Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1879)
- Date
- 1879-07-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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762 schafft, hier wäre sie gelöst für alle Zeiten; und j nun belehrt uns das ultramontane Blatt, daß auch in Deutschland sich noch ein garstiges Fragezeichen befinde! Schade! daß die herrliche Rheingegend durch solche Miasmen ausströmende Sümpfe verunstaltet wird! Es ist ein Werk von Constantin Frantz „Der j Föderalismus als das leitende Princip für die sociale, staatliche und internationale Organisation, unter besonderer Bezugnahme auf Deutschland", über welches das Mainzer Blatt leitartikelt und dessen Ideen es sich aneignet. Auf eine Unwahrheit kommt es dem Schreiber nicht an, aber auch nicht auf die Gefahr, sich lächerlich zu machen. „Es « das Werk von Frantz) stellt den Satz an die Spitze, daß die Inden ihrer materiellen Existenz nach in Deutschland fast niemals von den Producten ihrer eigenen Arbeit leben, sondern vielmehr die Arbeit der übrigen j Bevölkerung ansznbenten suchen." Die Wahrheit dieses Satzes werden wir hernach prüfen, wir wollen hier nur auf einen Ausdruck die Aufmerksamkeit der Leser hinlenken. Die Juden suchen die Arbeit der übrigen Bevölkerung „auszubeuten." Wenn ich mir ein Paar Stiefel anfertigen lasse und diese richtig bezahle, dann beute ich also die Arbeit des Handwerkers aus; nun, dann thun dasselbe ja auch die meisten Ehr'sten, dann ist der Verfasser des Werkes, Herr Frantz, auch ein solcher Ausbeuter, wie nicht minder der Verfasser des Leitartikels das ganze Jahr hindurch die Arbeit anderer Menschen ausbeutet. Die Gehässigkeit des angeführten Satzes wird Niemanden entgehen, nnd das fromme Blatt thut ganz dasselbe, was manche Socialdemokratenführer thun, die die Arbeiter gegen das Capital mit demselben Gedanken des „Ausbeutens" aushetzen. „Sie Juden, so führt E. Frantz weiter aus, weisen grobe anstrengende Handarbeit gänzlich von sich ab. Ackerbau treiben sie nur sehr ausnahmsweise,- erwerben sie aber groste Ackergüter, so geschieht es fast imitier in der Absicht eines vortheilhastcu Wiederverkaufs, oder allenfalls zur Berpachtnug, oder wenn sie dieselben wirklich bewirthschastcn, so geschieht es mit christlichen Arbeitern. Inden wären;u Ackerknechtcn zu gut. Zn Fabrikarbeitern auch; denn wo der Jude eine Fabrik anlegt, sind außer den Eomptoiristen nur etwa die Werkführer und Aufseher Jildcn. So hält auch der wohlhabend gewordene Jude christliche Dienstboten; den reichen Inden fährt ein christlicher Autscher, gerade wie cs auch «Christen waren, welche ihm den Wagen und noch sein Haus bauten; Christen welche seine Kleider verfertigten, seine Möbel und all die Lttrussachen, womit er seine Existenz umgibt; Christen, welche ihm die -Nahrungsmittel beschafften, die auch die Straßen pflasterten und respective kehrten, auf welcher er einherstolzirt und dahin caroifirt, wie endlich auch wieder christliche Schutzmänner uitd Aachtmächter für die Sicherheit seiner Person ititd seinen Schutz sorgen." Glücklich bis auf den Nachtwächter gekommen, d. h. der Weltenverbesserer, dem die „Judenfrage', so viel Kopfzerbrechens macht! und gewiß ist es ei, schlagendes Argument gegen die Würdigkeit de Juden, daß sie es nicht einmal bis zum Gassen kehrer gebracht haben. Zwar hat der christlich Reiche bis jetzt noch keine Ursache gehabt, sich übe, jüdische Bettler zu beklagen, die statt mit Gassen kehren sich ein Paar Pfennige zu verdienen, sic! lieber aufs Betteln verlegen, denn der jüdisch Bettler klopft nicht an die Thüren der Christen während der christliche in dieser Beziehung durch aus interconfessionell ist; aber was will das heißen So lange nicht, so dictiren Herr Frantz und der Red d. „Mz. I.", der Jude die Steinramme in die Han nimmt und die Straße pflastert und den Best und die Gasse kehrt, so lange trägt er nicht zur materiellen Wohle des Staates bei, so lange es ein Hohn auf die Christenheit, wenn ein Jud über das Steinpflaster der christlichen Straße ca rossirt. Wie man hört, sollen Herr Frantz un sein Gesinnungsgenosse. der Red. des „Mz. I? sich schon zwei Riesenbesen gekauft haben ui nächstens das edle ftaatserhaltende Gewerbe de Gassenkehrens zu cultiviren, weil der Edle di Aufgabe habe, mit gutem Beispiele Voranzugehe Im Uebrigen ist das, was in dem ge sagten Artikel producirt wird und die Juden ai arbeitsscheu darstellen will, unwahr. Ja fast den meisten Gewerken finden wir Juden Vertreter wir finden jüdische Schneider, Schneiderinner Näherrnnen, Schreiner, Buchbinder, Gerber, Bäck: Metzger. Schlosser, Drechsler, Glaser, Steinmetzer Maschinenbauer, Gold- und Silberarbeiter, Uhr macher, Ackersmänner, Kutscher, Packträger uir auch — Schutzmänner, und der Jude hält nid allein christliche Dienstboten, sondern auch jüdisch Daß Erstere sich über schlechte Behandlung l klagen, hat man nicht gehört. Was aber die gro Menge christlicher Dienstboten anfangen sollte wenn diese von den Juden entlassen würden, rüber belehrt uns weder die Weisheit des Herr Frantz noch die desReproducenten seinerGesinnnnge Als in Deutschland -die Emancipation Juden sich zu vollziehen begann, da wurdsn au Stimmen laut, die Juden seien zum Handwe nicht geschickt, sie scheueten die Handarbeit; dies Stimmen zu begegnen, wurde in Hamburg ei Gewerkausstellung von Arbeiten nur jüdischer Hall Werker veranstaltet, und waren daselbst Gegenstän ausgestellt, die die Bewunderung aller erregt« Das war vor dreißig Jahren. Daß das Han werk unter den Juden seit jener Zeit zurück^ gangen sei, dürfte wohl Niemand im Ernst t haupten wollen, wenn man bedenkt, daß die Zun schranken, die für den Eintritt eines Juden in ei Zunft oft unübersteiglich waren, gefallen sir r» e/jta