Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1879)
- Date
- 1879-07-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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735 Kaufmanns Klein aus. Klein, ein Jude, bekam am 22. d ein anonymes Schreiben, in welchem es wörtlich also hieß: ..Du ungetaufter Jude, betrügst und stiehlst genug, zahle wenigstens eine Abgabe an die nationale Regierung, die dich bis morgen leben lassen wird, damit du bis dahin 50,000 Rubel zahlen kannst. Das Geld wird aus dem südlichen Winkel des Zacharow-Parkcs unter der äußersten Bank geholt werden. Das Revolutions-Comitö." Klein übergab den Brief der Polizei, und am nächstfolgenden Tage um 8 Uhr früh brach in seinen Magazinen Feuer aus, welches in kurzer Zeit Maaren im Werthe von 21,000 Rubeln vernichtete. Doch nicht an einzelne Personen allein, auch an die Gemeinden wenden sich die Revolutionäre mit ihren Forderungen. So ist am 2L d. M. das jüdische Städtchen Uziany im Gouvernement Kowno total nicdergebrannt, weil die Gemeinde die ihr vom Revolutions-Count« auferlegte Kontribution von 200,000 Rubeln nicht bezahlt hatte. Es brannten 300 jüdische Häuser ab. Das Feuer dauerte vier Tage lang, und die aus den benachbarten Dörfern herbeigeeilten Bauern weigerten sich, die jüdischen Häuser und das Eigenthum der Juden zu retten, und retteten nur die Gegenstände aus der katholischen Kirche und die des katholischen Geistlichen. Vierzehn Juden, acht Männer, zwei Frauen und vier kleine Kinder, fanden in den Flammen ihren Tod. Sämmtliche Einwohner von Uziany sind nun ohne Obdach und Nahrung. ni i 1 l e t I) n, Iakoöine. E i n Lebensbild. Von Iriedrich Wott. XXXVII. „Gretchen", sprach eines Tages Frau Kohn zu der emsig Nähenden, „ich bin zwar so wohl mit Ihrer Ärbeit als auch mit Ihrem Fleiße vollkommen zufrieden, dennoch kann ich Sie nicht lange mehr in meinem Dienst behalten; denn der schweren Arbeit sind Sie nicht gewachsen, und die Aussteuer meiner Tochter ist, wie Sie wissen, nahezu beendet." Jakobine erblaßte; der Gedanke, die Familie verlassen zu müssen, in der in gewisser Beziehung ein neues Leben für sie begonnen, erfüllte sie mit tiefer Betrübniß; sie war kaum im Stande, ihre Thränen zurückzuhalten. Frau Kohn bemerkte es und fuhr freundlich fort: „Ich habe Ihnen aber einen andern Antrag zu machen. Meine Tochter verheirathet sich in wenigen Wochen, sie verlaßt Familie und Heimath, um weit über den Ocean dem Gatten zu folgen. Sie schätzt Sie sehr und würde sich freuen, wenn Sie sich entschließen könnten, sie zu begleiten und auch mir wäre es ein außerordentlich angenehmer Gedanke, eine so treue ergebene Dienerin bei meiner Tochter zu wissen." Frau Kohn war abgerufen worden, bevor Jakobine antworten konnte; gleich darauf trat Betti ins Zimmer. „Nun wie ist's?" rief sie nachdem sie die Thür in's Schloß gedrückt hatte, „gehst Du mit mir, Gretchen?" „Wenn Sie Arbeit für mich haben und mich mitnehmen wollen —" „Was fällt Dir ein", lachte Betti, „glaubst Du, ich, die ich Dich kenne, ich würde Dich als Magd in meine Dienste nehmen wollen? — Meine Gesellschafterin sollst Du sein, meine Freundin. Es war mir schon häufig recht angst, wenn ich daran dachte, was ich in New-Aork anfangen würde, wenn James abwesend fern wird. Und das wird öfters Vorkommen; er macht einige größere Reisen im Jahr, uud hat mich deshalb aufgefordert, mir eine Gesellschafterin mitzunehmen. Nun, wie ist's, kann ich auf Dich rechnen?" Jakobine war überglücklich; die Aussicht, an der Seite ihrer Freundin eine ihrer Erziehung und ihren Gewohnheiten angemessene Stellung einzunehmen , erfüllte sie mit inniger Freude;' doch machte sie es zur Bedingung, bis zur Abreise im Kohn'schen Hause in der Stellung und der Kleidung als Magd zu bleiben; erst auf dem Schiffe wollte sie sich als Gesellschaftsdame zeigen. „Wenn Dir dieses für Deine Sicherheit unerläßlich erscheint, kann ich freilich nichts dagegen einwenden; doch auch ich habe eine Bedingung. Sobald wir Europa im Rücken haben, für Deine Sicherheit also nichts mehr zu fürchten ist. mußt Du mir gestatten, James mit Deinen Verhältnissen bekannt zu machen; ich könnte mich nicht entschließen , ihm ein Geheimniß in's Haus zu bringen." Jakobine neigte sich tief über ihre Arbeit; daS Blut stieg ihr in die Wangen, doch gleich darauf entglitt die Nadel ihren Fingern und tiefe Bläste überzog ihr Angesicht. Konnte, durfte sie den so verlockend schönen Antrag des jungen Mädchens so annehmen? Betti hatte ihr erklärt, sie könne sich nicht entschließen, dem Gatten ein Geheimniß in's Haus zu bringen, aber wenn sie ihm nun auch das mittheilte, was sie selbst über die