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Der Israelit · 1879-07-23 · Heft 30 (23.7.1879) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 30 (23.7.1879)
Date
1879-07-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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782 sammenwirken ein einigermaßen ersprießlicher Erfolg erzielt werden kann! So wollen wir denn die Sache in die Hand nehmen und, unter des Allgütigen Beistand, in zweckentsprechendster Weise auszüführen suchen. Wir verhehlen uns nicht, daß hierzu erhebliche, ja bedeutende Geldmittel erforderlich sind, wissen aber auch, daß Niemand zurückbleibt, wenn der Bruder von dem Tode in der schrecklichsten Gestalt, dem Hungertode, bedroht ist, und daß der Vereinigung Vieler gar manches gelingt, was dem Einzelnen unerreichbar ist. Wir richten daher an Euch, theuere Glaubensgenossen, die flehentlichste Bitte um recht baldige, zahlreiche Spenden und sind im Voraus gewiß, auch diesmal keine Fehlbitte gcthan zu haben. Wer in diesen Tagen der Trauer um Zion sich seiner darbenden und leidenden Bewohner liebevoll und thatkläftig annimmt, der darf sicherlich der Bewährung des Prophetenworts gewärtig sein, D^aNnon to vwd nnN ww. Pekidim und Amarkalim der israelitischen Gemeinden des heiligen Landes zu Amsterdam: M. de Lima, B. S. Rubens jr., M. S. Rubens jr., 9 Lebren M. I. Goldschmidtson, Liepmann PH. Prins., (Wir haben dem obigen Aufrufe noch hinzuzufügen, daß das löbl. Central-Comite zu Amsterdam in Erwartung der reichlich eingehenden Spenden, 12000 Frs. vorgelegt hat, um sofort im Hafen von Marseille, der im Augenblicke die besten Chancen bietet, Waizen, Mehl und Hülsenfrüchte anzukaufen und nach dem heiligen Lande zur Verkeilung zu senden. Wir vereinigen unsre innigsten Bitten mit denen im vorstehenden Aufrufe und sind selbstverständlich gern bereit, die Spenden entgegenzunehmen und sofort zu befördern. Möge der allgütige Gott uns die Gnade geben, unfern nothleidenden und darbenden Brüdern über die jetzige Calamität hinwegzuhelfen! Privatberichte, die uns aus dem heiligen Lande zukommen, schildern den dort um sich greifenden Kornwucher in erschrecklicher Weise. Es ist zu erwarten, daß die ersten, von uns zu sendenden Lebensmittel gleich nach ihrem Eintreffen den Preis der Naturalien, der eine Höhe erreicht hat wie nie zuvor um diese Jahreszeit, herabdrücken werden. — Darum auf, Ihr edlen Söhne und Töchter Israels! Es gilt Tausende vom Hungertode zu erretten! Mögen namentlich die Herren Rabbiner, Lehrer und Vorsteher Sammlungen veranstalten; mögen auch edle Frauen und Mädchen, überall, wo es nothwendig ist, die Sache in die Hand nehmen! Wohlthätigkeit ist die Erbtugend Israels; es bedarf nur der Anregung, um sie überall zu herrlicher Blüthe zu entfalten. — Die Redaction des Israelit." —) Die Vorgänge in Trier. Von der Mosel, im Thamus 5639. L. Es mag im Allgemeinen richtig sein, daß die Parteikämpfe innerhalb der deutschen Judenheit ihren Höhepunkt bereits übschritten haben; in einzelnen Fällen jedoch, besonders da, wo bis jetzt den gegenüberstehenden Parteien die Gelegenheit fehlte, ihre verschiedenen Principien zum Austrag zu bringen, und bei diesem Anlaß ihre Kräfte gegenseitig zu messen, in solchen Fällen zeigt sich eine Lebhaftigkeit, ja eine Leidenschaftlichkeit, welche als ein überaus bedeutsames Symptom auch die Aufmerksamkeit derjenigen Kreise aus sich zieht, die außerhalb des räumlichen Kampfplatzes stehen. Von diesem Gesichtspunkte aus, gewinnen die Vorgänge innerhalb der Trierer Gemeinde, wo schon seit längerer Zeit die Wogen des Kampfes ungewöhnlich hoch gehen, ein Interesse, das weit über die Stadt und ihre nächste Umgebung hinausgeht. — Zur richtigen Würdigung der ganzen Sachlage, mögen zunächst einige allgemeine, einleitende Bemerkungen hier folgen. Wie die Stadt Trier, eine der ältesten, ja, vielleicht die älteste deutsche Stadt ist, so ragt auch die Entstehung der Trierer jüdischen Gemeinde in die früheste Vergangenheit zurück. Die erste bekannte Notiz über die Gemeinde enthält das Mainzer Memorbuch (begonnen gegen Ende des 13. Jahrhunderts), welches eine Esther und zwei Jungfrauen aus Cöln verzeichnet, die den Waffertod der Waffertaufe vorzogen und sich von der Brücke in die Mosel stürzten. Auch andere, nichtjüdische Urkunden berichten über die „Märtyrer von Trier", welche besonders zur Zeit der Kreuzzüge, die ganze Bitterkeit des Leidenkelches zu kosten hatten, von dem keine der größeren westdeutschen Gemeinden damals verschont blieb. Aber die Thränen und da» Blut, der für ihr Judenthum hingeschlachteten Märtyrer, waren nicht umsonst geflossen. Es war eine Saat von Gott gesäet, in die Geister und Gemüther der Generationen , die diese Gräuelscenen überlebten. Zu doppelter Treue und gehobener Begeisterung begeisterte das Martyrium der zu Tode Gemarterten, die Kinder und Enkel dafür zu leben und zu wir-

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