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Der Israelit · 1879-07-16 · Heft 29 (16.7.1879) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 29 (16.7.1879)
Date
1879-07-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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759 amen aus allen Gegenden Deputationen zu Rabbi Zosclmann, die ihn baten, zu helfen oder wenig, tens einen Rath zu ertheilen. Die Lage war chlimmer denn je zuvor. Hier half es nichts, ich irgend einem großen Herrn zu Füßen zu weren; wie konnte man auf das vielköpfige Ungeicuer wirken, das Israel zu verschlingen drohte? Itichtsdestoweniger verlor Rabbi Joselmann den Ruth nicht; er wollte im Vertrauen auf Gottes »eiligen Schutz auch diesmal gern und freudig sein?eben wagen, um seine Brüder vom Untergange ,ii retten. Er hatte Kunde davon erhalten, daß n der Neujahrsnacht des Jahrs 1525 eine Verammlung der Häupter der verschiedenen Verzweijungen des Aufstandes am Fuße der Kapelle in >er Nähe der Abtei Altdorf im Elsaß statthaben ollte, und er beschloß, diese Versammlung aufzuuchen, um die Häupter der Verschwörung von hren Mordplänen gegen die Juden abzubringen, vergebens waren die Bitten seiner Frau, seiner Binder, seiner Freunde; er beharrte bei seinem Entschlüsse, sich in die Höhle der reißenden Wölfe »u begeben; ja, er verweigerte jede Begleitung. „Wenn Gott meinem Wege Gelingen vereihen will", sagte er, „so brauche ich keinen Bereiter; wenn aber nicht — wozu soll noch Jenand ins Verderben gerissen werden?" Es war eine kalte Winternacht, in welcher Rabbi Joselmann sich auf den Weg machte, auf velchem der Schnee hoch aufgethürmt lag. Eine >unkle Masse, wie ein ungeheurer Wall wuchs vor hm aus der schneeigen Ebene empor; es war das Gebirge, an dessen Fuße ein großer Wald sich >ehnte. Aus dem Walde aber drangen zu ihm rurch die Stille der Nacht wunderliche Töne, öald klang's wie das Geheul des Wolfes, bald Die das Geschrei des Käuzchens; manchmal aber klang es wie Gesang von Menschenstimmen. So ^langte er an den Saum des Waldes, der mit lichtem Unterholze bewachsen war. Eben wollte r in den Wald eintreten, als dicht neben ihm las Geheul eines Wolfes erscholl. Erschreckt trat r einen Schritt zurück; aber ehe er sich noch echt besinnen konnte, sprangen rechts und links uis den Gebüschen ein paar dunkle Gestalten ihm ntgegen, er hörte ein Klirren wie von Kettenpancrn; dann rief ihm eine rauhe Stimme zu: „Zuück, Freund! Hier ist heute kein Durchgang, oder ku wüßtest, waS Durchgang schafft!" Rabbi Joselmann war in tödtlicher Verlegenleit; er sollte eine Parole angeben, die er nicht annte. „Du schweigst?" fragte die eine der Gestalten. Geschwind die Parole, oder wir machen Dir den Aaraus!" „Lischuoßcho kiwißi, Adonoi!"*) stieß Rabbi Joselmann hervor. Der wachhabende Bauer hob seine Streitaxt, um mit gewuchtigem Schlage dem Wehrlosen das Haupt zu spalten; da trat der Mond aus seiner Umhüllung und beleuchtete Rabbi Joselmanns Gestalt. „Um Gott", schrie der Bewaffnete, die Streiaxt sinken lassend, „da hätte ich beinahe meinem Wohlthäter den Schädel zerschmettert! Joselin von Rosheim, seid Ihr denn ganz bethört, daß Ihr es wagt, hierherzukommen und Euch todtschlagen zu lassen?" „Dietrich von Kestenholz!" rief Rabbi Joselmann aufathmend. „Gott sei gedankt, der seine Liebe und Gnade mir nicht entzogen hat, daß Er gerade Euch mir entgegenführt. Wie kommt Ihr hierher? Ich glaubte Euch in der Schweiz." „„Joselin, redet nichts und fragt nichts, sondern gehet hinweg und meidet diesen Ort."" „Ich aber will zu den Anführern am Fuße der Kapelle nahe bei der Abtei Altdorf; ich muß mit ihnen reden. Und Ihr, Dietrich. Ihr müßt mich hinführen." „„Steht ab, Joselin, es würde Euch und mir das Leben kosten!"" „Gott wird uns schützen. Wollt Ihr mich hinführen?" Da ließ Dieterich dreimal das Geschrei des Käuzchens erschallen. Ein bewaffneter Bauer trat aus dem Dickicht. „Halte Du hier statt meiner die Wache, Klaus!" sagte Dieterich. Schweigend schritten die beiden Männer der Kapelle zu, die im hellen Lichtschein erglänzte. Wohl an hundert Männer drängten sich in dem engen Raume, alle bewaffnet mit Schwertern, Morgensternen und Aexten; auch Lanzenspitzen sah man hin und wieder über den Köpfen schimmern; die Köpfe waren mit Sturmhauben aus Eisenblech bedeckt. Alle aber sahen nach dem Hauptaltare der Kapelle, dessen Stufen eben ein gewaltiger Mann hinaufschritt. Dunkel war sein Haar, das in langen Locken ihm um den Kopf fiel; purpurroth war sein Gewand und ein mächtiges Schlachtschwert hing an seiner Seite. Ein dumpfes Gemurmel ging durch die Versammlung, als der Fremde den Altar bestiegen hatte und zur Versammlung sich wandte. Jetzt hob er die Hand in die Höhe, jeder Laut verstummte, und wie eine mächtige Posaune klang seine Stimme über den Schweigenden: *) Auf Deine Hilfe hoffe ich, o Gott!

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