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Der Israelit · 1879-07-16 · Heft 29 (16.7.1879) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 29 (16.7.1879)
Date
1879-07-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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758 dingungen gar keinen Nutzen versprechen, selbst wenn die Zunz'sche Bibel zur Hilfe genommen wird. Eine kursorische Durchnahme kann nur da von Nutzen sein, wo sie als Repetitorium Alles, im Ganzen schon Bekanntes wieder aussrischt und durch die Zeit entstandene Lücken ausfüllt. Was soll aber ein cursorisches Durchgehen, wo den Knaben der ganze Exodus und die zweite Hälfte des Deuteronium ganz fremd sind? Darum streiche wan getrost diese Stunde und verwende sie, wie wir bereits bemerkt, für den vvin-Unterricht. So ergeben sich denn nach unserem Vorschläge für die 5. Klasse 2 Stunden, ebenso für die 4. Klasse, für die 3. und 2. Klasse je drei Stunden. Dann wird es möglich sein, aber immer noch mit Hilfe häuslicher Arbeit und angestrengter Thätigkeit der Lehrenden und Lernenden, das ganze Vviri zu absolviren. Der Lehrplan bemerkt uns auch, daß die Bibelübersetzung von Zunz in der 2. Klasse zur häuslichen Vorarbeit empfohlen werde. Es gibt uns dies Gelegenheit, auch hier das Gebiet der Methodik zu streifen. Wir halten es nicht für gerathen, einem Knaben in diesem Alter eine Bibelübersetzung in die Hand zu geben, denn in der Schule müssen einige Partien, die sich für den Jugendunterricht nicht eignen, übergangen werden, daß aber der Schüler, der eine Uebersetzung besitzt, diese Stellen eifrig vachlesen wird, ist ohne Zweifel. Sonst eignet sich ja die treffliche, einfach verständliche Uebersetzung sehr gut für die Verwerthung im Unterricht, aber dem Schüler dürfte sie nicht für den häuslichen Gebrauch empfohlen werden. (Schluß folgt.) Zeitirvgsnachrichterr und Korrespondenzen. Deutschland. Howburg, 6. Juli. In der Schöffengerichtssitzung am Freitag den 4. Juli wurde, wie man dem „General-Anzeiger" schreibt, ein nicht uninteressanter Fall verhandelt. Der Sohn eines hiesigen Metzgers hatte nämlich behauptet, der Rabbiner der Hamburger iör. Gemeinde habe in einer Wirthschaft zu Seulberg „Käs" gegessen, und hatte der Rabbiner Strafantrag gegen den jungen Mann gestellt In der Verhandlung entschied das Gericht , daß Behufs Feststellung der principiellen Frage Termin auf den 18. Juli festzusetzen sei und drei Experten entscheiden sollen, ob dem Berufe und der Ehre des Rabbiners diese Nachrede schaden könne. Rumänien. Bukarest, 8. Juli. Der „Romanul" critisirt lebhaft die von der Kammer- und der Senats- Commission beantragte Lösung der Judenfrage und fügt hinzu, die Regierung habe erklärt, sie könne angesichts der Gefahren,' die eine dem Artikel 44 keineswegs entsprechende Lösung in sich berge, dem Anträge der Commission nicht zustimmen. Bukarest, 9. Juli. „Telegraphul" und „Romania libera" perhorresciren die über das Commissions . Programm hinausgehenden Cov.cessionen in der Judenfrage. Letzteres Blatt bemerkt: Wenn Europa damit unzufrieden ist, werden wir cs ertragen, noch einige Zeit in nicht vollständig anerkannter Unabhängigkeit zu verbleiben.« F e n i l l t t t> ii* Aabbi Zoselmann von Aosheim. Eine historische Erzählung. LE. Eine furchtbare Gährung hatte sich aller Gemüther bemächtigt. Der Kirchenstreit, die aufreizenden Schriften und Predigten der Reformatoren hatten nirgendwo mehr Anklang gefunden als bei dem geringen Manne und namentlich bei den leibeigenen Bauern, die schutzlos der Willkür und Bedrückung der Edelleute und der Geistlichkeit preisgegeben waren. Eine furchtbare Verschwörung, oder vielmehr eine ganze Reihe von Verschwörungen gingen dem entsetzlichen Bauernkriege vorher. Da die Bewegung auch einen religiösen Charakter hatte, so richtete sich die Wuth der aufständischen Bauern nicht allein gegen die adeligen und geistlichen Grundherren, sondern auch gegen die Juden. „Edelleute, Pfaffen und Juden zu strafen", das war das Feldgeschrei der aufrührerischen Bauern. Wo der Aufstand losbrach, geschahen die schrecklichsten Gräuelthaten. Das deutsche Israel, aus den Städten meistens vertrieben, wohnte auf dem platten Lande, in den Dörfern zerstreut und war daher schutzlos und wehrlos den Angriffen seiner Verfolger und Peiniger ausgesetzt. Die Zeiten der großen. Judenabschlachtungen von 1096 und 1349 schienen wiederkehren zu wollen. Angst und I Bangen ergriff alle Söhne Jakob's; denn die Bauernaufstände verbreiteten sich überallhin. Da

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