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Der Israelit · 1879-07-16 · Heft 29 (16.7.1879) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 29 (16.7.1879)
Date
1879-07-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XX. Jahrgang. Erste Beilage zu Ar. 29 des Israelit. Leitender Artikel. Sumpfblüthen. 8. Wer kennete sie nicht, die in grellen Farben schimmernden Sumpfblüthen, die mit dem Anpruche das Auge erfreuen zu wollen, sich ans Tageslicht wagen und Tod und Verderben in sich >ergen. Zwar verdanken auch sie ihre Existenz dem egenbringenden Regen, aber wollten wir wohl diesem es zum Vorwurf machen, daß sein Wasser auf schlechtem Boden stehen geblieben und Pfützen gebildet hat, deren Miasmen die Umgegend verpesten, und deren?)lüthen dem arglosen Menschen den Tod bringen önnen? Der Regen bleibt immer der Wohlthäter der Menschen, aber auch der reinste und klarste .. Tropfen kann das Gift nicht zerstören, das in ÜT einem unvorbereiteten und unbearbeiteten Boden nur des Momentes der Erweckung harrt. Auch im Gebiete der Literatur begegnen wir neben Herriichen Blumen, gigantischen Bäumen, kostbaren Früchten, an denen wir uns laben und stärken, solchen Sumpfblüthen, die aus der Gemeinheit der Gef.T! innung, aus der Versumpfung des Denkens hervorschießen und Gift in sich tragen und weiter verweiten. Wer wollte aber die Freiheit deS Denkens md Schreibens dafür verantwortlich machen, wenn Gemeinheit und niedrige Gesinnung diese Freiheit . entwürdigen und mißbrauchen? Aber die Pfützen in mserm lieben Vaterlande mehren sich in schreckenertt! 'egenderWeise und üppig schießen sieüervordieseGifttlc ilüthen, und unter ihnen kreischen dieUnken, zischen die schlangen, kriechen umher die Molche, und wenn man linhorcht, so hört man deutlich, daß dieses Gekreische md Gekrächze, dieses Zischen und Schreien immer nn uUd derselbe Laut ist: Hepp! Hepp! Wer sie alle registriren wollte die Ausbrüche )es Judenhasses, nicht die, die der Janhagel der straße hinausjohlt, — die fangen an zu den Selten- . Seiten zu gehören, — sondern die, welche der Feder gewisser Volksbeglücker entfließen, der würde sich eine Arbeit aufladen, die er nicht bewältigen könnte; dennoch aber ist es die Pflicht des Publiciften, dem , Sie Humanität mehr als ein leerer Schall ist, von Zeit zu Zeit auf die Giftpflanzen aufmerksam zu machen, ihre Kelche offenzulegen und das Gift zu zeigen, das sich in der grellschillernden Blume birgt. itn Es muß dem entsittlichenden Treiben entgegengearbeitct werden, ehe das Gift die edlen Theile deS Volks ergriffen hat. Wir haben bereits in einer Reihe von Artikeln uns mit dem „Rischuß" beschäftigt und haben es als gutes Mittel empfohlen, obscuren Schreibern nicht zu antworten, sondern nur da die Stimme der Abwehr zu erheben, wo Beschuldigungen und Gehässigkeiten von Männern ausgehen, deren Wort vermöge ihrer Stellung oder wissenschaftlichen Autorität von Gewicht ist. Wir werden von diesem Principe nicht abgehen. das aber nur bei der Broschürenliteratur seine Berechtigung hat. Judengehässige Zeitungsartikel hingegen, deren Mitarbeiter, wenn auch nicht bekannt, unter der Fahne des Zeitungsnamens schreiben und einem weitern Leserkreise als eine Broschüre zugänglich sind, werden immer berücksichtigt werden müssen, und wir werden es, nie an einer Abfertigung fehlen lassen, wenn uns eine derartige Sumpfblüthe unsere Wege kreuzt. Es ist weniger ein trauriges Zeichen der Zeit, daß es Scribenten gibt, die sich erst dann befriedigt glauben, wenn sie eine Portion Judenhaß von sich gegeben haben, als daß überhaupt Blätter existiren können, welche ungescheut Gemeinheit, Dummheit und Rohheit ihren Lesern bieten dürfen. Auf welche Leser müssen solche Blätter wohl rechnen? Wie müssen die Redacteure sich ihre Leser denkend Welchen Maßstab von Sittlichkeit, Anstandsgefühl und Verständniß müssen sie an ihre Leser legen? Man frage sich doch, wie es möglich gewesen, daß der Redacteur eines bedeutenden agrarischen Blattes es wagen durfte, seinen Lesern einen von Gemeinheit und niedriger Gesinnung strotzenden Artikel „Der Niedergang Laskers" zuzumuthen, ohne zu fürchten das Anftandsgefühl seiner Leser so zu beleidigen, daß sie sich von einem solchen Blatte zurückzögen? Gleich gehässiger Tendenz ist ein Leitartikel des „Mainzer Journal" vom 25. Juni, der seine Absicht unverhüllt an seiner Stirn trägt. „Die Judenfrage" ist Anfang und zugleich Ueberschrift dieses Artikels, und dies sagt schon genug. Wir glaubten bisher, daß nur die unteren Donauländer . wo die Civilisation zumeist nur im Rocke steckt, ihre „Judenfrage" hätten, wir glaubten immer, in Deutschland wäre sie aus der Welt ge-

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