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Der Israelit · 1879-07-16 · Heft 29 (16.7.1879) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 29 (16.7.1879)
Date
1879-07-16
Page
– (sequence 20)
Language
German
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772 Vermögens für die Erlaubniß, die ausgestellten Märtyrer beerdigen zu dürfen, was ihnen erst fünf Wochen später gestattet wurde *). Unter den unschuldigen Opfern befand sich auch R. Samuel ben Natronai (ü":)En) der Tossafist, ein Schwiegersohn des R. Elieser ben Nathan (|"3>vs). R. Joel ben Jsaac ha Levi, der damals in Cöln1 2 * 4), (zeitwcise in Bonn) wohnte, betrauerte die unglückliche „Tochtergemeinde CölnS" ro) und ihren Führer, (seinen Schwager Samuel,) in dem Klageliede, welches mit 12 poa» beginnt'). 2) In jenen Zeiten Der Rohheit und Verfinsterung wiederholten sich in Deutschland fast in jedem Jahre Verfolgungen, zumeist unter der boshaften nichtswürdigen Beschuldigung, daß die Juden zum Osterfeste Christenblut nöthig hätten. Päpste und Kaiser traten gegen diese wahnsinnige teuflische Anklage auf und erklärten diese Beschuldigungen als lügenhafte Erfindungen, allein ihre Aussprüche verhallten im Winde.' Noch im Juli 1273 hatte der Pabst Gregor X. dem Beispiele seiner Vorgänger folgend, eine Bulle zum Schutze der Juden erlassen^), aber schon im folgenden Jahre wurde die jüdische Gemeinde in Pforzheim überfallen und fast ganz vernichtet. Unter den Opfern befand sich der Rabbiner Samuel ha Levi 5 6). Sein Sohn Jakar entging dem Blutbade durch die Flucht. Er kam nach Cöln und wurde hier als Rabbiner angestellt. Eine Reihe sogenannter Schreinsnoten tragen noch seine eigenhändige Unterschrift *). Er ist der Verfasser eines nbu und des Klageliedes L3b 'i p’K7) u. 7a). 1) Efraim ben Jacob rivvp. 2) Jsaac 6 Mose 2-17» 716 I, 97. Cilip rrö oj — r^rn er mti 77 r*rc. 8) (5s ist, (wie Dr. Auerbach richtig nachweist.) ein Irrthum, die Abfassung dieses Klageliedes aus den ersten Kreuzzug zu legen, vergl. erisfr nnz Einleitung. 4) Urkunden im (i5liier Stadtarchiv. 5) Dr. Zun; syn. Poesie 32. 6) r^'r55:> »iir> bwnr S jir jiirr ip\ 7) Landshut rrijjT ’vim' 132. j 7 a) Das alte 'Mainzer Memorialbuch erzählt darüber j Folgendes: I 73 pri’ '7i ,’ii? ip* Sr p br»rc Sr ,IMP3 crJur ’Jiir i .e’irifcj m«; ipfri ipjrr cicu ij crijf» Si 7U'*if> j Die Erschlagenen von Pforzheim. am 20. Damus: der Nab- 1 biner Samuel. Sohn des Rabbiners Jakar Ha Levi. und Rabbi j Jizchak bar Elieser und Rabbi Abraham bar Eerschom. die sich ' selbst geschlachtet: ihre Leichen wurden auf Räder geflochten. —! Das oben angegebene Datum 1274 scheint uns nicht zutreffend. ■ Das Memorial-Buch gibt zwar bei den Märtyrern von Pforzj heim die Jahreszahl nicht au; da es aber chronologisch verfährt > und bei den vorher erwähnten Märtyrern von Kitzingen das Jahr 5004 (1244> und bei den nachher erwähnten Märtyrern! von Eoblenz das Jahr 5025 s1265» nennt, so ist mit Nestimmtheit anzunehmen, dasi der Tod des R. Samuel Ha Levi zwischen 1244 und 1255 erfolgt ist. — Red. 3) Im Jahre 1875 brachen zwischen dem Erzbischof und der Stadt Cöln der Hoheitsrechte wegen ein Krieg aus. Die Veranlassung dazu waren zwei Cölner Juden, Simon und David. Der Erzbischof hatte diese vor sein Gericht nach! Poppelsdorf geladen, die Stadt sich aber mit der \ Erklärung widersetzt: daß die Juden als städtische j Bürger vor kein auswärtiges Gericht geladen wer- , den dürften. Der Kampf wurde auf beiden Seiten j mit Erbitterung geführt und endigte erst nach zwei j Jahren. Die unglücklichen Juden fielen als Opfer 8 der erzbischöflichen Rache. „In dem Jahre unseres I Herrn 1376 im August", (3-r) erzählt die Chronik. 8 „da wurden zwei Juden gehangen, Simon und 8 David, und Simons Weib sollte man lebendig be- 8 graben, doch um die Fürsprache Des Grafen von Cleve ließ man sie lebendig und sie wurde Christin 8 *). Die Hinterlassenschaft der Ermordeten wurde zwischen dem geistlichen Herrn und der Stadt zu gleichen Theilen getheilt8). Zu derselben Zeit wohnte in Cöln ein reicher und gelehrter Jude, Manus von Speier, zu dessen Geldsäckel die Stadt in ihren Verlegenheiten ihre Zuflucht nahm. Derselbe quittirt unter Anderem am 20. December 1382 dem fürsichtigen und weisen Rath der Stadt, seinen lieben und gnädigen Herren eine Abschlagszahlung von 260 Gulden. „Und da ich kein Siegel habe, so habe ich den Grefen Rembold Scherfgin gebeten, dies zu bezeugen. Ferner habe ich meinen Namen in jüdischer Schrift nach jüdischer Gewohnheit geschrieben und auch Moses von Bacharach gebeten, das Gleiche zu thun." Der Name des Ausstellers in hebräischer Schrift auf der Außenseite der Urkunde lautet: tno ‘i ain p oruo n$d 10). Er hat auf die obenerwähnte Ermor-! düng seiner Glaubensgenossen in Cöln das Klage- | lieb ’p»n pp2 p's gedichtet"). 1 Carl B r i s ch. | 8) In den jaren uns heren 1376 in dem Auste do wurden zwene juden gehangen, Simon ind David ind Simonis wyff, de solde man levendiss hain begraven, doch umb beden wyllen des greven van Cleve lyes man sy Ievendich ind sy wart crysten gedain. 9) CEölner Eeschichtsquelteu V. 243. 10) Urkunde im Staatsarchive zu Cölu. 11) Derselbe ist auch Verfasser des eines Eommentars zum Pentateuch (s. e>:>7^r er II. 59.) Das Nähere in meiner demnächst erscheinenden „Eeschichte der Juden in Eöln und Umgebung." i

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