Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1879)
- Date
- 1879-07-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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771 beiten haben zur Auffindung einer großen Anzahl von Inschriften, darunter viele von sehr großem Interesse geführt. Nach dem Süden zu besuchte er Nimrud, wo er seine Arbeiten in der Venus fortsetzte. Dieses Gebäude, welches er während seiner früheren Expedition entdeckte, wurde nun gründlich untersucht, und es stellte sich heraus, daß es ein großer offener Tempel sei, der die Schreine verschiedener Gottheiten enthielt. Man fand auch eine Anzahl von Sitzen in parallel laufenden Reihen geordnet, einen Mittelflügel vom Hauptaltar aus bildend. Der jetzt wiedergefundene Plan scheint die Idee zu begünstigen, daß es eine Art von Forum war, in welchem kirchliche und andere Berathungen abgehalten wurden. Rassam dehnte seine Operationen nach Feldern aus, die seit der Layard'schen Expedition unberührt geblieben, und er war im Stande, eine Reihe von Erforschungen auf den Erdhügeln des alten Babylons auszuführen. Hier waren seine Entdeckungen wahrhaft glänzend. In einem bisher unberührt gewesenen Erdhügel entdeckte er einen Palast Nebucadnezar's mit reichen emaillirten Säulen, Balken aus indischem Holz, und jedem Anzeichen, daß es ein äußerst präcktigeS Gebäude gewesen. Seine Nachgrabungen in dem Erdhügel des Birs Nimrud, der muthmaßlichen Stätte des Thurms von Babel, haben erwiesen, daß die Zerstörung dieses großartigen Gebäudes nicht dem Blitz oder einem feindlichen Angriffe zuzuschreiben ist, sondern daß eine vulkanische Eruption das Gebäude zertrümmert habe. Palästina. Zwei Stunden von Jaffa haben 10, schon seit einer Reihe von Jahren hier ansässige ungarische Jehudim einen bei 2000 Joch großen Grund, geeignet zum Getreideanbau gekauft. Der Allgütige ließ an den Besitzern dieses Stück Landes des Psalmisten Worte n*yp’ wid nyoia D’jmn sich bewähren. Während allenthalben Regenmangel herrschte, überdies Heuschreckenzüge vieles verwüsteten, regnete es auf oben erwähntem Felde zu Anfang des verflossenen Winters ziemlich ausgiebig. Die Besitzer, durch die göttliche Fürsorge aufgemuntert, kauften von Neuem einen noch 4mal größeren Grund, reichend bis pp’ ’D ('> jm-p). Möge der Allgütige dieses Unternehmen segnen, zu dessen vollständiger Realisirung, bei dem wohl äußerst wohlfeilen Preise — 100 Joch kosten ohne weitere, wohl nicht geringe Nebenausgaben 400 fl. 800 Mark — eine größere Geldsumme herbeigeschafft werden muß. A. M. Leitender Artikel. Die Entstehung dreier Klagelieder des 9. Uw. Die Leiden des Mittelalters waren nicht geeignet, die klaffende Wunde, welche die Auflösung des jüdischen Reiches den Juden geschlagen hatte, vernarben zu lassen. Je trüber sich die Lage der Juden im Abendlande gestaltete, desto zahlreicher ertönten die Klagelieder über den Verlust der Urheimath. Ein großer Theil der nu’p, die wir am Trauertage des neunten Aw vortragen, sind in rheinischen Städten zur Zeit der grausamen Verfolgungen verfaßt worden. Nachweislich sind drei derselben von Cölner Gelehrten und merkwürdigerweise je eins gegen Ende des 12., 13. und 14. Jahrhunderts gedichtet: 1) Es war am 7. Tage des Monats Adar (1. Februar) 1194, da stürzte sich ein geisteszerrütteter Jude in Neuß (bei Cöln) auf ein christliches Mädchen und schnitt diesem vor den Augen aller Anwesenden den Hals ab. Statt der Unzurechnungsfähigkeit des Irrsinnigen Rechnung zu tragen, tödteten die Augenzeugen nicht nur denselben , sondern auch die angesehensten Gemeindemitglieder und flochten ihre Leichname aufs Rad, die sie dann zur Schau ausstellten. Damit noch nicht zufrieden, plünderten sie auch noch die Häuser der andern Juden, ergriffen nach fünf Tagen die Verwandten des Wahnsinnigen, begruben die Mutter lebendig, räderten die Brüder und stellten sie zur Schau aus bei den vorher Gemordeten, während man die Schwester zur Taufe schleppte. — Der Erzbischof von Cöln strafte den Rest der Judengemeinde noch obendrein um 150 Pfund Silber und erpreßte von den übrigen Gemeinden des ErzstifteS ebenfalls sehr bedeutende Summen. Hierauf opferten fämmtliche Gemeinden einen Theil ihres