Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1879)
- Date
- 1879-07-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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757 HauS gerade dazu beitragen muß, die Sicherheit zu erzielen, und zwar dadurch, daß das Kind zum regelmäßigen Beten angehalten werde. Wo dies versäumt und alles der Schule überlassen wird, da wird es erst eines großen Zeitaufwandes in der Schule bedürfen und lange dauern, bis das Kind geläufig lesen kann. Gebet eü versetzen tritt dann als neuer Unterrichtsgegenstand in der 5. Klasse hinzu und wird bis zur 3. Knabenklasse fortgesetzt. Die Rücksicht wiederum auf die spärlich zugemessene Zeit gestattet nicht, schon in der 5. Klasse mit dem Pentateuch-Unterricht zu beginnen, obgleich gerade hier dieser Unterricht sehr fruchtbringend wäre. Wir möchten uns hier eine Bemerkung erlauben. Es find für die 5. Knabenklasse 2 Stunden für Gebeteübersetzen, Stunde für Grammatik. 1/z Stunde für Einübung von nD"D und 1 Stunde für hebr. Schreiben angesetzt, im Ganzen 4 Stunden. Es wäre wohl zu überlegen, ob es nicht gerathener wäre, zwei von diesen Stunden dem Pentateuch- Unterrichte zuzuweisen. Wenn wir nämlich den Unterricht im Gebeteübersetzen mit dem im Pentateuch vergleichen, so ergibt sich, daß letzterer inhaltlich und formell leichter als jener und zugleich grammatisch bildender ist. Inhaltlich leichter, weil interessanter, das Kind hat es hier mit Thatsachen zu thun, während es sich bei den Gebeten in abstrakten Dingen bewegt, formell aber auch, weil bei dem Gebete so oft eine Häufung von Synonymen sich zeigt, die sogar den Lehrer nicht selten in Verlegenheit setzt; grammatisck bildender endlich, weil in dem Pentateuche Wechsel der Personen und Zeiten häufiger als bei den Gebeten ist, wo zumeist beim Zeitwort 2. Pers. Singular und I.Pers. Pl. figuriren. Ist es nun pädagogischer Grundsatz, vom Leichteren zum Schwereren fortzuschreiten, dies aber rein durchzuführen im gegebenen Falle nicht möglich, da das Verständniß einiger Gebete auch schon für dieses Alter verlangt wird, so ist es doch aber wohl zu vermeiden, das Leichtere ganz beiseite zu lassen, wo es das Schwerere unterstützen könnte. Was soll aber nun ausgeschlossen werden? Diernv-n, die ganz gut, soviel für dieses Alter nöthig ist, bei dem Gebetübersetzen durchgenommen und eingeübt werden können und die „theoretische Einübung vom Artikel, Feminal- und Pluralbildung und Declination des Hauptworts". Wir wollen hier nur andeuten, daß auf das Wichtigste über Genanntes der hebr. Sprache der Schüler beim und wOin-Unterricht aufmerksam gemacht werden kann, indem wir uns die Begründung dafür aufsparen, bis wir zur Rubrik L „Hebr. Grammatik" kommen. Daß nun aber gar die eine Stunde im hebr. Schreiben sowohl in dieser wie in der vorhergehenden 6. Klasse wegfallen kann, um besser verwerthet zu werden, bedarf wohl keiner näheren Begründung, wenn man so sehr mit der Zeit geizen muß, wie eS an einer Religionsschule geboten ist und man vor Allem sich auf das Notwendigste zu beschränken hat. Ein reiferes Alter, in welchem der Blick sicherer und die Hand kräftiger ist, wird im hebr. Schreiben mit Leichtigkeit das leisten können, was jetzt im zarten KindeSalter nur ein mühevolles und dabei nutzloses Abarbeiten für Lehrer und Schüler ist. Der Unterricht im Pentateuch umfaßt 31/2 Bücher nach dem vorliegenden Lehrplane; wenigstens vermissen wir den Exodus und die zweite Hälfte des Deuteronomium; es könnte diese Lücke theilweise ausgefüllt werden, wenn man, nach unserem Vorschläge , den Unterricht im ffoin in der 5. Klasse würde beginnen lasten. Erstaunlich sind aber immerhin die Leistungen, daß bei je 2stündigem Unterricht in sämmtlichen Klassen, in der 4. Klaffe 19 Kapitel der Genesis, in der 3. Klaffe 30 Kap. desselben Buches und in der 2. Klasse Leviticus. Numeri und Deuteronium 1—17, durchgenommen werden. Es ist dieses ein Pensum, das in gar keinem Verhältniß zu der wenigen Zeit steht, welche dem Unterrichtsgegenstande zur Verfügung gestellt ist; selbst bei der Zuhilfenahme der häuslichen Arbeit: Einübung der Parabeln nach „Joel Nathan" und schriftliche Präperation, worauf nothwendigerweise diese Schule angewiesen ist und bei Klassen von geringerer Zahl ist für die fruchtbare Durcharbeitung eines solchen Pensums die höchste Anspannung der Lehr- und Lernkrafte erforderlich, die vielleicht über die von der Natur gezogene Grenze hinausgeht. Und doch halten wir es für nothwendig, daß dieses Pensum, ja noch mehr, absolvirt wird, denn wir betrachten die Kenntniß des ganzen Pentateuch als eine oouäitio s!ns yua hob, möchten aber auch, daß Lehrer und Schüler nicht überarbeitet werden und sich so abnutzen; wie aber abhelfen? Die Stundenzahl zu vermehren, was das Erwünschteste wäre, ist gewiß nicht möglich, denn sonst wäre es wohl geschehen. Darum möchten wir uns folgenden Vorschlag erlauben: man begnüge sich in der 3. Knabenklasse mit einer Stunde statt der zweien für Gebetübersetzen; was man da zu verlieren glaubt, wird durch einen umfassenderen Unterricht im Pentateuch reichlich ersetzt, indem dieser jenen besser und nachhaltiger zu unterstützen vermag, und in der 2. Knabenklasse verwende man die für die cursorische Durchnahme des Wochenabschnitts festgesetzte Stunde für den regelmäßigen wvvi-Unterricht. Denn von einem kursorischen Durchgehen des Wochenabschnittes können wir uns auf dieser Stufe und unter den gegebenen Vorbe-