Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1879-07-16 · Heft 29 (16.7.1879) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 29 (16.7.1879)
Date
1879-07-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447797-2447826--16416-2472401
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

756 Stellung der Juden der sicherste Gradmesser für das Maß der bürgerlichen Freiheit der verschiedenen Völker ist, in deren Mitte sie wohnen. Jede Reaktion fängt mit den Juden an, freie Nationen gönnen auch den Juden Freiheit. Man schaue, um dies einzusehen, nach England, Holland und Nordamerika, und wir glauben kaum, daß diese Staaten schlimmer daran sind als das deutsche Reich. Die Freiheit, \a das Dasein ists, was man uns aus bekannten, wenn auch verschwiegenen Gründen mißgönnt, der Wucher ist nur vorgeschoben, sonst müßte man von Wucherern, aber nicht von der Gesammtheit der Juden sprechen. Unsere Feinde lügen den von ihnen Bethörten vor, alles Unheil käme von den Juden. Zum Glück gibt es Staaten ohne Juden. Werfen wir einen Blick auf sie. Spanien hat seinen Boden zur Uebersättigung mit Judenblut gedüngt, hat sie zu Hunderttausenden auf die Scheiterhaufen der Inquisition geführt und sie zuletzt aus dem Lande gejagt; nicht weil man ihnen etwas vorwerfen konnte, sondern einfach, weil sie Juden waren; kein einziger davf jetzt unter diesem Namen dort leben, wer beneidet Spanien heute um sein Glück? Irland hat ebenfalls keine Juden, jedenfalls nur eine verschwindende Minorität; wie glücklich ist nicht die grüne Insel, wie tugendhaft sind nicht ihre Bewohner. Wir werden es unseren Feinden nie recht machen. Erwerben die Juden in einem Dorfe Grundstücke, so behaupten die Bauern, durch die Juden beeinträchtigt zu werden. Wenden wir uns dem Handwerk, dem Fabrikwesen zu, so sagt man entweder, wir liefern schlechte Maaren, verderben die Preise oder nehmen dem christlichen Handwerker das Brod vom Munde. Schreibt ein Jude Musik, und die Juden haben einige Vedienste um dieselbe, sagt Herr Richard Wagner, die Juden verderben die Kunst. Herr Professor Billroth hat herausgefunden, die Juden taugen nicht für die medizinische Wissenschaft, obschon sie Jahrhunderte hindurch die Leibärzte von Kaisern und Päpsten waren, trotz eines kanonischen Verbots und ungeachtet daß Juden dem Abendland Ne medizinischen Werke der Griechen und Araber übermittelt haben. Beschäftigt sich ein Jude mit der Presse, so schreit man allsogleich, die Juden verderben die öffentliche Meinung. Und das Alles, obschon auf Tausend Christen im Deutschen Reiche nur 12 Juden kommen. Selbst eine unserer unbestreitbarsten Tugenden, unser Sinn für Wohlthätigkeit, wird bemängelt. Spendet ein Jude zu dem „Berliner Hochzeitsseste", wie sie, die Uttramontanen es nennen, 809,00-1 Mark für Christen, so verschweigt man's, oder nennt's politische Heuchelei, wie groß auch der Unsinn ist, eine solche Gabe so zu nennen. Und der christliche Bettler, den ich gesättigt habe, murmelt im Fortgehen: „Wie das verdammte Judenvolt immer zu fressen hat". Einem solchen Borurtheile gegenüber, das bis zur Glorifikation eines an einem Jaden verübten Mordes sich versteigt, bleibt uns nichts anderes übrig, als an die Rechtlichkeit einsichtsvoller Christen zu appelliren — und dazu gehören gottlob die Meisten. — Schutz — das sind wir überzeugt — wird uns die Staatsbehörde gewähren, denn das Geschrei vom Judenaustreiben ist denn 'doch nichts anderes, als die nackte Auflehnung gegen die Staatsgesetze, welche jedem Bürger gegen die gleichen Leistungen an Gut und Blut mindestens auch gleichen Schutz gewähren. Unseren Wucher treibenden Glaubensgenossen sagen wir aber zum dritten Male, daß wir sie aus vollem Herzensgründe verachten und kein Mittel scheuen werden, sie von ihrem schändlichen Gewerbe abzulenken; denn je inniger die Uebrrzeugung ist, die uns trotz mancher Meinungsverschiedenheit an die Grundlehren des Judenthums bindet, desto mehr werden wir uns für verpflichtet erachten, die Schänder dieses uns heiligen Namens zu züchtigen und zu verachten. Schließlich noch die Bemerkung, daß der Verfasser dieses Aufsatzes nöthigenfalls für die Richtigkeit der vorgebrachten Thatsachen mit seinem Namen einzutreten sich nicht scheuen wird, aber nicht beabsichtigt, sich in eine Polemik einzulassen. Mit Ermächtigung berufener Organe 8." Lin Lehrplan für das Kebräifche. (Fortsetzung.) 8. Der Unterricht in der Berliner Religions- Schule vertheilt sich über 7 Knaben- und 5 Mädchenklassen; wir fassen zuerst die Knabenklassen in's Auge. Die Leseübungen werden bis zur3. Klasse: fortgesetzt, eine Nothwendigkeit, welche sich aus den nur wenigen Stunden, die diese Schule den einzelnen Fächern zuwenden kann, ergibt; wird in dieser Zeit Fertigkeit im Lesen erzielt, so hat dir Schule ihre Aufgabe in dieser Beziehung gelöst Wir wollen bei dieser Gelegenheit gleich auf eine Klage aufmerksam machen, der man so häufig begegnet, daß nämlich die Kinder, selbst bei größerer Stundenzahl, immer noch Unsicherheit im hebr. Lesen zeigen; man bedenkt aber nicht, daß das i i J 1 l f <- t t 1 1 i h g i z fl d st l> ü h Z ri L fl! m ü ei b, 1e w A m „i P V tu lei Mi do G S

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.