Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1879)
- Date
- 1879-07-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. Erste Leilage;u Nr. 88 -es Israelit. Sl s 1 I nj iel i*| tdl ii e( ch> ei it ie Sei )l ei bl in ei x\ :e< ttr Leitender Artikel Literarischer Jericht. „Rabbi Jesaja Berlin," ein biographische Skizze im Rabbiner-Seminar zu Berlin, vorgetragen von I)r. A Berliner. Berlin 1879. Gegenüber den traurigen indifferenten Erscheinungen der Gegenwart kann es einerseits keinen bessern Trost, anderseits keine bessere Ermunterung für die Erweckung des religiösen Sinnes für Opferfähigkeit, Glaubensinnigkeit und Liebe zur Thora geben, als indem uns die klassisch vollendeten Geistesgrößen der Vorzeit vor Augen geführt werden. Welches Herz wird nicht von einer Regung des Besseren erfaßt, wenn es hört, wie diese Altvordern in Bescheidenheit, Reinheit und Sitte, in Genügsamkeit, Menschenfreundlichkeit und in unablässigem Studium der hl. Gotteslehre den Zweck ihres Lebens erkannten, wie sie unbeugsam bei allen Stürmen des Lebens hindurch ihren einzig wahren Ruhepunkt in Gottesinnigkeit und Glaubensreinheit suchten und fanden. Einen solch en Geisteshelden aus der jüngsten Vergangenheit, wie er erhabener nicht gedacht werden kann, führt uns genannter Verfasser in vorliegender Schrift vor. Wer kennt nicht den Namen eines Rabbi Jesaja Berlin, des Mannes, dem wir so viele Geistesschätze verdanken, und der sich um Richtigstellung des Textes unserer Talmuden so unstreblich verdient gemacht hat. „Diesen Mann in seinem Leben und seiner Lehre, so weit sich dies oft in sehr mühsamer Weise und auf vielfach verschlungenem Wege ermitteln ließ, vorzuführen, ist die Aufgabe gegenwärtigen Vortrags." Wahrlich! wir können uns nicht genug wundern, wie in der knappen Form eines Vortrages der Verf. uns eine solch' besonnene, eingehende und verläßliche Darstellung des Lebens und der Lehre dieses großen Mannes bieten konnte, einen Vortrag, der in seinem ganzen Aufbau, Gliederung und Form einfach und klar, spannend wie geistig nährend ist, überall bestimmt und originell. So erfahren wir zunächst (S. 9), daß der Namen, unter welchem Rabbi Jesaja stets genannt wird — Pick nämlich — nicht sein eigener Zuname, sondern der seines Schwiegervaters war, und daß er bei Lebzeiten sehr ungehalten darüber war, wenn man ihm so benannte. Warum sich derselbe dennoch in seinen Noten stets zeichnet, wird uns nicht gesagt. Ein kritisches Eingehen aus die Riesenwerke dieses Geisteshelden war de§ Verf. Absicht nicht, konnte auch in der knappen Form eines Vortrages nicht gegeben werden, doch finden wir bei Besprechung der literarischen Thätigkeit R. Jesaja's bisweilen einen Satz eingestreut, der mehr halachisches als literarhistorisches Material ist, und an solche Stellen wollen wir ihres allgemeinen Gehaltes halber uns erlauben einige Bemerkungen anzuknüpfen. Daß es uns nickt in den Sinn kommen kann, einen Verf.. dessen talmudische Gründlichkeit und immense Belesenheit allbekannt, mit unsern beschränkten Mitteln zu kritisiren, braucht wohl nicht gesagt zu werden, und wenn wir dennoch hie und da zur Feder greifen zu einer literarischen Besprechung in diesen gesch. Blättern, so ist es vielmehr die Liebe zur Wahrheit, das Streben nach Belehrung, das uns dazu veranlaßt. So schildert uns z. B. der Verf. die Milde und Nachsicht, mit welcher R. Jesaja seinen Nebenmenschen gegenüber sich verhalten habe auf Grund seiner eigenen Worte in der Vorrede zum Schöltot, und fährt dann wörtlich fort: Bei dieser Gelegenheit nimmt er Veranlassung sich zu entschuldigen, das er bei Anführung von bereits verstorbenen Gelehrten die Euphemie b“i oder 'ry? weggelassen habe. Er habe sich dies umsomehr erlaubt, als nach dem Buche der Frommen diese Formel nicht nothwendig sei, wie man auch in der Schrift bei Erwähnung der Namen Mose und Ahron diesen Zusatz nicht gebraucht (S 11). Da aber der Talmud Kiduschin (31 b.) Rambam, Tur Schulchan Oruch R'ma, insbesondere p,43&n Th. l Nr. 122, diese Formel ja für nöthig halten, so kann es uns beim Durchlesen obiger Stelle nur wundern, daß der Mann, von dem uns doch selbst (S. 15) erzählt wird, daß er Schriften vorzüglichen Inhaltes verwarf, wenn einzele Worte derselben sich mit dem Talmud inCollision befanden, daß dieser Mann im Widerspruche mit sich selbst und den gegebenen halachischen Regeln, eine klare Bestimmung des Talmuds umgeht und nach D'TDn -isd handelt? Zum Glück haben wir einen Schältot zur Hand, und wir finden dort allerdings, daß Rabbi Jesaja sich auf n d beruft, aber wohlbewußt der Verantwortung auch die Gegenstellen vermerkt und die Lösung derselben sich an anderer Stelle vordehält; daß er sich nach iv'd richtet, hat