben wir Euch gethan? Wo stehen wir Euch im Wege? Wodurch haben wir Euren Zorn verdient?" Ein Gemurmel des Beifalls durchzog die Menge. „Der Jude hat Recht, was er sagt ist Wahrheit", ertönte es hier und da. „„Ihr Juden habt nicht den rechten Glauben!"" sagte der Apostel. „Und habt Ihr ihn?, fragte Rabbi Joselmann, „hörte ich Euch doch vorhin den heiligen Geist um den rechten Glauben anrufen. — Beweis genug, daß Ihr ihn noch nicht habt. Da ist der Luther,

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